Thromboseprophylaxe bei langen Reisen

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Bei langen Reisen mit Zug, Auto oder Flugzeug können Reisethrombosen entstehen. Um die Blutzirkulation in den Beinen anzuregen, helfen in vielen Fällen schon leichte Bewegungsübungen.


Was ist eine Reisethrombose?

Von einer sogenannten Reisethrombose spricht man, wenn bei langen Reisen wie bei einem Langstreckenflug, aber auch bei langen Zug- oder Autoreisen, ein Blutgerinnsel in einer Vene entsteht. Lange Reisen können die Entstehung solcher Blutgerinnsel begünstigen, da sich das Blut durch das lange Sitzen mit abgeknickten Beinen stauen kann und so leichter verklumpt. Groß angelegte Studien zeigen, dass das Risiko für eine Reisethrombose bei einem Langstreckenflug von mehr als sechs bis acht Stunden bei 0,02 bis 0,05 Prozent liegt. Bei längeren Reisestrecken steigt das Risiko leicht an. Auf Flügen unter sechs Stunden besteht lediglich ein minimal erhöhtes Risiko für eine Reisethrombose.

Tipps für die Reise

Um die Blutzirkulation in den Beinvenen anzuregen, kommen mehrere einfache Maßnahmen in Frage. Werden die Beine übereinandergeschlagen, verlangsamt sich der Blutfluss in den Beinen. Stellen Sie die Beine deshalb am besten locker nebeneinander auf. Wippen Sie im Sitzen mit den Zehen, spannen Sie die Wadenmuskulatur an und heben Sie im Sitzen abwechselnd Fußballen und Fersen an. Regen Sie die Blutzirkulation in den Beinen an, in dem Sie die Beine regelmäßig bewegen. Im Sitzen geht dies ganz einfach, indem Sie die Knie anheben. Stehen Sie aber auch regelmäßig auf und gehen Sie etwas umher.



Achten Sie zudem darauf, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um die Fließeigenschaften des Bluts zu optimieren. Idealerweise sollten Sie einen Viertelliter Flüssigkeit alle zwei Stunden trinken. Ideal sind Wasser, Früchte- oder Kräutertees oder Saftschorlen. Bei Alkohol sollten Sie sich jedoch zurückhalten, da dieser die Entwässerung anregt.

Tragen Sie auf langen Reisen eher lockere Kleidung und weite Schuhe, die den Körper und den Blutfluss nicht einengen. Achten Sie darauf, dass Strümpfe nicht einschneiden. Kniehohe Stütz- oder Kompressionsstrümpfe können das Risiko für eine Reisethrombose auf Langstreckenflügen nachweislich senken. Diese sollten Sie mindestens zwei Stunden vor dem Flug anziehen und für die Dauer des Fluges tragen. Die Strümpfe sollten eine ausreichende Kompression gewährleisten. Lassen Sie sich deshalb im Fachhandel beraten.

Medikamente zur Blutverdünnung

Medikamente, die sich für die Thromboseprophylaxe eignen, sind nicht ohne Rezept erhältlich. Eine medikamentöse Blutverdünnung kann Ihnen Ihr Arzt auf Rezept verordnen, wenn Sie ein gesteigertes Risiko haben, eine Thrombose zu erleiden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Sie bereits einmal eine Thrombose oder eine Lungenembolie hatten, an einer Gerinnungsstörung oder einer Tumorerkrankung leiden, wenn Sie eine ruhiggestellte Extremität, zum Beispiel ein gegipstes Bein, haben oder rauchen und gleichzeitig mit der Pille verhüten.

Für Patienten mit einem erhöhten Thromboserisiko sind auf einem langen Flug Kompressionsstrümpfe und/oder Medikamente wie Heparin oder Clexane mögliche Hilfsmittel. Diese Medikamente müssen vor der Flugreise unter die Haut gespritzt werden. Dies ist sehr einfach und sicher zu handhaben. Fragen Sie Ihren Arzt, zu welchem Zeitpunkt vor Flugbeginn das Präparat injiziert werden muss, da dies vom verordneten Medikament abhängig ist.

Wenn Sie bereits blutverdünnende Tabletten einnehmen, zum Beispiel Falithrom, Marcumar Phenprocoumon oder Tabletten aus der Gruppe der "neuen oralen Blutverdünner" wie Xarelto, Eliquis oder Dabigatran, müssen Sie in der Regel keine zusätzlichen Maßnahmen zur Thromboseprophylxe ergreifen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten.

Rezeptfreie Medikamente

Immer wieder wird empfohlen, zum Vorbeugen einer Reisethrombose den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) einzunehmen. Bisher gibt es jedoch keine Belege dafür, dass dieser Reisethrombosen wirklich verhindert. ASS wirkt vor allem im arteriellen Blut, Thrombosen entstehen jedoch in der Regel in den Venen. Deshalb ist ein Thromboseschutz durch die Einnahme von ASS eher unwahrscheinlich.

Foto: © Maksym Yemelyanov – 123RF.com
 Frau Dr. med. Theresia Blattmann

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