Morbus Menière - Behandlungsmöglichkeiten

April 2018

Der Morbus Menière geht mit anfallsweise auftretendem Drehschwindel, Tinnitus und einseitigem Hörverlust einher. Treten diese drei Symptome zusammen auf, spricht man vom sogenannten Menièreschen Trias.


Morbus Menière - Definition

Beim Morbus Menière handelt es sich um eine Erkrankung des Innnenohres, die zu starken Schwindelattacken, Ohrgeräuschen und einem Hörverlust auf dem betroffenen Ohr führen kann. Der Morbus Menière betrifft nur ein Ohr. Patienten berichten von plötzlich einsetzenden Schwindelattacken, die häufig nach etwa 15 Minuten wieder abklingen. Manchmal können die Attacken jedoch auch Stunden andauern. Dabei ist der Gleichgewichtssinn massiv gestört. Durch den Schwindel kommt es zu Übelkeit und Erbrechen. Auf einem Ohr ist das Hörvermögen vermindert. Dies betrifft vor allem den Tieftonbereich. Zudem tritt ein Tinnitus auf. Der Tinnitus ist häufig niederfrequent und nur mittelmäßig stark oder gering ausgeprägt.



Es lässt sich nicht voraussagen, wie häufig die Anfälle auftreten. Die Erkrankung entwickelt sich bei jedem Betroffenen auf unterschiedliche Weise. Während einige Patienten rasch wieder gesund werden, können der Hörverlust und die Gleichgewichtsprobleme bei anderen Betroffenen zum Teil wochenlang bestehen bleiben, so dass Alltagstätigkeiten wie Autofahren nicht möglich sind. Der Tinnitus wird von den meisten Betroffenen variabel erlebt, ist aber meist nicht sehr stark ausgeprägt. Betroffene fühlen sich nach einer Krise psychisch und physisch erschöpft.

Mögliche Ursachen

Der Morbus Menière betrifft häufiger Frauen als Männer. Obwohl die Erkrankung in jedem Lebensalter auftreten kann, ist sie zwischen 20 und 50 Jahren am häufigsten. Bei Jugendlichen tritt die Erkrankung sehr selten auf.


Die Ursache der Erkrankung ist bislang nicht eindeutig geklärt. Forscher gehen jedoch davon aus, dass ein Endolymphstau (Endolymphe ist eine Flüssigkeit, die für die Funktion des Hörorganes und des Gleichgewichtsorgans notwendig ist) in der Gehörschnecke im Innenohr die Symptome verursacht. Was genau zu diesem Lymphstau führt, ist bislang nicht geklärt. Es existieren Hypothesen, die Viren, Traumata oder Immunerkrankungen für die Entstehung des Morbus Menière verantwortlich machen.

Behandlung des Morbus Menière

Da die Ursachen des endolymphatischen Staus nicht geklärt sind, ist eine ursächliche Behandlung und Heilung derzeit nicht möglich. Allerdings können die Symptome effektiv gelindert werden und es ist möglich, durch eine Anpassung der Lebensgewohnheiten die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Anfällen zu verringern.

Behandlung im akuten Fall

Die erste Schwindelattacke führt Betroffene häufig aufgrund der ausgeprägten Symptome in die Klinik, wo andere Ursachen ausgeschlossen werden und eine Akuttherapie eingeleitet wird. Die Behandlung des akuten Anfalls gilt der Symptomkontrolle. Bei akuten Drehschwindelattacken sollten Sie Bettruhe einhalten. Es werden Medikamente gegen die Übelkeit und gegen Schwindel verabreicht (zum Beispiel Vomex und Dimenhydrinat). Sind die Beschwerden sehr stark, können die Wirkstoffe als Infusion über die Vene verabreicht werden. Bei starkem Erbrechen kann es zudem notwendig sein, auch den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust durch Infusionen auszugleichen.

Gesunde Lebensgewohnheiten

Um nach einer akuten Attacke weiteren Menière-Anfällen vorzubeugen, ist ein gesunder Lebensstil empfehlenswert. Hier empfiehlt sich eine eher salzarme Kost. Verzichten Sie auf Rauchen, trinken Sie keinen Alkohol und vermeiden Sie viel Koffein. Auch Entspannungsübungen können die Häufigkeit der Anfälle verringern.

Medikamentöse Therapie

Zur medikamentösen Therapie stehen verschiedene Mittel zur Verfügung. Häufig genutzt wird hier Betahistidin. Das Medikament stimuliert die Rezeptoren für den Botenstoff Histamin und soll damit die Blutzirkulation im Innenohr verbessern, damit überschüssige Flüssigkeit im Innenohr (Endolymphe) besser abtransportiert wird.


Zudem wird Kortison als entzündungshemmendes Medikament genutzt. Das Kortisonpräparat wird lokal durch das Trommelfell unter Betäubung ins Mittelohr gespritzt. Dort soll es antientzündlich und gefäßabdichtend wirken. Durch die lokale Anwendung können klassische Kortison-Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme oder Hautverdünnung vermieden werden. Auch Diuretika (wassertreibende Mittel) werden zur Therapie genutzt, um den Flüssigkeitsstau aus dem Innenohr zu entfernen.

Wenn alle anderen Maßnahmen versagen, kann der Arzt erwägen, das Gleichgewichtsorgan "auszuschalten", indem ein spezielles Medikament ins Mittelohr injiziert wird. Bestenfalls führt dies dazu, dass die Schwindelattacken aufhören. Die Gefahr der Therapie ist jedoch eine Verschlechterung des Hörvermögens.

Operation

Bei ausgeprägten Beschwerden kann zudem eine Operation in Frage kommen, bei der der Gleichgewichtsnerv chirurgisch durchtrennt wird. Dies führt jedoch zu Taubheit auf dem betroffenen Ohr, weshalb diese Methode nur für Patienten in Frage kommt, bei denen schon ein starker oder vollständiger Hörverlust besteht.


Eine andere Möglichkeit besteht darin, den endolymphatischen Sack chirurgisch zu entlasten, damit die Endolymphe besser abfließen kann. Diese Operationen sollten an erfahrenen und spezialisierten Zentren vorgenommen werden.

Behandlung des Tinnitus

Wenn der Tinnitus als Symptomatik im Vordergrund steht, sollten Sie sich an eine spezielle Tinnitus-Sprechstunde wenden, die viele HNO-Ärzte und Kliniken anbieten. Hier werden Behandlungsstrategien angeboten, die von Entspannungstechniken bis zur Behandlung mit speziellen Rauschgeräten zur Überdeckung der störenden Geräusche reichen.

Alternative Behandlung

Präparate aus dem alternativmedizinischen Spektrum wie Homöopathie können begleitend gegen die Schwindelattacken eingesetzt werden. Auch Gleichgewichtstraining (zum Beispiel als Element der Feldenkraistherapie) oder Akupunktur können unterstützend wirken.

Langfristige Behandlung

Es ist wichtig, dass Sie einen HNO-Arzt Ihres Vertrauens als dauerhaften Ansprechpartner haben. Gerade wenn Krisen häufiger auftreten und die Erkrankung den Alltag stark beeinträchtigt, kann es sinnvoll sein, den Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen. Gruppen zur Selbsthilfe bei Morbus Menière gibt es inzwischen in fast allen größeren Städten.


Foto: © Johan Larson – 123RF.com

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Erstellt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 3. Oktober 2017 um 04:04 von SilkeCCM.
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