Mein Kind möchte nicht zur Schule gehen: Was tun?

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"Ich habe keine Lust auf Schule!" Egal ob in der 1. oder in der 12. Klasse: Welche Eltern haben diesen Satz nicht schon einmal von Ihrem Kind gehört? Lesen Sie hier, wie Sie Ihrem Kind bei Schulfrust helfen können.


Schulpflicht

Um allen Kindern gleichermaßen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, gilt in Deutschland die allgemeine Schulpflicht. Dies bedeutet, dass Kinder – in der Regel beginnend mit dem sechsten Lebensjahr beziehungsweise der ersten Klasse – eine Vollzeitschulpflicht haben, die sich je nach Bundesland auf neun oder zehn Schulbesuchsjahre erstreckt. Eltern sind demnach verpflichtet, Ihre Kinder am Schulunterreicht teilnehmen zu lassen. Was genau passiert, wenn ein Kind nicht zur Schule geht, hängt davon ab, ob die Eltern den Schulbesuch verweigern (zum Beispiel aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen) oder ob das Kind der Schule eigenständig fernbleibt.


Die Durchsetzung der Schulpflicht wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich liberal gehandhabt. In einigen Bundesländern können Eltern, die Ihre Kinder nicht in die Schule schicken, mit Freiheitsstrafen von bis zu sechs Monaten oder hohen Bußgeldern belegt werden. Verweigert das Kind oder ein Jugendlicher dauerhaft den Schulbesuch und können auch die Eltern dagegen nichts ausrichten, erfolgt häufig eine Klärung der Situation über Ämter, meist über das Jugendamt.

Mein Kind weigert sich, in die Schule zu gehen

Es ist normal, dass ein Kind ab und zu nicht zur Schule gehen möchte oder keine Lust auf Hausaufgaben hat und stattdessen lieber spielen oder etwas mit Freunden unternehmen möchte. Wenn diese Diskussion allerdings täglich auftritt, wenn Ihr Kind weint, sobald es zur Schule muss, oder wenn Krankheitszeichen (zum Beispiel häufige Bauchschmerzen oder Erbrechen) zeigt, sobald es in die Schule gehen soll, sollten Sie diese Alarmsignale ernst nehmen.

Was ist der Grund für Schulverweigerung?

Wenn Ihr Kind plötzlich nicht mehr in die Schule gehen möchte oder Angst davor hat, ist dies oft eine psychisch sehr belastende Situation. Belästigung oder Mobbing sind häufig die Gründe für Schulverweigerung. Wenn solche Probleme auftreten, sollten Eltern möglichst schnell darauf reagieren. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Kind. Manchmal stecken harmlose Gründe hinter der Schulverweigerung. Diese können zum Beispiel mangelnde Motivation, Langeweile im Unterreicht oder unbeliebte Lehrer sein.


Es ist jedoch wichtig, herauszufinden, ob ernsthaftere Probleme vorliegen. Scheuen Sie sich auch nicht, diese Frage mit dem Klassenlehrer zu besprechen, der eventuell eine ganz andere Sicht auf Ihr Kind und das Klassenumfeld hat, als Sie es als Eltern wahrnehmen können. Wenn Mobbing oder ernsthafte Sorgen hinter der Schulverweigerung stecken, sollten Sie Ihr Kind unterstützen und eine gemeinsame Lösung finden, um einen angst- und stressfreien Schulbesuch zu ermöglichen.

Mein Kind will nicht lernen

Kinder sind Kinder. Es ist für sie häufig gerade in der Grundschule nur schwer nachvollziehbar, warum sie noch lernen sollen, wenn sie schon in der Schule fünf Stunden lang stillgesessen haben. Versuchen Sie deshalb gerade in der ersten und zweiten Klasse einen Ausgleich mit Ihrem Kind zu finden, indem Sie eine Balance aus Freizeit und Lernen schaffen. Sprechen Sie bei Schulproblemen mit dem Lehrer. Ist das Kind im Unterricht häufig unkonzentriert? Ist es laut und fordernd oder eher schüchtern und ängstlich? Was erlebt es positiv, was ist motivierend, wo liegen Stärken und Schwächen?

Ideal ist es, wenn Kinder aus einem inneren Antrieb heraus Neugier und Wissensdurst entwickeln. Versuchen Sie, dafür die richtigen Anreize zu setzen. Will ihr Kind beispielsweise Astronaut werden, erklären sie ihm, dass man für diesen Beruf rechnen können muss. Versteifen Sie sich nicht nur auf das Thema Schule, denn wenn Kinder Schule von Beginn an mit Druck und Stress verbinden, wird früher oder später die Motivation darunter leiden. Loben Sie Ihr Kind für Dinge, die es gut meistert, und konzentrieren Sie sich nicht nur auf Schwächen. Manchmal kann es auch helfen, einen Außenstehenden um Hilfe zu fragen – sei es die Nachbarin oder einen Nachhilfelehrer –, da das Verhältnis beim Lernen zwischen Eltern und Kindern häufig angespannter ist als bei einer fremden Person.

Was ist eine Schulphobie?

In einigen Fällen liegt bei Schulverweigerern eine Schulphobie vor. Dabei kommt es zu echten phobischen Symptomen. Hierzu gehören Angst-Attacken, unkontrollierbare Panik, Schreien, körperliche Phänomene wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Herzrasen, Schlafstörungen usw. Kennzeichnend für eine Phobie ist die Tatsache, dass die Ängste des Betroffenen für Außenstehende nicht rational nachvollziehbar sind. Kinder, die solche Symptome zeigen, sollten nicht als Simulanten abgetan werden. Es ist äußerst wichtig, eine Phobie zu behandeln, da es sonst zu Schulversagen kommt.

Kinderpsychiater führen die Entwicklung einer Schulphobie auf Angst vor dem Urteil anderer – seien das der Lehrer, andere Schüler oder die Eltern – zurück. Diese Erscheinung ist in erster Linie Folge von mangelndem Selbstvertrauen. Die Behandlung so einer Phobie sollte von einem erfahrenen Kinder- und Jugendpsychiater oder Psychologen durchgeführt werden.

Foto: © Angela Waye – 123RF.com
 Frau Dr. med. Theresia Blattmann

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Letztes Update am 12. Dezember 2017 09:08 von Silke Grasreiner.

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