Können wir Erinnerungen verdrängen?

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Fast jeder Mensch kennt das Verdrängen unangenehmer Erinnerungen. Die Verdrängung ist ein psychologischer Abwehrmechanismus, um zum Beispiel unerträglich erscheinende Erinnerungen, Gefühle oder Probleme zu vergessen und so zu bewältigen.


Verdrängen, um zu vergessen

Jeden Tag stürzen Tausende Informationen auf uns ein, die das Gehirn bewertet und speichert. Unwichtiges kann und muss man löschen, um eine Überlastung des Gehirns zu vermeiden. Unter den Informationen sind außerdem sowohl positive als auch negative Erlebnisse, die ins Gedächtnis integriert werden. Es ist dabei wichtig, sich auch an negative Erfahrungen zu erinnern, da der Mensch so vermeiden kann, dieselben Fehler zu wiederholen.

Wenn jemand allerdings mit einem unerträglichen Problem oder einem traumatischen Ereignis, das die Psyche extrem stark belastet, konfrontiert wird, kann die Person die belastenden Erinnerungen verdrängen. So wird ein Mechanismus eingeleitet, der die Erinnerungen unterdrückt und nicht mehr in die Gedanken lässt. Eine Verdrängung kann bewusst oder unbewusst geschehen und bis hin zur psychogenen Amnesie (psychisch bedingter Gedächtnisverlust) führen.


Verdrängte Bewusstseinsinhalte sind jedoch nicht komplett vergessen, sondern lediglich dem Zugriff des Bewusstseins entzogen. Im seelischen Untergrund können verdrängte Erinnerungen weiterhin bestehen bleiben und so teilweise Ängste und depressive Zustände auslösen.

Neurobiologie

Die Verdrängung ist somit ein Schutzmechanismus, wenn extrem belastende Ereignisse nicht auf andere Weise verarbeitet werden können. Im Gehirn scheint dabei die Region im Präfrontalhirn eine übergeordnete Rolle zu spielen, welche die kognitive Kontrolle über Erinnerungen steuert. Beim Verdrängen werden von hier aus zwei andere Hirnregionen gehemmt, die normalerweise für die Erinnerung zuständig sind.

Welche Folgen hat Verdrängung?

Verdrängen ist eine Möglichkeit, belastende Situationen aus dem Bewusstsein zu verbannen. Insofern kann Verdrängen ein durchaus hilfreicher Mechanismus sein, um seelischen Ballast abzuwerfen und den Alltag zu bewältigen. Verdrängen kann auch dabei helfen zu akzeptieren, was unveränderlich ist. Somit ist der psychische Abwehrmechanismus eine sinnvolle Strategie.


Die positiven Seiten des Verdrängens enden jedoch dort, wo das Beiseiteschieben unangenehmer Erinnerungen eine krankhafte Dimension annimmt und Menschen alltägliche Probleme, wie etwa unbezahlte Rechnungen, nicht lösen, sondern verdrängen. In diesem Falle hilft Verdrängen nicht, Probleme zu lösen, sondern es bedingt das Problem an sich. Menschen, die zum Verdrängen einfacher Sorgen und Probleme leiden, benötigen professionelle psychologische Unterstützung, um andere passende Bewältigungsmechanismen zur Konfliktlösung zu erlernen.

Foto: © Aleksandar Mijatovic – 123RF.com
 Frau Dr. med. Theresia Blattmann

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