Wie beeinflusst Stress das Gedächtnis?

April 2018
Stress setzt unseren Körper in besondere Alarmbereitschaft. Dieser Alarmzustand beeinflusst den gesamten Körper und hat somit auch Auswirkungen auf das Gehirn. Auch die Gedächtnisfunktion unseres Gehirns wird durch Stress beeinflusst.


Stress und Gedächtnis

Stress ist ein Zustand, der besondere psychische und physische Reaktionen beim Menschen auslöst. Diese Reaktionen befähigen die Betroffenen, die besonderen Anforderungen der stressigen Situation akut zu bewältigen. Wenn Stress allerdings dauernd auftritt, mindert dies sowohl die körperliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit. Zu viel Stress kann die Gedächtnisfunktion negativ beeinflussen. Die Symptome reichen über eine regelrechte Denkblockade, ein Blackout bis hin zu vermehrter Vergesslichkeit.

Wie wirkt Stress auf unser Gedächtnis?

Bei Stress ist das Kurzzeitgedächtnis überlastet. Deshalb vergessen wir in stressigen Situationen Termine, verlegen Dinge, etc. Wenn der Stress so stark ist, dass es zu einem Erschöpfungszustand kommt, können weiter reichende Gedächtnisstörungen auftreten, die sogar bis hin zu einer psychogenen Amnesie (psychisch bedingter Gedächtnisverlust) reichen können.

Stress wird dem Körper über die Freisetzung von Stresshormonen wie Noradrenalin und Cortsiol vermittelt. Dauerhafter Stress führt zu einer ständigen Erhöhung der Stresshormone. Dies kann bestimmte Zentren im Gehirn – vor allem den präfrontalen Cortex und den Hippocampus – schädigen.

Der präfrontale Cortex gilt als Ort der Handlungssteuerung und der emotionalen Bewertung von Ereignissen im Gehirn. Der Hippocampus ist ein Teil des Gehirns, der für Lernen und Gedächtnis von zentraler Bedeutung ist.

Verschiedene Untersuchungen konnten zeigen, dass besonders der Hippocampus durch dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel beschädigt wird, was zu einer dauerhaften Erschöpfung des Gehirns im Sinne einer erhöhten Vergesslichkeit führen kann. Diskutiert wird auch, ob dauerhafter Stress als Risikofaktor für die Entstehung von Demenzerkrankungen gilt.

Lernen unter Stress

Jeder kennt folgende Situation: Die Prüfung rückt näher, es ist längst nicht alles geschafft, und schon steht man unter Stress. Ein gewisser Stresspegel kann für das Lernen kurzfristig positiv sein, da der Körper in Alarmbereitschaft gerät und der Geist kurzfristig besonders wach und aufmerksam ist, da der Hippocampus angeregt wird. Zu viel Stress ist wiederum schädlich für die Erinnerungsfähigkeit. Wir erleben dieses Phänomen zum Beispiel im Rahmen eines sogenannten Blackout-Syndroms.

Was ist ein Blackout?

Bei einem Übermaß an Stress wird das Gehirn mit Stresshormonen regelrecht geflutet. Zu viel Cortisol ist jedoch schädlich für den Hippocampus. Um Schäden zu verhindern, schaltet sich der Hippocampus deshalb kurzfristig komplett aus. Dieser Mechanismus ist das, was wir in Stresssituationen als Blackout-Syndrom erleben. In einer solchen Phase ist das abstrakte Denken schwierig und Erinnerungen können nur noch sehr schwer abgerufen werden.


Um dem Stresszyklus zu entkommen hilft nur, mental zurückzutreten, möglichst tief durchzuatmen und zu versuchen, sich zu beruhigen. Dies hilft bereits, die Stresshormone im Blut zu reduzieren, den Hippocampus wieder anzuschalten und somit Erinnerungen wieder leichter abzurufen.

Wenn Sie wissen, dass Sie in einer Prüfungssituation besonders gestresst sind, hilft es deshalb, sich auf den Stress so gut wie möglich vorzubereiten, um ein etwaiges Blackout zu verhindern. In der Regel stresst Menschen insbesondere das Ungewohnte. Stellen Sie sich die Prüfungssituation vor, üben Sie, wie Sie sich in einer Prüfung verhalten und lernen Sie wenn möglich Ihre Prüfer kennen. All dies nimmt bereits Druck aus der Situation und führt zu einer geringeren Anflutung an Stresshormonen in der Prüfungssituation.

Foto: © Alphaspirit – 123RF.com
Letztes Update am 16. November 2017 01:00 von SilkeCCM.
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