Die Agnosie

April 2018
In der Medizin handelt es sich bei einer Agnosie um eine seltene neuropsychologische Störung, bei der Betroffenen Gegenstände, Personen oder Umgebungen nicht mehr erkennen bzw. zuordenen können. Lesen Sie hier, welche Arten von Agnosien es gibt und welche Behandlung möglich ist.


Agnosie - Definition

Eine Agnosie ist eine Störung der Sinnesverarbeitung im Gehirn und damit des Erkennens. Bei den Betroffenen sind die sensorischen Funktionen wie auch die Aufmerksamkeit und die intellektuellen Fähigkeiten intakt, trotzdem werden bislang bekannte Gegenstände nicht erkannt. So wird zum Beispiel ein Dreieck als Gegenstand mit drei Ecken wahrgenommen, aber von Betroffenen nicht als Dreieck zugeordnet.

Die verschiedenen Arten der Agnosie

Abhängig vom beschädigten Hirnareal unterschiedet man verschiedene Agnosien, die unterschiedliche Symptome hervorrufen: die visuelle Agnosie, die taktile Agnosie, die auditive Agnosie, die räumliche Agnosie und die körperliche Agnosie.

Visuelle Agnosie

Bei der visuellen Agnosie können Betroffene vertraute Objekte zwar sehen, aber den Gegenstand nicht in seiner Funktion erkennen und zuordnen. Ein Haus wird zum Beispiel als zusammenhängendes Gebilde gesehen, aber es wird nicht in seiner sinngebenden Bedeutung als Haus erkannt (assoziative Agnosie). Bei der Unterform der apperzeptiven (oder integrativen) Agnosie wird nicht einmal das zusammenhängende Gebilde erkannt, sondern nur dessen Einzelteile (zum Beispiel nur Striche, ohne eine zusammenhängende Zeichnung zu erkennen).

Die visuelle Agnosie kann auch den Bereich der Zahlen oder Buchstaben betreffen.

Eine weitere Unterform der visuellen Agnosie ist die Prosopagnosie, die sogenannte "Gesichtsblindheit". Betroffenen ist es nicht möglich, bekannte Gesichter wiederzuerkennen.

Auditive Agnosie

Die auditive Agnosie wird umgangssprachlich auch als "Seelentaubheit" bezeichnet. Betroffene können vertraute Geräusche (Flugzeuge, Autos, Musik) zwar hören, aber nicht zuordnen. Einige Betroffene können artikulierte Laute nicht verstehen, obwohl sie in der Lage sind, selber zu sprechen.

Taktile Agnosie

Die taktile Agnosie ist eine Störung der Tastempfindung. Patienten können Dinge berühren und befühlen, aber nicht erkennen. So können Betroffene die Oberflächen einer Metallplatte oder eines Zeichenblocks keinem Gegenstand zuordnen.

Räumliche Agnosie

Bei einer räumlichen Agnosie sind Patienten nicht in der Lage, sich einen Überblick über räumliche Gegebenheiten zu verschaffen, zum Beispiel über eine harmlose Straßenszene.

Körperliche Agnosie

Die körperliche Agnosie ist eine schwere neuropsychologische Störung, bei der Betroffene Teile des Körpers nicht mehr als zu ihrem eigenen Körper gehörden betrachten. So gibt es Patienten, die zum Beispiel einen Arm oder ein Bein als "fremd" betrachten.

Ursachen einer Agnosie

Eine Agnosie kann unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören erhebliche Schädelverletzungen, Gehirntumoren, Infektionen im Bereich des Gehirns oder der Hirnhäute, Schlaganfall sowie schwere psychische Erkrankungen.

Therapie bei Agnosie

Eine Agnosie ist in der Regel nicht heilbar. Es können nur die Symptome gelindert werden, je nach Art mit Hilfe von Neuropsychologen, Ergotherapeuten oder Logopäden. Der Betroffene lernt dabei, seine Wahrnehmungsstörung zu kompensieren. Bei einer Prosopagnosie zum Beispiel lernt der Patient, bekannte Personen über andere Merkmale wie deren Eigenschaften (Gang, Stimme, Sprache) oder sonstige Auffälligkeiten (Frisur, Schmuck, Kleidungsstil) zuzuordnen.


Foto: © lightwise - 123RF.com

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Letztes Update am 18. November 2017 05:59 von SilkeCCM.
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