Was tun bei einem epileptischen Anfall?

Juni 2018
Personen, die Zeugen eines epileptischen Anfalls werden, sind oft erschrocken und ratlos. Um dem Betroffenen während der Krise zu helfen, sollten ein paar einfache Regeln eingehalten werden.


Epileptischer Anfall: Was ist das?

Epilepsie ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, bei der epileptische Anfälle als Symptome auftreten.


Was passiert bei einem epileptischen Anfall? Epileptische Anfälle können verschiedenen Formen annehmen. Am bekanntesten sind die sogenannten Gran-Mal-Anfälle, bei denen der Betroffene plötzlich bewusstlos auf den Boden fällt und seine Muskeln zuerst versteifen und dann zucken (tonisch-klonischer Anfall).

Die Anfälle können aber auch kaum merklich ablaufen, etwa wenn nur einzelne Muskeln betroffen sind oder wenn es sich um sogenannten Absencen handelt, bei denen der Betroffene kurzzeitig abwesend erscheint.

Ein epileptischer Anfall kommt meist ohne Vorwarnung, nur der Betroffene selbst spürt manchmal innerlich gewissen Anzeichen. Bestimmte Umstände können einen Anfall aber auslösen, vor allem flackerndes Licht.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Wenn Sie einen epileptischen Anfall beobachten, beachten Sie die folgenden Verhaltensregeln und treffen Sie entsprechende Maßnahmen:

Bewahren Sie Ruhe. Die Krise ist meistens von begrenzter Dauer, in der Regel dauert der Anfall weniger als drei Minuten, und ist an sich kein medizinischer Notfall.

Wenn ein Betroffener spürt, dass ein Anfall kurz bevorsteht, sollten Sie ihn hinlegen und Gegenstände aus dem Weg räumen, an denen er sich durch die unkontrollierten Bewegungen verletzen könnte.

Schützen Sie vor allem die Kopfregion bei einem Krampfanfall vor eventuellen Verletzungen.

Prüfen Sie, ob die Person atmet, vor allem wenn sich ihr Gesicht bläulich verfärbt.

Lockern Sie beengende Kleidung und bringen Sie den Betroffenene nach dem Anfall in eine stabile Seitenlage (zum Erlernen der stabilen Seitenlage gibt es zum Beispiel dieses Video vom Deutschen Roten Kreuz).

Bleiben Sie bei dem Betroffenen, bis er das Bewusstsein vollständig wiedererlangt hat. Oftmals ist er nach dem Anfall erst einmal verwirrt.

Ein Anfall der länger als fünf Minuten dauert, kann das Gehirn des Betroffenen dauerhaft schädigen. Möglicherweise erwacht der Betroffene nicht aus der Bewusstlosigkeit oder hat sich doch verletzt oder der Anfall wurde ausgelöst durch eine andere ernsthafte Ursache. Rufen Sie deshalb zur Sicherheit einen Notarzt oder beauftragen Sie eine andere Person damit. Wenn Sie die Möglichkeit haben, stoppen Sie die Zeit des Anfalls, um dem Arzt genauere Auskunft geben zu können.

Was Sie nicht tun sollten

Halten Sie den Betroffenen nicht fest, um die krampfartigen Bewegungen zu unterbinden.

Legen Sie nichts in seinen Mund, um einen Zungenbiss zu verhindern (Tuch, Taschentuch oder Papier, Baumwolle oder Ähnliches). Der Betroffene kann sich sonst verschlucken oder sogar ersticken.

Versuchen Sie nicht, dem Betroffenen Gegenstände aus der Hand zu nehmen, die er während des Anfalls fast umklammert hält. Falls diese gefährlich für ihn sein könnten, wie zum Beispiel ein Messer oder eine brennende Zigarette, machen sie sich nur unschädlich, indem sie zum Beispiel ein Tuch herumwickeln oder die Zigarette abbrechen.

Sie sollten den Betroffenen während des Anfalls nicht transportieren.

Geben Sie dem Betroffenen nichts zu trinken oder zu essen und verabreichen Sie ihm keine Medikamente, auch nicht solche, die ihm im Rahmen seiner Therapie verordnet wurden.

Foto: © Wikimedia.
Letztes Update am 8. Dezember 2017 12:11 von SilkeCCM.
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