Bleivergiftungen bei Kindern

April 2018
Blei ist ein für den Menschen giftiges Schwermetall, das aber noch bis in die 1970er Jahre für Trinkwasserleitungen verwendet wurde. Heute wird es vor allem noch für Autobatterien gebraucht. Blei kann vor allem bei Kindern Vergiftungen hervorrufen.


Daten und Fakten zu Bleivergiftungen

Blei kommt im menschlichen Körper physiologischerweise nicht vor. Deshalb muss beim Nachweis von Blei im Organismus von einer Kontamination ausgegangen werden. Blei kann über den Verdauungsapparat, die Atemwege oder die Blutbahn (Mutter-Kind) aufgenommen werden.



Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die durchschnittliche tägliche orale Bleiaufnahme auf etwa 100 bis 500 Mikrogramm (µg) pro Person. Erwachsene nehmen mehr als 80 Prozent des Bleis über Lebensmittel auf. Auch bestimmte Berufe kommen noch mit Blei in Kontakt, etwa Installateure beim Löten mit bleihaltigem Lötzinn. Kleinkinder können bleibelasteten Boden und Staub verschlucken.

Die pro Tag aufgenommene Bleimenge ist bei Kindern durchschnittlich relativ gesehen höher als bei Erwachsenen. Außerdem nehmen sie Blei fünfmal schneller auf als Erwachsene.

Es ist wichtig zu wissen, dass die biologische Halbwertszeit von Blei so hoch ist, dass der Mensch es im Körper innerhalb seiner Lebenszeit nicht abbauen kann. Das Schwermetall reichert sich an.

Symptome einer Bleivergiftung

Besonders eine schleichende Bleivergiftung, etwa durch Trinkwasser, wird anfangs kaum als solche erkannt, da sie mit wenigen eindeutigen klinischen Symptomen einhergeht. Starke Symptome wie Bleisaum am Zahnfleisch (eine schwarzgraue Verfärbung der Zahnfleischränder durch Ablagerungen von Bleisulfid), etwa bei Kindern, die in der Nähe von Bleihütten lebten, gehören zum Glück der Vergangenheit an.


Unter den Anzeichen für eine Bleivergiftung sind Verdauungsstörungen in Form von Appetitlosigkeit, wiederkehrenden Bauchschmerzen, Verstopfung und Erbrechen.

Außerdem können Verhaltensstörungen auftreten, darunter Apathie oder Reizbarkeit und Hyperaktivität. Weitere Symptome einer Bleivergiftung bei Kindern sind Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen, eine verzögerte psychomotorische Entwicklung sowie Blässe durch die mit der Bleivergiftung einhergehende Anämie.

Wann sollte eine Bleiwertbestimmung erfolgen?

Um eine Bleivergiftung festzustellen, muss der Bleiwert im Blut bestimmt werden. Diese Bestimmung wird allerdings nur bei Kindern durchgeführt, bei denen eine Bleivergiftung vermutet wird. Die folgenden Kriterien werden herangezogen, um festzustellen, ob das Kind einem Risiko für eine Bleivergiftung ausgesetzt ist:


Alter zwischen zwölf Monaten und sechs Jahren;

wohnhaft in einer älteren, heruntergekommenen oder kürzlich renovierten Behausung;

und/oder Auftreten eines Pica-Syndroms (die Kinder essen dabei Substanzen, die keine Lebensmittel darstellen) oder häufiges In-den-Mund-Nehmen von Dingen;

und/oder Frequentieren von Behausungen oder Gebieten, die bekanntermaßen bleikontaminiert sind;

und/oder wenn eine Person im Umfeld unter einer Bleiintoxikation leidet.

Was tun, wenn Blei im Blut nachgewiesen wurde?

Die empfohlene Vorgehensweisen richtet sich nach der Menge Blei, die im Blut vorgefunden wurde und die in Milligramm pro Liter (mg/l) gemessen wird.


Bleiwert unter 100 mg/l: Es liegt keine Intoxikation vor. Eine Kontrolle (Bleiwertbestimmung) sollte bis zum sechsten Lebensjahr alle sechs Monate erfolgen. Die Kontaminationsquellen müssen soweit wie möglich aus dem Umfeld des Kindes entfernt werden.

Bleiwert zwischen 100 und 249 mg/l: Eine Kontrolle des Bleiwerts sollte alle drei bis sechs Monate erfolgen. Die Kontaminationsquellen müssen entfernt und der Fall muss gemeldet werden.

Bleiwert zwischen 250 und 449 mg/l: Eine Kontrolle des Bleiwerts sollte alle drei bis sechs Monate erfolgen. Das Kind muss an eine Institution überwiesen werden, in der der Schweregrad der Intoxikation eingeschätzt und die Indikation einer Behandlung mit Chelatbildnern (Mittel zur Schwermetallentgiftung) erörtert werden kann. Die Kontaminationsquellen müssen entfernt und der Fall muss gemeldet werden.

Bleiwert über 450 mg/l: Das Kind muss sofort an eine Institution überwiesen werden, in der der Schweregrad der Intoxikation eingeschätzt und die Indikation einer Behandlung mit Chelatbildnern erörtert werden kann. Die Kontaminatiosquellen müssen entfernt und der Fall muss gemeldet werden.

Foto: © Wikimedia.

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Letztes Update am 7. Dezember 2017 07:44 von SilkeCCM.
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