Exzessives Schreien: Welche Krankheiten können dahinter stecken?

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Babys schreien je nach Temperament mehr oder weniger. Besonders in den ersten sechs Lebensmonaten schreien Babys viel und scheinbar ohne Grund, vor allem abends. Wenn ihr Baby aber am ganzen Tag schreit, immer beim Hinlegen oder hysterisch ohne sich zu beruhigen, kann eine Krankheit die Ursache sein.


Was ist exzessives Schreien?

Als exzessives Schreien im Säuglingsalter werden unstillbare, dauerhafte Schrei- und Unruheattacken bei Babys bezeichnet. Die Schreiattacken können auf eine harmlose Anpassungsstörung oder auch auf ernsthafte Krankheiten hindeuten. Deshalb sollten Sie zunächst einen Kinderarzt aufsuchen, der einen krankhaften Hintergrund der Schreiattacken ausschließen kann.


Die folgende Störungen lösen häufig Schreiattacken bei Babys aus.

Verdauungsstörungen

Das Baby kann Schmerzen haben, die durch Reflux, durch Koliken sowie durch Anomalien im Verdauungsapparat ausgelöst werden.

Zähne

Viele Kinder weinen oder schreien "wie am Spieß", wenn sie zahnen. Zusätzlich zu den Zahnschmerzen können unterschiedliche Symptome auftreten, wie Fieber, Schlafstörungen, Ausschlag auf den Wangen und Verdauungsprobleme.

Psychische Probleme

Beim Baby sind bereits psychische Unruhezustände möglich oder das Schreien bedeutet nur allgemeines Unbehagen und unspezifisches Klagen.


Wenn die Eltern schlecht gelaunt, gestresst oder depressiv sind, kann sich diese Stimmung auf das Kind übertragen. Auch Probleme in der Interaktion zwischen den Eltern oder zwischen Eltern und Kind können für eine exzessive Schreisymptomatik verantwortlich sein.

Schütteltrauma

Nach der Geburt des Kindes stürzen viele neue Herausforderungen auf die frisch gebackenen Eltern ein. Viele Mütter leiden nach der Geburt des Kindes unter Schlafmangel. Zudem verändern sich häufig die Paarbeziehung und das berufliche Umfeld. Wenn das Baby ständig schreit, ertragen einige Eltern dies nicht. In solchen Situationen kommt es zum Teil zu Kindesmisshandlungen in Form eines Schütteltraumas.

Wenn Sie ein Kind schütteln, wird das Gehirn durch Dreh- und Schwerkräfte schwer verletzt. Durchblutungsstörungen und unterbrochene Nervenbahnen führen zu einem Hirnödem, welches mitunter erst Wochen später zu Symptomen führen kann.

Der Kopf ist bei Kindern im Verhältnis zum Körper sehr groß, die Halsmuskulatur ist jedoch grade bei Neugeborenen noch schwach. Deshalb haben Kinder im Säuglingsalter Schleuderbewegungen nichts entgegenzusetzen und diese können schwere Verletzungen verursachen.

Laut Schätzungen gibt es pro Jahr 100 bis 200 Fälle in Deutschland. Die betroffenen Babys sind in der Regel jünger als sechs Monate. 30 bis 70 der Babys versterben an den Folgen.

Symptome

Durch heftiges Schütteln können im Gehirn von Babys Hirnblutungen und Ödeme entstehen. Außerdem kann es zu Blutungen zwischen Schädeldecke und Gehirn kommen, die das weiche Hirngewebe komprimieren.


Zu den Symptomen gehören Erbrechen, Schwächeanfälle, Bewusstlosigkeit, epileptische Anfälle, Atemstillstand, Herzstillstand, Lähmungen und Verlust der Sehkraft.

Diagnose durch den Arzt

Wenn das Baby exzessiv schreit, sollte der Arzt eine ausführliche Untersuchung durchführen. Dazu gehören eine medizinische Anamnese, eine genau Beschreibung des Symptoms (wann, wie lange und unter welchen Umständen schreit das Baby und wann schreit es weniger), besonders der Ablauf der Nächte, die Gewichtskurve des Babys und bereits versuchte Behandlungsansätze und Beruhigungsmethoden.


Im Rahmen einer psychosomatischen Anamnese solle der Arzt fragen, wie die Schwangerschaft und Geburt verlaufen sind, welche Befürchtungen und welche Stimmung die Eltern haben. Außerdem sollte er das Kind beobachten und wie die Eltern mit dem Kind umgehen.

Bei folgenden Auffälligkeiten sollten Ärzte eine Schütteltrauma in Erwägung ziehen: wenn das Baby ist erst wenige Monate alt ist, wenn es epileptische Anfälle hat oder Anzeichen für ein subdurales Hämatom und wenn die Eltern erst sehr spät Hilfe suchen.

Foto: © hannamariah - 123RF.com
 Frau Dr. med. Theresia Blattmann

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