Wird Krebs vererbt?

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Viele Krebspatienten machen sich Sorgen, ob Krebserkrankungen erblich sind und somit auch in der Familie nahestehende Verwandte ein erhöhtes Krebsrisiko haben. In den meisten Fällen handelt es sich bei Krebs jedoch nicht um eine vererbbare Erkrankung.


Ist Krebs vererbbar?

Krebs entsteht in erster Linie durch exogene Faktoren, zum Beispiel durch den Lebensstil – so wird Lungenkrebs durch Rauchen ausgelöst – oder durch Umwelteinflüsse wie Giftstoffe. Daneben ist Krebs meistens eine Erkrankung, die im höheren Alter auftritt, weil die Zellen mit fortschreitendem Alter Reparaturmechanismen nicht mehr so leicht vornehmen können und auch weil auslösende Faktoren wie langjähriges Rauchen sich auf die Lebensjahre gerechnet summieren. Wenn es innerhalb der Familie also mehrere Krebsfälle gibt, bedeutet dies nicht, dass die Erkrankung erblich ist. Sie sollten bei einer familiären Häufung von Krebsfällen in der Familie trotzdem mit Ihrem Arzt besprechen, ob zur Sicherheit eine humangenetische Beratung in Frage kommt. Ein humangenetischer Test sollte vor allem auch dann erwogen werden, wenn die selbe Krebsform in der Familie häufig auftritt. Auch wenn Krebs bereits in jungen Jahren ausbricht, kann dies ein Hinweis auf eine genetisch bedingte Krebserkrankung sein.

Erbliche Krebsformen

Es gibt verschiedene erbliche Tumorsyndrome. Dabei handelt es sich meist um eine Veränderung in einem bestimmten Gen, das zum Beispiel für Reparaturmechanismen in der DNA oder andere wichtige Funktionen bei der Kontrolle des Zellwachstums wichtig ist. Ist dieses Gen gestört, können sich entartete Zellen bilden und es entsteht eine Krebserkrankung.



Typisch für ein erblich bedingtes Tumorleiden sind Krebserkrankungen bei jüngeren Personen. Da die Zellveränderungen in allen Körperzellen auftreten, können sich bei erblichem Krebs teilweise verschiedene Tumorformen entwickeln.

Ein erbliches Tumorsyndrom ist zum Beispiel der familiär auftretende Brust- und Eierstockkrebs. Hier kommt es zu Veränderungen im BRCA1- und BRCA2-Gen, so dass die Entstehung von Brust- und Eierstockkrebs bei den Genträgerinnen massiv begünstigt wird. So kommt es bei den genannten Genveränderungen in 60 bis 80 Prozent der Fälle zu Brustkrebs und bei bis zu 40 Prozent der Betroffenen entwickelt sich ein Eierstockkrebs.

Ein weiteres Beispiel für eine erbliche Krebserkrankung ist die sogenannte familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), bei der Betroffene an einer Vielzahl von Schleimhautpolypen im Dickdarm leiden, die sich, wenn sie unbehandelt bleiben, zu Dickdarmkrebs entwickeln.

Die humangenetische Beratung

Wenn in ihrer Familie gehäuft Fälle von Krebs auftreten, kann Ihr Arzt Sie an eine spezielle humangenetische Beratung überweisen. Die Kosten dafür übernimmt bei einer entsprechenden Indikation in der Regel die Krankenkasse. Ihr Hausarzt wird Sie beraten, wo in Ihrer Nähe eine solche genetische Beratung angeboten wird.


Ein Gentest kann ab dem 18. Lebensjahr durchgeführt werden und klärt, ob bei einer Person eine relevante Genveränderung vorliegt, die das Auftreten einer bestimmten Krebsart begünstigt. Die Ratsuchenden werden gründlich über etwaige Konsequenzen, etwa für die soziale, psychische und wirtschaftliche Belastung, die durch ein positives Testergebnis entstehen kann, aufgeklärt.

Bei einem negativen Testergebnis hat die betroffene Person die untersuchte krebsbegünstigende Genveränderung nicht und somit kein familiär bedingtes erhöhtes Risiko, an dieser spezifischen Krebsart zu erkranken. Krebs kann allerdings auch von vielen verschiedenen exogenen Faktoren ausgelöst werden. Ein negatives Testergebnis bedeutet somit nicht, dass die untersuchte Person grundsätzlich vor Krebserkrankungen geschützt ist.

Online angebotene Testsysteme auf erblich bedingten Krebs können eine professionelle humangenetische Analyse und Beratung nicht ersetzen.

Foto: © Jean-Paul Chassenet – 123RF.com

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Letztes Update am 15. Dezember 2017 12:00 von SilkeCCM.

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