Welche Narkosearten gibt es?

Mai 2017

Eine Narkose kann als Vollnarkose, Teilnarkose oder lokale Narkose erfolgen. Welche Narkoseart gewählt wird ist von der Art des geplanten Eingriffs abhängig.


Vollnarkose - Allgemeinanästhesie

Bei einer Vollnarkose (Allgemeinanästhesie) wird der Patient durch verschiedene Medikamente in einen schlafähnlichen Zustand versetzt, in dem er keine Schmerzen verspürt. Zur Verfügung stehen verschiedene Mittel, die schmerzlindernd, muskelentspannend und sedierend wirken. Für kürzere Eingriffe wird der Patient während der Narkose über eine Maske beatmet. Bei längeren Eingriffen muss ein Beatmungsschlauch über den Mund in die Luftröhre eingeführt werden (Intubation). Die Vollnarkose wird in der Regel bei größeren Operationen an zentralen Organen (zum Beispiel bei Bauch- oder Herzoperationen) eingesetzt.


Eine Vollnarkose kann entweder mit Medikamenten, mit Narkosegasen oder mit einer Kombination aus beidem erfolgen. Eine Ausnahme besteht bei Kindern, da diese sich häufig vor Spritzen fürchten, so dass die Narkose mit Narkosegasen eingeleitet werden kann.

Man unterscheidet drei zeitliche Phasen einer Narkose: die Narkoseeinleitung, bei der der Patient sediert, relaxiert und intubiert wird, die Narkoseunterhaltung während der Operation und die Narkoseausleitung nach der Operation. Während der gesamten Narkose erfolgt die Überwachung des Patienten durch einen Narkosearzt. Die Vitalparameter des Patienten (Blutdruck, Puls und Sauerstoffgehalt im Blut) werden fortlaufend über Monitore überwacht.

Vorbereitungen für eine Volllnarkose

Vor einer geplanten Vollnarkose wird der Narkosearzt (Anästhesist) Sie über die geplante Narkose und deren Ablauf aufklären. Zuvor wird er Sie zu Ihrer Krankengeschichte und aktuellen Medikation befragen und Sie anschließend körperlich untersuchen. In vielen Fällen werden zudem Voruntersuchungen angefertigt (zum Beispiel ein EKG oder eine Lungenfunktionsuntersuchung), um möglichst viel über den körperlichen Zustand des Patienten zu erfahren.

Mögliche Nebenwirkungen

Häufige Nachwirkungen der Vollnarkose sind Übelkeit und Erbrechen. Etwa jeder vierte Patient, der eine Vollnarkose erhält, leidet nach der Narkose kurzfristig unter Übelkeit, die besonders häufig in den ersten Stunden nach dem Aufwachen auftritt. Besonders betroffen sind Frauen, Kinder und Personen, die unter Reiseübelkeit leiden oder bereits bei einer früheren Narkose unter Übelkeit gelitten haben. Um Übelkeit und Erbrechen nach einer Narkose zu verhindern, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.

Nach einer Operation kann es vorübergehend zu Muskelzittern und Kälteempfinden kommen. Auch diese Nebenwirkung lässt sich medikamentös gut beherrschen.

Ein seltenes Operationsrisiko ist eine Fehlintubation, bei der der Tubus statt in die Luftröhre in die Speiseröhre oder zu tief in eine der Hauptbronchien eingeführt wird. In diesen Fällen ist eine erneute Intubation beziehungsweise das Zurückziehen des Tubus erforderlich.

Ebenfalls selten können bei der Intubation Schäden an den Zähnen, am Zahnfleisch, im Rachen, an den Stimmbändern oder am Kehlkopf entstehen.

Eine seltene, aber mitunter sehr gefährliche Nebenwirkung einer Vollnarkose ist die sogenannte Aspiration, bei der Mageninhalt passiv in den Rachen und über die Luftröhre in die Lunge gelangt. Um eine Aspiration zu vermeiden, dürfen Sie mindestens sechs Stunden vor einer Operation nichts essen und trinken. Bei Notoperationen (bei denen der Patient vorher nicht nüchtern ist) kann das Risiko einer Aspiration durch bestimmte Medikamente oder die Verwendung einer Magensonde verringert werden. Allerdings sind diese Medikamente mit einem erhöhten Nebenwirkungsspektrum verbunden, so dass sie nur in Notfallsituationen zugelassen sind.

Teilnarkosen

Spinalanästhesie

Eine Spinalanästhesie ist bei Eingriffen an den Beinen und im Unterbauchbereich möglich. Hierbei schiebt der Anästhesist nach örtlicher Betäubung der Rückenhaut eine dünne Kanüle bis zum Nervenflüssigkeitsraum vor. Dort wird eine geringe Menge eines örtlichen Betäubungsmittels eingespritzt, wodurch nach wenigen Minuten die Beine und der Unterbauch schmerzfrei werden. In den Beinen spüren die Patienten zudem ein warmes Gefühl und die Beweglichkeit der Beine ist eingeschränkt.

Periduralanästhesie

Die Periduralanästhesie wird besonders häufig in der Geburtshilfe eingesetzt, um den Schmerz während der Geburt zu lindern oder um einen Kaiserschnitt durchzuführen. Je nach Ort des geplanten Eingriffs spritzt der Anästhesist nach örtlicher Betäubung ein Schmerzmittel in den Periduralraum der Lenden- oder Brustwirbelsäule. Nach etwa 15 Minuten wird das entsprechende Körpersegment (zum Beispiel Beine oder Unterbauch) schmerzfrei. Die Beweglichkeit der Beine kann für einige Stunden eingeschränkt sein.

Plexusanästhesie

Für Eingriffe an Hand, Arm und Schulter können die Nerven des Armplexus durch Einspritzen eines lokalen Betäubungsmittels betäubt werden. Je nach Operation wird die Plexusanästhesie entweder am Hals oder unterhalb des Schlüsselbeins gesetzt.

Nebenwirkungen von Teilnarkosen

Ihr betreuender Narkosearzt wird Sie auch bei Teilnarkosen über mögliche Nebenwirkungen genau aufklären.

Lokalanästhesie

Bei einer Lokalanästhesie wird ein schmerzbetäubendes Mittel mit einer feinen Nadel in die Region injiziert, in der die Operation erfolgen soll. Der Patient spürt dann in dieser Region keine Schmerzen, sondern nur ein Taubheitsgefühl. Eine Lokalanästhesie wird zum Beispiel beim Vernähen von Hautwunden oder beim Zahnarzt eingesetzt.


Foto: © Piotr Marcinski – 123RF.com

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Erstellt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 10. Mai 2017 15:43 von Dr. Blattmann.
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