Cannabis: Definition und Wirkung

Juli 2017

Cannabis gehört zu den in Deutschland am häufigsten konsumierten Drogen. Lesen Sie hier, wie es wirkt und welche Folgen der Konsum haben kann.


Was ist Cannabis?

Die Cannabis-Pflanze gehört zur botanischen Gattung der Hanfgewächse. Cannabis kann auf vielen Böden wachsen und ist in vielen Ländern verbreitet. Cannabis hat ein markantes Aussehen mit einer fünfblättrigen Form. Optisch ähnliche Pflanzen sind Mönchspfeffer oder auch der Scheinhanf (Datisca cannabina), der als Zierpflanze angepflanzt wird.


Der Anbau von Cannabis ist jedoch in den meisten Ländern nicht erlaubt, da Cannabis als Droge verboten ist. Cannabis enthält viele verschiedene psychoaktive Wirkstoffe. Die stärkste Wirksubstanz ist Tetrahydrocannabinol (THC). Nur die weibliche Form der Gattung Cannabis sativa enthält genügend THC, um einen Rausch zu erzeugen.Cannabis wird meist in Form von Marihuana (getrocknete Blüten und Blätter der Cannabispflanze) oder Haschisch (aus dem Harz der Blütenstände), selten als Haschischöl (konzentrierter Auszug des Cannabis-Harzes) konsumiert.

Am häufigsten wird Cannabis mit Tabak vermischt und als Joint geraucht. Zudem kann Cannabis in Pfeifen (zum Beispiel Shishas) geraucht werden. Manchmal wird Cannabis auch als Tee getrunken oder in Keksteig gemischt und verzehrt.

Rechtliche Situation

In Deutschland regelt das Betäubungsmittelgesetz alle rechtlichen Fragen zu psychoaktiven Substanzen, unter anderem auch zum Besitz, Handel, Konsum und Anbau von Cannabis. Kurz zusammengefasst bedeutet dies für Cannabis Folgendes: Cannabis ist eine verbotene Substanz. Sowohl der Handel, der Konsum, der Besitz als auch der Anbau von Cannabis sind strafbar.


Allerdings hat das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil im Jahr 1994 die Option geschaffen, dass bei Besitz einer geringen Menge Cannabis von einer Strafe abgesehen werden kann. Diese Regelung wird von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich ausgelegt. Was genau unter einer "geringen Menge" verstanden wird, ist ebenfalls nicht festgelegt. Es handelt sich in der Regel um wenige Gramm, häufig ist von zwei Gramm die Rede. Es gibt jedoch Bemühungen, den Grenzwert auf sechs Gramm festzulegen.

Zudem gibt es jüngst auch Bestrebungen von einigen Parteien, den Konsum bzw. den Verkauf von Cannabis in geringen Mengen unter strengen Auflagen zu legalisieren. Seit Kurzem können bei speziellen Erkrankungen Cannabis-Fertigpräparate zur Schmerzlinderung verschrieben werden. Handel, Konsum und Besitz von Cannabis zu Rauschzwecken bleiben jedoch verboten.

Wie wirkt Cannabis?

Wie Cannabis genau wirkt, hängt von der Konsumform, der Konsummenge, aber auch der Stimmung und psychischen Verfassung des Konsumenten ab.


Am schnellsten wirkt Cannabis generell, wenn es geraucht wird, da der Wirkstoff über die Atemwege besonders schnell aufgenommen wird. Etwa nach 15 Minuten beginnt der Wirkeintritt und klingt nach 30 bis 60 Minuten ab. Der Rausch hält insgesamt zwei bis drei Stunden an. Wenn Cannabis gegessen (zum Beispiel in Keksen) oder als Tee getrunken wird, sind Eintritt und Stärke der Wirkung schwerer zu berechnen, da die Wirkung davon abhängt, was der Konsument vorher zu sich genommen hat.

Cannabis kann die Stimmung einerseits heben und entspannend wirken. Allerdings kann auch eine Stimmungsverschlechterung von gedrückter Stimmung bis zu Panik- oder Wahnvorstellungen eintreten. Zu den als unangenehm erlebten Wirkungen zählen niedergedrückte Stimmung, psychomotorische Erregung, Unruhe und Angst. Panikreaktionen und Verwirrtheit mit Verfolgungsphantasien bis hin zu paranoiden Wahnvorstellungen sind ebenfalls möglich. Panikreaktionen treten etwas häufiger bei unerfahrenen und unvorbereiteten Konsumenten auf, allerdings können auch Personen, die häufig Cannabis konsumieren, Panikgefühle bekommen.

Auch hinsichtlich der Sexualität kann die Wirkung von Cannabis nicht vorhergesagt werden. Bei einigen Menschen wirkt Cannabis-Konsum enthemmend, während er bei anderen die Sexualität bremst und bei Männern Potenzstörungen auftreten können.

Abhängigkeitspotenzial und Folgen

Cannabis ist die in Deutschland am häufigsten konsumierte illegale Droge. Viele Konsumenten kiffen gelegentlich oder probieren nur einmal einen Joint. Bei dieser Personengruppe kann Cannabis als Einstiegsdroge wirken, die zum Konsum anderer Drogen führt. Allerdings gibt es auch viele Personen, die Cannabis regelmäßig und über einen Zeitraum von Monaten oder Jahren konsumieren. Über lange Zeit konsumiert, kann Cannabis zu einer psychischen Abhängigkeit führen.


Bis vor einiger Zeit galt die Annahme, dass bei Einstellen des Cannabiskonsums keine Entzugssymptome auftreten. Heute weiß man jedoch, dass Langzeitkonsumenten unter psychischen Entzugssymptomen leiden, die sich zum Beispiel in dem Gefühl äußern, Cannabis zur Alltagsbewältigung zu benötigen. Zudem können sich auch körperliche Entzugssymptome zeigen. Diese sind zwar nicht so stark ausgeprägt wie bei Alkohol- oder Heroinkonsum, aber durchaus unangenehm. Dies lässt den Schluss zu, dass Cannabis auch zu einer körperlichen Abhängigkeit führt.

Auslösen von Psychosen

Ob Cannabiskonsum Psychosen auslösen kann, ist unter Forschern ein viel diskutiertes Thema. Die meisten Forscher vertreten heutzutage die These, dass Cannabis an sich zwar keine Psychosen auslöst, der Konsum jedoch bei Personen, die eine Veranlagung zu Schizophrenie oder Psychose haben, zum Ausbruch der Erkrankung führen kann.

Fahruntauglichkeit

Cannabiskonsum beeinträchtigt die kognitive Leistung, das Reaktionsvermögen, die Aufmerksamkeit und die Wahrnehmung. Tests zeigen, dass die Einschränkungen in den ersten Stunden nach dem Konsum besonders hoch sind. Studien mit Unfalldaten belegen zudem, dass Cannabiskonsumenten ein fast doppelt so hohes Risiko haben, in einen Unfall verwickelt zu werden, wie nüchterne Fahrer. Vor allem bei Unfällen mit Todesfolge war der THC-Gehalt im Blut der Betroffenen höher als bei nicht-tödlichen Unfällen.


Es existieren keine Grenzwerte für Cannabis im Straßenverkehr. Deshalb gilt: Jeder noch so geringe Nachweis von Cannabis im Straßenverkehr führt zur Fahruntauglichkeit. Zu bedenken ist, dass Cannabis sich im Körper anlagert und noch Tage bis Wochen nach dem Konsum im Blut und Urin nachweisbar ist. Besteht der Verdacht, dass Personen nach Cannabiskonsum ein Kraftfahrzeug führen, wird der Führerschein sofort eingezogen. Die Betroffenen müssen sich in den meisten Fällen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) unterziehen, in der sie die Fahrtauglichkeit und Drogenfreiheit nachweisen müssen. Aufgrund der langen Nachweiszeit von Cannabis kann die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis lange Zeit dauern.

Langzeitfolgen

Dauerkonsumenten leiden unter einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung, der Aufmerksamkeit und der Lernfähigkeit. Es konnten bislang allerdings keine strukturellen Hirnveränderungen durch Cannabiskonsum nachgewiesen werden. Das heißt: Wer den Konsum einstellt, gewinnt seine normale Leistungsfähigkeit in der Regel zurück. Ob noch kleine Beeinträchtigungen bleiben, die auf dauerhafte Hirnschädigungen zurückgehen, ist derzeit wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt.

Da Cannabis in der Regel mit Tabak gemischt und als Joint geraucht wird, belastet Kiffen die Atemwege, führt zu einem gesteigerten Auftreten von Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum und in den Bronchien. Unklar ist, ob diese Effekte allein auf den Tabakrauch oder auf Cannabis zurückzuführen sind. Cannabisrauch enthält etwa die gleiche Konzentration an Schadstoffen wie Zigarettenrauch und ist somit krebserregend. Übrigens ist Wasserpfeifenrauch keineswegs gesünder. Dass Wasserpfeifen den Rauch reinigen ist ein hartnäckiger Mythos.

Es gibt Belege dafür, dass Cannabiskonsum bei vorbelasteten Personen die Herzfunktion beeinträchtigen kann. Zudem gibt es Hinweise auf ein gesteigertes Herzinfarktrisiko nach Cannabiskonsum.

Foto: © Luis Carlos Jimenez del Rio – 123RF.com

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Erstellt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 10. Mai 2017 10:25 von Dr. Blattmann.
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