Herzinsuffizienz - Schweregrade

Juli 2017

Eine Herzinsuffizienz bedeutet, dass das Herz nicht mehr ausreichend in der Lage ist, Blut durch den Körper zu pumpen und so die Versorgung mit sauerstoffreichem Blut zu gewährleisten. Je nach Stadieneinteilung und Schweregrad unterscheiden sich die Therapie und die Prognose bezüglich der Lebenserwartung.


Herzinsuffizienz – Definition

Bei einer Herzinsuffizienz (auch als Herzschwäche bezeichnet) ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper mit der benötigten Menge an Blut zu versorgen. Die Herzinsuffizienz kann verschiedene Ursachen haben, etwa ein akutes Herzversagen bei einem Herzinfarkt oder chronische Schäden, wie sie durch langjährigen Bluthochdruck oder unbehandelte Herzklappenfehler entstehen.

Es wird zwischen chronischer und akuter Herzinsuffizienz unterschieden. Ist hauptsächlich die linke Herzhälfte betroffen, sprechen Ärzte außerdem von einer Linksherzinsuffizienz. Betrifft die Krankheit vor allem die rechte Herzhälfte, heißt sie Rechtsherzinsuffizienz. Die Kombination aus beiden wird globale Herzinsuffizienz genannt.

Linksherzinsuffizienz und Rechtsherzinsuffizienz

Die rechte Seite des Herzens ist dafür verantwortlich, das sauerstoffarme Blut aus dem Körperkreislauf aufzunehmen und in die Lungen zu pumpen, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Das mit Sauerstoff beladene Blut fließt dann in die linke Herzhälfte und wird von dort in die Hauptschlagader gepumpt.


Bei der Linksherzinsuffizienz ist die Pumpleistung der linken Herzhälfte nicht mehr ausreichend, um das Blut in die Hauptschlagader zu pumpen. Deshalb staut sich das Blut zurück und kann zu einer Stauungslunge oder einem Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) führen. Husten und Atemnot sind typische Symptome.

Bei der Rechtsherzinsuffizienz sind vor allem der rechte Vorhof und die rechte Kammer des Herzmuskels von der Herzschwäche betroffen. Die Rechtsherzinsuffizienz entwickelt sich meist als Folge einer chronischen Linksherzinsuffizienz. Ein durch die Krankheit bedingter erhöhter Druck in der Lunge führt zu einem Rückstau des Blutflusses in das rechte Herz. Die rechte Herzkammer muss dann das Blut mit mehr Kraft in die Lunge pumpen und wird so mit der Zeit überlastet. Eine Rechtsherzinsuffizienz führt zu einem Blutstau in den zum Herz führenden Venen. Durch den erhöhten Druck in den Venen kommt es zu Wasseransammlungen (Ödemen) im Körper, vor allem in den Beinen und im Bauch.

Globale Herzinsuffizienz

Wenn eine globale Herzinsuffizienz vorliegt, ist die Pumpleistung beider Teile des Herzens vermindert. Die Symptome einer Rechts- und einer Linksherzinsuffizienz treten auf.

Akute und chronische Herzinsuffizienz

Mit den Begriffen akut und chronisch wird der Verlauf der Herzinsuffizienz beschrieben. Eine chronische Herzinsuffizienz entwickelt sich in der Regel allmählich über Monate oder sogar Jahre. Eine akute Herzinsuffizienz kann sich dagegen binnen weniger Stunden oder Tage manifestieren und ist ein medizinischer Notfall. Es ist außerdem möglich, dass eine chronische Herzschwäche zu einer akuten Herzschwäche führt.

Kompensierte und dekompensierte Herzinsuffizienz

Die Begriffe kompensiert und dekompensiert beschreiben, ob bei der Herzinsuffizienz Symptome auftreten. Die kompensierte Herzinsuffizienz verursacht nur bei Belastung Symptome. In Ruhe sind die Patienten beschwerdefrei. Bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz bestehen hingegen Symptome wie Wasseransammlungen (Ödeme) oder Atemnot bereits in Ruhe oder bei geringer Belastung.

Systolische und diastolische Herzinsuffizienz

Mit dem Begriff systolische Herzinsuffizienz wird die verminderte Pumpfähigkeit des Herzens bezeichnet. Bei der diastolischen Herzinsuffizienz steht die Komponente im Vordergrund, dass das schwache Herz nicht mehr ausreichend Blut ansaugen kann.

Symptome von Herzinsuffizienz

Eine akute Herzinsuffizienz verursacht sich schnell verschlechternde, akute Beschwerden. Bei einer chronischen Herzschwäche entstehen die Symptome hingegen über Monate, manchmal auch über Jahre. Mögliche Symptome der akuten Herzschwäche sind schwere Atemnot und Husten, der Atem kann brodelnd klingen. Das Herz schlägt oft ungewöhnlich schnell, die Haut ist blass und kaltschweißig.


Bei der chronischen Herzschwäche fällt den Patienten auf, dass ihre Belastbarkeit abnimmt, sie fühlen sich schnell erschöpft und müde und geraten leicht außer Atem, vor allem bei Belastung. Die Beschwerden verschlimmern sich unbehandelt mit der Zeit, so dass im Endstadium Luftnot bei geringen Belastungen oder sogar in Ruhe auftreten kann.

Ein weiteres Zeichen für eine Herzinsuffizienz sind Flüssigkeitseinlagerungen, die vor allem in den Beinen oder im Bauch auftreten. Betroffene berichten durch die Wasseransammlungen über eine Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährungsgewohnheiten. Da der Körper im Liegen überschüssige Flüssigkeit leichter zurückresorbieren und ausscheiden kann, müssen Patienten mit einer Herzschwäche nachts häufig Wasser lassen.

Durch eine Herzinsuffizienz sind Patienten anfälliger für weitere Komplikationen wie Lungenetzündungen oder andere Infekte.

Die NYHA-Einteilung

Die NYHA-Klassifikation (New York Heart Association) ist ein internationales Schema zur Einteilung der Schwere der Herzinsuffizienz. Üblicherweise orientiert sich die Therapie der Herzinsuffizienz an der NYHA-Klassifikation.

NYHA-Klasse I

Keine Einschränkung der Belastbarkeit. Vollständiges Fehlen von Symptomen oder Beschwerden bei Belastung bei diagnostizierter Herzinsuffizienz.

NYHA-Klasse II

Leichte Einschränkung der Belastbarkeit. Beschwerdefreiheit in Ruhe und bei leichter Anstrengung. Auftreten von Symptomen bei stärkerer Belastung, zum Beispiel beim Treppensteigen von drei bis vier Stockwerken.

NYHA-Klasse III

Starke Einschränkung der Belastbarkeit. Beschwerdefreiheit in Ruhe, Auftreten von Symptomen bereits bei leichter Belastung (zum Beispiel Treppensteigen von ein bis zwei Stockwerken).

NYHA-Klasse IV

Dauerhafte Symptomatik, auch in Ruhe.

Allgemeine Therapieempfehlungen

Eine Herzinsuffizienz entsteht durch viele verschiedene Ursachen. Deshalb ist es wichtig, die auslösende Ursache zu finden und wenn möglich zu beseitigen. Wichtig ist es, einen zu hohen Blutdruck mit einer gesunden Lebensweise und/oder Tabletten auf optimale Werte zu senken. Neben Bluthochdruck sollten auch alle anderen Risikofaktoren ausgeschaltet werden, die Herz und Gefäßen schaden.

Das bedeutet: Stellen Sie das Rauchen ein, lassen Sie beim Arzt Ihre Blutfettwerte überprüfen und passen Sie Ihre Ernährung an. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie Sport treiben dürfen und welcher Sport für Sie empfehlenswert ist. Wenn Sie unter Diabetes leiden, sollten die Blutzuckerwerte gut eingestellt werden.

Lebenserwartung und Verlauf

Die Lebenserwartung bei Herzinsuffizienz hängt von der Art und Schwere der Erkrankung ab, wird aber auch davon beeinflusst, wie alt der Patient ist, ob Begleiterkrankungen vorliegen, ob die Therapie zuverlässig eingehalten wird und ob eine Anpassung des Lebensstils erfolgt. Wenn die Therapie gut anschlägt, kann sich eine Herzinsuffizienz verbessern und zum Beispiel ein Patient mit vormals NYHA II in NYHA I eingestuft werden kann. Als letzte Therapieoption besteht für ausgewählte Patienten bei schwerster Herzinsuffizienz (NYHA IV) die Möglichkeit einer Herztransplantation. Dieses Verfahren wird nur an speziellen Herzzentren angeboten.


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Erstellt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 29. Juni 2017 13:22 von SilkeCCM.
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