Die Hämodialyse: Extrakorporale Dialyse

September 2017

Die Niere reinigt das Blut von Giftstoffen, scheidet Flüssigkeit aus, reguliert den Mineralstoffgehalt und den pH-Wert im Blut und hat Einfluss auf die Blutdruckregulation. Kann die Niere diese Aufgaben aufgrund einer akuten oder chronischen Schädigung nicht mehr übernehmen, hilft eine Dialyse (künstliche Blutwäsche), ihre Funktion weitgehend zu ersetzen.


Dialyse: Erklärung verschiedener Verfahren

Früher war der Ausfall der Nierenfunktion ein Todesurteil. Heutzutage kann die Nierenfunktion durch eine sogenannte Dialyse ersetzt werden. Prinzipiell stehen zwei verschiedene Dialyseverfahren zur Verfügung.

Zum einen gibt es die am häufigsten angewandte extrakorporale Dialyse oder Hämodialyse, bei der das Blut aus dem Körper heraus über ein Infusionssystem in eine Maschine geleitet und dort gereinigt wird. Ein weiteres Infusionssystem führt das gereinigte Blut zum Körper zurück. Die Dauer der Behandlung beträgt in der Regel vier bis acht Stunden. Die Behandlung muss drei- bis viermal pro Woche durchgeführt werden, so dass Betroffene viel Zeit mit der Dialyse verbringen.

Daneben gibt es die sogenannte Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse oder intrakorporale Dialyse), eine Therapiemöglichkeit, bei der das Blut im Körper selbst über das Bauchfell gereinigt wird. Dazu wird Dialyseflüssigkeit in den Bauchraum geleitet, so dass Giftstoffe und überschüssiges Wasser in die Dialyseflüssigkeit eindringen. Die Peritonealdialyse dauert ebenfalls vier bis sechs Stunden.

Sowohl die Hämodialyse als auch die Peritonealdialyse haben Vor- und Nachteile. Welche Dialyseform für welchen Patienten geeignet ist, ist individuell unterschiedlich. Gemeinsam mit dem Patienten entscheidet der Arzt, welche Art der Dialyse am sinnvollsten ist.

Hämodialyse – Prinzip

Um genügend Blut aus dem Körper in die Dialysemaschine zu leiten, muss in der Regel zunächst ein spezieller Gefäßzugang, ein sogenannter Shunt, beim Patienten angelegt werden. Dieser Shunt verbindet eine Vene und eine Arterie, so dass der Blutfluss im Gefäß steigt, wobei sich die Vene aufweitet. Ein Shunt wird gewöhnlich am Unterarm angelegt. Über den Shunt wird das Blut durch ein spezielles Infusionssystem in die Dialysemaschine geleitet.

Die sogenannte Hämodialyse ist dabei das gebräuchlichste Verfahren. Hierbei reinigt ein Filter (Dialysator) das Blut von schädlichen Stoffwechselprodukten. Im Dialysator fließen – durch eine Membran getrennt – Blut und eine Spülflüssigkeit (Dialysat) entgegengesetzt aneinander vorbei. Die Membran ist für Wasser und Schadstoffe durchlässig, so dass diese in die Spülflüssigkeit abfiltriert werden. Das gereinigte Blut fließt anschließend zurück in den Körper.

Eine solche extrakorporale Hämodialyse dauert in der Regel vier bis acht Stunden und muss dreimal wöchentlich durchgeführt werden. Die Patienten besuchen dafür spezielle Dialysepraxen. Es gibt prinzipiell auch Möglichkeiten, eine Dialyse zu Hause durchzuführen. Die Heimdialyse ist in Deutschland jedoch nicht sehr verbreitet. Zudem bieten einige Praxen eine Nachtdialyse an.

Nebenwirkungen der Hämodialyse

Die Hämodialyse kann die Nierenfunktion nie vollständig ersetzen und das Verfahren kann den Körper belasten. Unter der Dialyse können verschiedene Probleme wie Blutdruckschwankungen oder spürbar starke Änderungen im Mineralstoffhaushalt auftreten.


Viele Menschen, die dauerhaft eine künstliche Blutwäsche benötigen, haben im Laufe der Zeit zudem mit Folgeerscheinungen zu kämpfen. Dazu gehören zum Beispiel Gefäßschäden, Herzerkrankungen und/oder Knochen- und Gelenkprobleme. Deshalb werden Dialysepatienten vor und während der Dialyse sehr genau überwacht und erhalten eine sorgfältig ausgesuchte prophylaktische Medikation, um potenzielle weitere Risikofaktoren wie eine Fettstoffwechselstörung möglichst einzudämmen.

Wie lange muss eine Dialyse durchgeführt werden?

In Deutschland brauchen derzeit etwa 75.000 Menschen eine künstliche Blutwäsche. Ob die Dialyse dauerhaft durchgeführt werden muss oder ob sie nur kurzfristig bei einem akuten Nierenschaden angewendet wird, von dem sich die Nieren wieder erholen, ist individuell unterschiedlich. Viele Dialysepatienten, die dauerhaft eine Dialyse benötigen, stehen auf der Warteliste für eine Nierentransplantation, um nicht mehr dauerhaft auf die Blutwäsche angewiesen zu sein.

Foto: © Ben Schonewille – 123RF.com

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Erstellt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 19. September 2017 01:44 von SilkeCCM.
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