Das große Blutbild

September 2017

Ein Blutbild ist eine einfache Methode, um die zelluläre Blutzusammensetzung zu untersuchen. Für ein Blutbild werden dem Patienten wenige Milliliter Blut aus einer Vene abgenommen.


Kleines und großes Blutbild

Um die Blutzusammensetzung zu untersuchen, wird ein sogenanntes Blutbild angefertigt. Bei einem kleinen Blutbild untersucht der Arzt die Konzentration an roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin). Zudem werden der Hämatokritwert, der MCV-, MCH- und der MCHC-Wert betrachtet.

Wird außerdem noch ein Differentialblutbild gemacht, spricht man von einem großen Blutbild. In einem Differentialblutbild werden hauptsächlich die Unterarten der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) untersucht. Es gibt fünf Typen von weißen Blutkörperchen: neutrophile, eosinophile und basophile Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten. Alle diese Zellen spielen eine spezielle Rolle im Immunsystem und wehren verschiedene Krankheitserreger oder Parasiten ab. Wie viele dieser speziellen Zellen jeweils im Blut vorhanden sind und wie die prozentuale Verteilung der Zellen ist, kann im Differentialblutbild untersucht werden.

Die Untersuchung des kleinen und des großen Blutbildes verursachen kaum Kosten, ist aber sehr hilfreich. Ein kleines Blutbild kann bereits Hinweise auf Blutarmut, Entzündungen, Probleme mit der Blutgerinnung sowie einen Mangel an Vitamin B12, Folsäure oder Eisen geben. Das große Blutbild wird bei spezielleren Fragestellungen eingesetzt, wie zum Beispiel zur Diagnose oder Verlaufskontrolle bei akuten oder chronischen Infektionen, bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems oder Autoimmunerkrankungen. Bei Auffälligkeiten werden meistens noch weitere Werte bestimmt (zum Beispiel der CRP-Wert zum Feststellen bakterieller Entzündungen, Leberwerte, Nierenwerte oder Werte der Schilddrüse).

Wie funktioniert die Untersuchung?

Für ein großes Blutbild reicht ebenso wie für ein kleines Blutbild die Entnahme von wenigen Millilitern Blut aus einer Vene. Die Ergebnisse werden dann im Labor entweder maschinell oder bei bestimmten Fragestellungen auch unter dem Mikroskop per Hand ausgewertet. Wenn lediglich das Blutbild untersucht wird, müssen Sie vor der Untersuchung nicht nüchtern sein. Fragen Sie Ihren Arzt, ob er auch andere Werte (wie den Blutzucker) bestimmen möchte. In diesem Falle müssen Sie nüchtern zur Blutentahme erscheinen.

Warum wird ein großes Blutbild erstellt?

An einem kleinen Blutbild erkennt der Arzt, ob es erste Hinweise auf eine Erkrankung gibt, zum Beispiel eine Anämie (Blutarmut), ein erhöhtes Blutungsrisiko, Entzündungen oder Bluterkrankungen. Ist das kleine Blutbild auffällig oder liegen Bluterkrankungen wie Blutkrebs (Leukämie) vor, kann ein großes Blutbild weiteren Aufschluss geben.

Was wird in einem großen Blutbild bestimmt?

In einem großen Blutbild werden folgende Parameter bestimmt: rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen (Retikulozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten und Thrombozyten), Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und Hämatokrit (Anteil roter Blutkörperchen), durchschnittliches Volumen eines Erythrozyten (MCV), durchschnittliche Hämoglobin-Menge pro Erythrozyt (MCH), Granulozyten (neutrophile, basophile eosinophile Granulozyten), Monozyten und Lymphozyten.


Außerdem kann der Arzt erkennen, wie reif die Blutzellen sind, die er unter dem Mikroskop sieht. Sind viele unreife Blutzellen vorhanden, werden im Knochenmark mehr davon produziert und früher in das Blut abgegeben. Dies kann zum Beispiel bei Entzündungen oder auch bei Blutkrebserkrankungen der Fall sein. Sind besonders viele junge Zellen zu erkennen, sprechen Ärzte von einer sogenannten Linksverschiebung.

Eine Tabelle mit Normwerten für ein großes Blutbild für Männer und Frauen finden Sie zum Beispiel hier. Laborwerte sollten aber immer nur in Zusammenschau mit der Erkrankung beziehungsweise dem körperlichen Untersuchungsbefund gedeutet werden. Ihr Arzt wird Sie beraten.

Verteilung der Leukozyten

Von besonderem Interesse ist die Verteilung der Granulozyten im großen Blutbild. So sind zum Beispiel eosinophile Granulozyten häufig bei parasitären Erkrankungen erhöht. Eine Vermehrung der basophilen Granulozyten kann bei Blutkrebs auftreten, eine Vermehrung der neutrophilen Granulozyten tritt unter anderem bei bakteriellen Infekten auf. Bei viralen Erkrankungen sind unter anderem die Lymphozyten erhöht. Zur Vermehrung von Monozyten kommt es bei einigen speziellen Infektionen wie Malaria oder Tuberkulose. Sind die Leukozyten vermindert, kann dies auf eine Immunschwäche hindeuten.


Foto: © Alexander Raths – 123RF.com

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Artikel im Original veröffentlicht von Carlos-vialfa. Übersetzt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 23. Mai 2017 04:45 von SilkeCCM.
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