Schlafstörungen: Definition und Ursachen

Mai 2017

Schlecht einschlafen, zu früh aufwachen oder nicht durchschlafen: Viele Menschen leiden unter Schlafstörungen. Oft können schon einige Abendrituale helfen, besser zu schlafen.


Schlafstörungen - Definition

Unter dem Begriff Schlafstörung versteht man Beeinträchtigungen des Schlafs, die aus unterschiedlichen Gründen auftreten können. In der Fachsprache werden Schlafstörungen unter dem Begriff Insomnie zusammengefasst. Insomnie bedeutet nicht, dass Betroffene überhaupt nicht mehr schlafen können. Es handelt sich vielmehr um Einschlaf- oder Durchschlafstörungen.


Der Diagnosekatalog ICD-10, den Ärzte zur Klassifikation von Diagnosen heranziehen, unterscheidet zwischen organischer und nichtorganischer Insomnie. Wenn keine körperlichen Gründe, wie zum Beispiel das Schlafapnoe-Syndrom oder neurologische Erkrankungen, die den Schlaf-wach-Rhythmus beeinträchtigen, vorliegen, handelt es sich um eine nichtorganische Insomnie.

Das Gegenteil einer Insomnie ist die sogenannte Hypersomnie, die per Definition durch ein extrem gesteigertes Schlafbedürfnis mit einer ausgeprägten (Tages-)Müdigkeit und einem regelrechten Einschlafzwang gekennzeichnet ist.

Schlafstörungen - Symptome

Schlafstörungen sind durch folgende Symptome gekennzeichnet: Betroffene benötigen lange Zeit, um einzuschlafen (Einschlafstörung), schlafen schnell ein, wachen jedoch nach kurzer Zeit wieder auf (Durchschlafstörung) oder wachen bereits in den frühen Morgenstunden auf und können nicht mehr einschlafen.

Zahlen und Fakten zu Schlafstörungen

Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen unter Schlafstörungen leiden. Schlafstörungen können jeden treffen, ungeachtet von Alter, Geschlecht oder sozialer Herkunft. Generell sind Frauen aber häufiger von Schlafstörungen betroffen als Männer. Im Alter zwischen 30 und 65 Jahren treten Schlafstörungen besonders häufig auf.

Wie viel Stunden Schlaf benötigen Erwachsene?

Wie viel Stunden Schlaf Erwachsene benötigen, um sich ausgeruht zu fühlen, ist individuell verschieden. Die meisten Erwachsenen benötigen pro Tag etwa sieben bis acht Stunden Schlaf. Im fortgeschrittenen Alter benötigen viele Menschen weniger Schlaf. Wovon ein erholsamer Schlaf abhängig ist, ist ebenfalls individuell verschieden. Einige Menschen finden auch Schlaf in einer unruhigen Umgebung als erholsam, während andere Menschen unter solchen Bedingungen kein Auge zutun können.

Folgen von Schlafstörungen

Unerholsamer oder ungenügender Schlaf kann sich auf Dauer negativ auf den Körper und die Psyche auswirken. Häufige Folgen von Schlafstörungen sind Tagesmüdigkeit, Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Nervosität, Irritabilität, Depressionen und auch körperliche Folgen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hormonelle Störungen.

Schlafstörungen: Wann zum Arzt?

Wenn Sie akut unter einer Schlafstörung leiden, sollten Sie darüber nachdenken, wie lange das Problem schon besteht. Gibt es einen Auslöser für die Schlafprobleme wie etwa eine Prüfungsphase, Sorgen oder viel Stress? Per Definition liegt eine akute Schlafstörung dann vor, wenn die Probleme kurzfristig auftreten und dann wieder verschwinden. Wenn Sie jedoch seit mehr als einem Monat drei Nächte oder mehr in der Woche keinen durchgehenden, erholsamen Schlaf finden und wenn Sie tagsüber unter Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten leiden, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.

Behandlung von Schlafstörungen

Um eine Schlafstörung zu behandeln, muss zunächst der Auslöser erkannt werden. Führen Sie deshalb ein Schlaftagebuch. Das hilft, einen Überblick darüber zu bekommen, was Sie am Schlafen hindert. Vielleicht können Sie besonders nach stressigen Tagen schlecht schlafen oder Sie finden andere Faktoren, die Ihren Schlaf beeinträchtigen. Bei Verdacht auf eine organische Erkrankung kann Ihr Arzt Sie zu einem Facharzt überweisen, der Sie zum Beispiel einige Nächte lang im Schlaflabor untersucht.

Was Sie selbst tun können

Da sehr häufig psychische Faktoren eine große Rolle bei Schlafstörungen spielen, sollten Sie folgende Ratschläge berücksichtigen:


Schalten Sie abends ab. Nur sehr wenige Menschen können nach einem anstrengenden Tag sofort einschlafen. Schaffen Sie sich Rituale, die Sie auf den Schlaf einstimmen. Nehmen Sie ein Bad, machen Sie einen Spaziergang oder lesen Sie etwas. Sorgen Sie für eine angenehme Temperatur im Schlafzimmer. Optimal sind etwa 18 Grad. Gehen Sie zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett. Der Körper stellt sich auf diesen Rhythmus ein.

Verzichten Sie ab nachmittags auf Kaffee, grünen und schwarzen Tee sowie auf andere anregende Getränke. Auch Nikotin wirkt anregend. Alkohol macht zwar schläfrig, stört aber den Schlaf. Sie werden davon in der Nacht wach und schlafen nur schwer wieder ein. Wenn Sie abends eine schwere Mahlzeit zu sich nehmen, können Verdauungsbeschwerden den Schlaf stören.

Sport ist gut, um Stress abzubauen und sich vor dem Abend auszupowern. Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training oder Meditation helfen, zur Ruhe zu kommen.

Versuchen Sie nicht, krampfhaft einzuschlafen. Wenn Sie nicht einschlafen können, sollten Sie das Licht anmachen, noch etwas lesen oder auch noch einmal aufstehen und zum Beispiel Musik hören.

Schlafstörungen bei Kindern

Grundsätzlich können bei Kindern die gleichen Schlafstörungen auftreten wie bei Erwachsenen. Daneben gibt es im Kindesalter jedoch eine Reihe spezieller Schlafstörungen mit eigener Definition. Dazu zählt zum Beispiel Schlafwandeln und der sogenannte Pavor nocturnus. Bei Letzterem erwachen Kinder mit einem Schrei aus dem Schlaf, sind für einige Minuten desorientiert und extrem ängstlich, wachen schließlich auf und schlafen anschließend meist wieder ruhig ein. Des Weiteren gibt es verschiedene Einschlaf- und Durchschlafstörungen, die in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsphasen auftreten können.


Generell gilt: Kinder benötigen einige Zeit, um ruhig und sicher durchzuschlafen. Ob ein Kind bereits nach ein paar Monaten durchschläft oder dafür mehr als ein Jahr benötigt, ist individuell verschieden. Es kann auch vorkommen, dass Kinder, die monatelang gut durchschlafen, plötzlich eine Phase haben, in der sie nachts häufig aufwachen.

Ob Kinder beim Schlafen viel Nähe brauchen oder eher an das Alleine-Schlafen gewöhnt werden sollten, ist selbst unter Experten umstritten. Halten Sie es damit: Wenn Ihr Kind so schlecht schläft, dass es seinen oder Ihren Alltag einschränkt oder belastet, sollten Sie Ihren Kinderarzt um Rat fragen.

Foto: © Sunagatov Dmitry – 123RF.com

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Artikel im Original veröffentlicht von . Übersetzt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 20. Mai 2017 05:59 von SilkeCCM.
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