Welche Auswirkungen hat Alkoholkonsum mittel- und langfristig?

April 2017

Alkohol ist die am meisten verwendete und am weitesten verbreitete psychoaktive Droge in Deutschland. Alkohol wirkt auf das zentrale Nervensystem und beeinflusst so den gesamten Körper. Im Folgenden erfahren Sie, welche mittel- und langfristigen Effekte Alkoholkonsum auf den Körper hat.


Wirkungen von Alkohol nach Promille

Bei weniger als 0,2 Promille Alkohol im Blut hat Alkohol eine enthemmende und euphorisierende Wirkung und steigert die Redseligkeit.


Ab 0,3 Promille Alkohol im Blut treten erste Beeinträchtigungen auf, wie Einschränkung des Sehfeldes und Probleme bei der Entfernungseinschätzung. Generell nimmt die Aufmerksamkeit ab.

Ab 0,5 Promille Alkohol im Blut nimmt das Reaktionsvermögen deutlich ab, dagegen steigt die Risikobereitschaft.

Ab 0,8 Promille Alkohol im Blut wird das Verhalten enthemmt. Es treten Gleichgewichtsstörungen auf. Es kommt zum Tunnelblick.

Zwischen 1,0 und 1,5 Promille Alkohol im Blut kommt es zu Sprachstörungen, agressivem Verhalten und weiterer Erhöhung der Risikobereitschaft.

Von 2,0 bis 2,5 Promille Alkohol im Blut wird die Sprache lallend und die Koordinationsfähigkeit massiv eigeschränkt.

Ab 2,5 Promille Alkohol im Blut kommt es zu Bewusstseinstrübungen und Doppeltsehen. Das Erinnerungsvermögen wird beeinträchtigt ("Filmriss") und es können Lähmungserscheinungen auftreten.

Ab 3,5 Promille Alkohol im Blut ist der Zustand lebensbedrohlich. Es besteht die Möglichkeit, dass das Atemzentrum gelähmt wird, ein Koma und sogar der Tod eintritt.

Ab etwa 5 Promille Alkohol im Blut führt der Zustand in vielen Fällen zum Tod.

Schäden durch Alkohol im Gehirn

Dauerhafter übermäßiger Alkoholkonsum schädigt die Nervenzellen. Die Folge ist ein Verlust von Hirnzellen, von denen vor allem die vorderen und seitlichen Bereiche des Großhirns, sowie das in der hinteren Schädelgrube gelegene Kleinhirn betroffen sind. Aus diesem Grund kann chronischer Alkoholkonsum zu Langzeitschäden im Gehirn führen. Zu den Symptomen zählen zum Beispiel eine Verlangsamung der Reaktionen bis hin zu einer dauerhaften Störung des Gedächtnisses.


Daneben können sich Hirnschäden durch Alkohol unter anderem folgendermaßen äußern: Verminderung der Reflexe, Sehprobleme, Koordinationsstörungen, Zittern, Einschränkung der motorischen Fähigkeiten, Abweichungen im Schlafrhythmus und Aufmerksamkeitsstörungen. Eine weitere Hirnschädigung, die vor allem Alkoholiker betrifft, ist das Korsakow-Syndrom.

Schäden durch Alkohol im Gehirn sind durch die ständigen Umbauvorgänge, die in unserem Hirn stattfinden, bis zu einem gewissen Grad reversibel. Eine Regeneration ist allerdings nur dann möglich, wenn der Betroffene Alkohol komplett meidet (Alkoholabstinenz). Bleibende Hirnschäden entstehen vor allem dann, wenn Alkohol regelmäßig im Übermaß konsumiert wird.

Sprachstörungen durch Alkohol

Je nachdem welche Hirnbereiche durch den Alkoholkonsum besonders geschädigt werden, können Sprachstörungen durch Alkohol auftreten. So kann zum Beispiel eine Kleinhirnschädigung neben motorischen Defiziten auch Sprech- und Sprachstörungen und Beeinträchtigungen des Sprachablaufes verursachen.

Psychische Schäden durch Alkohol

Chronischer Alkoholmissbrauch kann psychische Veränderungen hervorrufen, wie ein verändertes Gefühlserleben, soziale Isolation, Aufmerksamkeitsverlust, Aggressionen oder Gleichgültigkeit.

Auswirkungen auf Herz- und Kreislauf

In sehr geringen Mengen konsumiert verbessert Alkoholkonsum die Durchblutung. Vermehrter Alkoholkonsum führt jedoch zu Bluthochdruck und kann bei Langzeitkonsum eine toxische Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) und/oder eine Herzinsuffizienz auslösen.

Auswirkungen auf den Verdauungsapparat

Vermehrter Alkoholkonsum lässt die Säure im Magen ansteigen. Dies kann Sodbrennen, Magengeschwüre und Blutungen verursachen sowie zu einer Entzündung der Speiseröhre führen.

Zudem erhöht starker Alkoholkonsum das Risiko, an verschiedenen Krebsarten, wie Magen-, Bauchspeicheldrüsen-, Leber-, Speiseröhren- und Schlundbereichskrebs, zu erkranken.

Übermäßiger Alkoholkonsum kann außerdem zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) führen, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Durch die Beeinträchtigung der Bauchspeicheldrüse kann sich außerdem Diabetes entwicken.

Alkoholkonsum führt zu einem bindegewebigem Umbau der Leber, einer sogenannten Leberzirrhose. Eine Leberzirrhose schränkt die Funktion der Leber ein und ist potenziell lebensbedrohlich. Da das Blut bei einer Leberzirrhose nicht mehr in ausreichendem Maß über die Leber zum Herzen fließen kann, können sich venöse Umgehungskreisläufe (Varizen) bilden. Diese Umgehungskreisläufe können leicht platzen und zu starken Blutungen führen.

Auswirkungen auf die Nieren

Alkohol reduziert die Ausschüttung des antidiuretischen Hormons und führt so zu einer vermehrten Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren. Dies kann zu Dehydratation führen.

Auswirkungen auf die Ernährung

Alkohol enthält nach Fett die meisten Kalorien. Jedes Gramm Alkohol liefert sieben Kalorien. Bei diesen Kalorien handelt es sich jedoch um "leere Kalorien", das heißt Alkohol macht zwar satt, enthält jedoch keine für den Körper wichtigen Stoffe wie Spurenelemente oder Vitamine. Chronischer Alkoholkonsum geht deshalb oft mit Mangelernährung einher.

Auswirkungen auf das Blut

Chronischer Alkoholkonsum vermindert die Produktion von roten und weißen Blutkörperchen.

Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit

Chronischer Alkoholkonsum kann zu Impotenz führen und die sexuelle Aktivität mindern. Bei Frauen führt chronischer Alkoholkonsum zu Zyklusstörungen. Zudem kann chronischer Alkoholkonsum sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu Unfruchtbarkeit führen.

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft kann der Konsum von alkoholischen Getränken schwerwiegende Folgen für die Gesundheit des Kindes haben. Dies gilt bereits für kleine Mengen, denn Alkohol geht aus dem Blut der Mutter über die Plazenta direkt in den fetalen Blutkreislauf über. So verursacht Alkohol bei ungeborenen Kindern Schäden, die das Leben dieser Kinder für immer beeinträchtigen können. Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ist eine der häufigsten Ursachen für nicht genetisch bedingte Behinderungen bei Kindern. Deshalb sollten Schwangere auf Alkohol vollständig verzichten.

Im schlimmsten Fall kann es beim Kind zu einem fetalen Alkoholsyndrom kommen. Anzeichen dafür sind Fehlbildungen im Gesicht des Babys, Wachstumsverzögerungen, Missbildungen von Schädel, Gehirn und Nerven sowie Fehlbildungen des zentralen Nervensystems, die zu Entwicklungsstörungen, geistigen Defiziten, Lernschwierigkeiten, sozialen Auffälligkeiten, Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsstörungen führen können.

Foto: © Rob Byron - Shutterstock.com

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Erstellt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 8. März 2017 07:42 von SilkeCCM.
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