Wie Hormone den Körper in der Schwangerschaft beeinflussen

Dezember 2016

Während der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt der Frau. Das ist wichtig, um das Heranreifen des Kindes zu gewährleisten, kann manchmal aber auch zu Stimmungsschwankungen und Unwohlsein führen.


Hormonelle Veränderungen in den ersten Schwangerschaftswochen

Schon direkt nach der Befruchtung der Eizelle, beginnt der Körper damit, sich auf die Schwangerschaft vorzubereiten. Angetrieben wird diese Umstellung von speziellen Hormonen. Die fünf wichtigsten Hormone für die Schwangerschaft sind HCG, Progesteron, Östrogen, Oxytocin und Prolaktin. Sie haben verschiedene Funktionen und Auswirkungen auf den Körper.

Humanes Choriongonadotropin, HCG

Das Hormon HCG wird während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet und ist für die Erhaltung der Schwangerschaft verantwortlich. Da es schon nach kurzer Zeit im Urin nachweisbar ist, ist es HCG, das im Rahmen eines Schwangerschaftstests bestimmt wird.

Das HCG signalisiert dem Körper, dass die Frau schwanger ist und dass kein Eisprung mehr erfolgen soll. Dies bewirkt, dass die Menstruation nicht eintritt und die Gebärmutterschleimhaut erhalten bleibt, wächst und die befruchtete Eizelle aufnehmen kann.

In den ersten Wochen der Schwangerschaft steigt die HCG-Konzentration im Blut an und verdoppelt sich etwa alle zwei Tage. Die maximale Konzentration wird etwa zwischen der achten und zehnten Schwangerschaftswoche erreicht. Danach fällt der HCG-Spiegel langsam auf eine niedrigere Konzentration ab, die kurz vor der 20. Schwangerschaftswoche erreicht wird und dann etwa stabil bleibt.

HCG wird mit den in der frühen Schwangerschaft typischen Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen in Zusammenhang gebracht. Mit dem Absinken des HCG-Spiegels lassen in der Regel auch diese Symptome nach.

Progesteron

Progesteron ist ein wichtiges weibliches Sexualhormon und wird in der Schwangerschaft verstärkt produziert. Es sorgt dafür, dass sich die Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut einnisten kann, indem es die Gebärmutterwände zum Verdicken anregt.


Zunächst wird Progesteron vom so genannten Gelbkörper gebildet. Dieser Gelbkörper entwickelt sich nach dem Eisprung aus dem Rest des Eifollikels. Kommt es zu einer Schwangerschaft, bleibt der Gelbkörper durch die Wirkung des HCG-Hormons bestehen und schüttet bis zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats weiterhin Progesteron aus. Danach wird Progesteron hauptsächlich von der Plazenta produziert.

Progesteron unterstützt das Wachstum von Haaren und Nägeln. Es sorgt dafür, dass die Gebärmuttermuskulatur entspannt ist und keine frühzeitigen Wehen auftreten. Außerdem hat Progesteron einen beruhigenden Einfluss auf Mutter und Kind.

Diese entspannende Wirkung kann an anderer Stelle aber zu Problemen führen, da auch der Ringmuskel im oberen Magenbereich, der Darm und die Blase erschlaffen. Sodbrennen, Verstopfung und häufiges Wasserlassen sind mögliche Folgen.

Östrogen

Östrogen ist ein Sexualhormon, das im normalen Menstruationszyklus die Reifung, den Transport und die Einnistung einer Eizellle fördert. Es signalisiert der Hirnanhangsdrüse die Reife der Eizelle und löst indirekt den Eisprung aus.


Durch den Einfluss von Östrogen wächst die Gebärmutterschleimhaut und wird gut durchblutet. Der Muttermund öffnet sich und das Gebärmutterhalssekret wird durchlässig für Spermien.

Wenn die Eizelle nicht befruchtet wird, sinkt der Östrogenspiegel wieder ab. Kommt es dagegen zu einer Schwangerschaft, wird Östrogen nach der Einnistung des Embryos von der Plazenta und vom Embryo selbst hergestellt.

In der frühen Schwangerschaft sorgt Östrogen gemeinsam mit Progesteron dafür, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt und sich die Eizelle einnisten kann. Während der Entbindung fördert Östrogen die Kontraktionsbereitschaft der Gebärmutter.

Der erhöhte Östrogen-Spiegel hält den Kreislauf von Mutter und Kind in Schwung. Die werdende Mutter darf sich aufgrund der besseren Durchblutung über eine strahlenden Teint, ein feineres Hautbild sowie dichtere und glänzendere Haare freuen.

Oxytocin

Oxytocin ist ein Hormon, das von der Hirnanhangsdrüse gebildet wird und auch das "Beziehungshormon" genannt wird. Es fördert die Bindung zwischen zwei Menschen und das Zugehörigkeitsgefühl, so auch zwischen Mutter und Kind.


Oxytocin löst bei der Geburt die Wehen aus und ist für die Dehnung der Gebärmutter und des Beckenbodens verantwortlich. Nach der Geburt stimuliert Oxytocin den Milchfluss und wirkt beim Stillen - in Verbindung mit einem Rückgang des Stresshormons Kortisol - beruhigend auf die Mutter.

Prolaktin

Das Hormon Prolaktin wird von der Hirnanhangsdrüse gebildet. In der Schwangerschaft regt es die Brustdrüse an und damit das Wachstum der Brüste. Während der Stillzeit stimuliert Prolaktin die Milchproduktion.


Das Hormon kann außerdem den Eisprung und damit eine erneute Schwangerschaft verhindern, solange die Mutter noch stillt.

Foto: © Viktoria Gavrilina – Shutterstock.com

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Erstellt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 29. Juni 2016 11:25 von IsraelCCM.
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