Eine geeignete Verhütungsmethode auswählen

September 2017

Zur Empfängnisverhütung stehen eine Reihe verschiedener Methoden zur Verfügung. Paare können eine geeignete Methode auswählen, die ihren Bedürfnissen entspricht.


Empfängnisverhütung

Welche Verhütungsmethode gewählt wird und welches Verfahren geeignet ist, variiert je nach Alter der Frau, der gesundheitlichen und sozio-ökonomischen Situation, einer eventuellen Begleitmedikation, dem Liebesleben, den sexuellen Praktiken und einem eventuellen Kinderwunsch. Zur Verfügung stehen sowohl hormonelle Verhütungsmethoden wie die Pille, das Hormonstäbchen (Hormonimplantat) oder die Hormonspirale. Des Weiteren können hormonfreie Verhütungsmethoden wie Kondome, die Kupferspirale oder Methoden zur Berechnung der fruchtbaren Tage verwendet werden. Es ist dabei inzwischen möglich, eine Schwangerschaft sehr sicher zu verhüten. Allerdings ist keine Verhütungsmethode zu 100 Prozent zuverlässig.


Sie sollten sich gründlich, professionell und individuell beraten lassen, welche Verhütungsmethode für Ihre Bedürfnisse geeignet ist. Am besten vereinbaren Sie dafür einen Termin bei Ihrem Frauenarzt (bzw. Männer beim Urologen). Ihren Partner sollten Sie zu einem solchen Gespräch mitbringen. Ist dies nicht möglich oder nicht gewünscht, sollten Sie den Partner trotzdem in die Wahl der Verhütungsmethode miteinbeziehen.

Die Östrogen-Gestagen Pille

Die Pille ist das am häufigsten verwendete Verhütungsmittel und zählt zu den hormonellen Verhütungsmethoden. Die meisten Pillen sind ein Kombinationspräparat aus den Hormonen Östrogen und Gestagen, wobei verschiedene Pillen unterschiedliche Mengen an Östrogen und Gestagen enthalten. Das Östrogen unterdrückt den Eisprung, während das Gestagen die Einnistung einer Eizelle verhindert, sollte es doch zu einem Eisprung gekommen sein.

Vorteile der Pille

Wenn die Pille ordnungsgemäß angewendet wird, ist die Verhütung zu fast 100 Prozent sicher. Die Pille hilft außerdem, Regelblutungen regelmäßiger, milder und weniger schmerzhaft auftreten zu lassen und kann das Hautbild bei Akne verbessern.

Nachteile der Pille

Die Pille schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten und Infektionen und muss ärztlich verordnet werden. Die Einnahme muss regelmäßig jeden Tag zur gleichen Zeit erfolgen.

Zudem sind verschiedene Nebenwirkungen möglich. Hierzu zählen zum Beispiel Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Spannungsgefühle in den Brüsten, Zwischenblutungen, Veränderungen der Libido, Leberfunktionsstörungen und ein erhöhtes Thromboserisiko.

Krebsrisiko

Die langfristige Einnahme einer Östrogen-Gestagen-Pille hat einen Einfluss auf das Krebsrisiko. Forscher fanden zum einen heraus, dass die Pille das Risiko, an Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, senkt. Allerdings steigt das Risiko für Brustkrebs leicht an. Die Erhöhung des Brustkrebsrisikos scheint sich jedoch etwa zehn Jahre nach einem Einnahmestopp wieder zu verlieren. Daneben konnten Forscher bei langer Einnahme ein etwas gesteigertes Risiko für Zervixkarzinome und Leberkrebs feststellen.

Thromboserisiko

Alle Östrogen-Gestagen-Pillen verursachen ein erhöhtes Risiko für Thromboembolien. Bei einer Thromboembolie bilden sich in den Venen Blutgerinnsel, die in die Lunge wandern und dadurch lebensgefährlich sein können. Das Risiko für Thromboembolien ist besonders erhöht, wenn Raucherinnen die Pille einnehmen. Zusätzliche Risikofaktoren für venöse Thrombosen sind unter anderem Immobilisation (zum Beispiel das Tragen eines Gipses), eine familiäre Veranlagung, Erkrankungen, die die Blutgerinnung beeinflussen, Tromboembolien in der Vorgeschichte und Übergewicht.

Die Gestagen-Pille (Minipille)

Die Gestagen-Pille wird auch als Minipille bezeichnet. Diese Pille enthält nur Gestagen. Minipillen machen den Schleim im Gebärmutterhals für Samenzellen undurchlässig. Zudem bewirkt das Gestagen, dass sich die Gebärmutterschleimhaut mangelhaft aufbaut. Sollte trotzdem eine Befruchtung stattfinden, kann sich die Eizelle nur schwer einnisten. Die Minipille muss sehr exakt jeden Tag zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden.

Mögliche Nebenwirkungen

Die Minipille enthält nur ein Hormon und hat deshalb etwas weniger Nebenwirkungen als die kombinierte Pille. Zu den häufigeren Nebenwirkungen zählen Veränderungen bzw. das Ausbleiben der Regelblutung oder Zwischenblutungen, Brustspannen, Schwindel, Übelkeit, Pigmentflecken, Wassereinlagerungen im Gewebe, Veränderungen der Libido, Kopfschmerzen oder Nervosität. Selten kann es zu Gewichtsveränderungen, Hauterkrankungen, Scheidenausfluss oder einer Kontaktlinsenunverträglichkeit kommen.

Kondome

Die Verwendung von Kondomen ist die einzige Verhütungsmethode, die vor sexuell übertragbaren Krankheiten und Infektionen schützen kann. Kondome sind überall zu kaufen und einfach zu handhaben. Bei unbekannten Partnern sollten Sie auf jeden Fall Kondome verwenden, auch wenn Sie schon auf andere Weise verhüten. Kondome können abrutschen oder reißen. Beachten Sie deshalb die Anwendungshinweise und verwenden Sie nur Produkte innerhalb des Haltbarkeitsdatums.

Der Vaginalring

Der Vaginalring ist ein flexibler, transparenter und farbloser Ring. Die enthaltenen Wirkstoffe sind Etonogestrel und Ethinylestradiol. Die Hormone werden über die Scheidenschleimhaut aufgenommen.

Platzierung des Vaginalrings

Die Frau kann den Vaginalring selbst in die Scheide einsetzen. Der Vaginalring sollte am ersten Tag der Monatsblutung platziert werden. Achten Sie immer darauf, dass der Ring richtig platziert ist. Sie sollten ihn während und nach dem Geschlechtsverkehr nicht spüren. Der Vaginalring wird immer am gleichen Wochentag eingeführt und nach 21 Tagen entfernt. Daraufhin setzt die Monatsblutung ein. Nach einer siebentägigen Pause setzen Sie einen neuen Vaginalring ein. Die Verhütung ist während der gesamten vier Wochen gewährleistet.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Kontraindikationen, Risiken und Nebenwirkungen sind mit denen der Pille identisch. Während der ersten sieben Anwendungstage sollten Sie zusätzlich mit Kondomen verhüten, da die Hormone zunächst über die Schleimhaut aufgenommen und verteilt werden müssen.

Das empfängnisverhütende Hormonimplantat

Das empfängnisverhütende Hormonimplantat (zum Beispiel Implanon) ist ein streichholzgroßer Stab aus Kunststoff. Das Implantat wirkt analog zur Pille, bietet eine zu 99 Prozent sichere Empfängnisverhütung und behält seine empfängnisverhütende Wirkung für etwa drei Jahre. Deshalb ist die Methode vor allem für Frauen geeignet, die langfristig verhüten möchten, ohne täglich eine Pille einzunehmen. Die Kosten variieren je nach Art des Implantats. Fragen Sie Ihren Frauenarzt, welche Kosten genau für das Stäbchen und das Einsetzen des Hormonstabs anfallen.


Vor dem Einsetzen des Implantats sollte ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden. Das Implantat wird vom Arzt mit einer Hohlnadel unter die Haut am Arm eingeführt. Die Platzierung und Entfernung des Implantats dauert ein paar Minuten. Bei der Entfernung bleibt eine kleine, etwa zwei Millimeter lange Narbe zurück. Das Implantat ist in der Regel nicht schmerzhaft.

Risiken und Nebenwirkungen

Die Implantation kann in einigen Fällen zu einem Bluterguss und/oder zu Schmerzen führen. Sonstige Risiken und Nebenwirkungen sind mit denen der Pille vergleichbar.

Die Spirale

Die Spirale ist ein häufig genutztes Verhütungsmittel, das aus einem T-förmigen Kunststoffstück, besteht, das in die Gebärmutter eingesetzt wird. Die Spirale wird vom Arzt in der Gebärmutter platziert und kann dort bis zu fünf Jahre verbleiben. Die Spirale gibt es als Kupfer- und als Hormonspirale. Die Kupferspirale gibt in der Gebärmutter Kupferionen ab, die spermizid (spermienabtötend) wirken. Zusätzlich verhindert die Spirale die Einnistung der Eizelle. Die Hormonspirale verhindert zusätzlich mit einer hormonellen Komponente eine Schwangerschaft.

Mögliche Nebenwirkungen

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken sind zum Beispiel Infektionen, Blutungen und/oder verstärkte Regelschmerzen. Daneben sind bei der Hormonspirale weitere Nebenwirkungen beobachtet worden, zum Beispiel Kopfschmerzen, Akne, fettige Haut, Übelkeit, Veränderungen der Menstruationsblutung (stärker oder schwächer), Depressionen, Migräne, Nervosität sowie Angst- und Panikattacken.

Foto: © Dmitri Gromov – 123RF.com

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Erstellt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 5. August 2017 00:43 von SilkeCCM.
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