Behandlungsmöglichkeiten bei Leberzirrhose

Juli 2017

Bei einer Leberzirrhose kommt es zu einem bindegewebigen Umbau der Leberzellen. Die Zellen vernarben, was zu einer Einschränkung der Leberfunktion führt.


Welche Aufgaben hat die Leber?

Die Leber ist ein lebenswichtiges Organ, das im Körper entscheidende Aufgaben übernimmt.

Stoffwechsel

Über die Pfortader gelangen Nährstoffe, die aus dem Darm in das Blut aufgenommen wurden, in die Leber. Je nachdem was der Körper aktuell benötigt, werden die Stoffe von der Leber umgewandelt, verwertet, abgebaut oder gespeichert. Die Leber kann sowohl Aminosäuren, Fett, Vitamine als auch Zucker speichern.

Stabilisierung des Zuckerhaushalts

Die Leber ist in der Lage, überschüssigen Zucker (Glukose) aufzunehmen und zu speichern. Sinkt die Blutzuckerkonzentration im Blut, stellt die Leber wieder Glukose aus Glykogen zur Verfügung.

Entgiftung

Die Leber spielt eine entscheidende Rolle in der täglichen Entgiftung des Körpers. Durch das Blut gelangen Giftstoffe wie Alkohol oder mit der Nahrung aufgenommene schädliche Stoffe zur Leber. Dort werden sie nach Möglichkeit umgewandelt und ausgeschieden.

Abbau von Hämoglobin

Außerdem gelangen alte Blutkörperchen in die Leber. Das Organ wandelt den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) in gelben Blutfarbstoff (Bilirubin) um. Über die Gallenflüssigkeit gelangt Bilirubin in den Darm und wird ausgeschieden. Wenn die Leber nicht richtig arbeiten kann, staut sich Bilirubin im Körper und färbt die Haut gelb.

Herstellung lebenswichtiger Eiweiße

Die Leber stellt verschiedene lebenswichtige Eiweiße her. Dazu gehören zum Beispiel Eiweiße für die Blutgerinnung oder Albumin, das als Transportprotein für andere Stoffe im Blut dient, darunter Bilirubin, Kalzium und Magnesium.

Produktion von Gallensäure

Die Leber produziert täglich mehr als 500 Milliliter Gallensaft. Dieser wird in der Gallenblase eingedickt und gelangt über den Gallengang in den Darm. Dort hilft der Gallensaft bei der Verdauung von Fetten.

Was ist eine Leberzirrhose?

Bei einer Leberzirrhose wandelt sich das Lebergewebe bindegewebig, wird knotig und vernarbt. Die Leberzirrhose kann durch verschiedene Erkrankungen hervorgerufen werden. Dazu zählen zum Beispiel Hepatitis-Erkrankungen (wie Hepatitis B und C) und seltener Autoimmunerkrankungen, Speichererkrankungen (wie die Eisenspeicherkrankheit) oder Stoffwechselerkrankungen (wie Mukoviszidose oder Alpha-1-Antitrypsinmangel).


Daneben kann eine Leberzirrhose auch durch toxische Stoffe ausgelöst werden. Hier steht an erster Stelle übermäßiger Alkoholkonsum. Aber auch Medikamente und Chemikalien können eine Leberzirrhose verursachen. Zudem kann auch eine übermäßige Verfettung der Leber zu einer Leberzirrhose führen. Die wichtigsten Ursachen hierfür sind starkes Übergewicht und Diabetes mellitus.

Verlauf einer Leberzirrhose

Eine Leberzirrhose ruft meist erst in einem späten Stadium Symptome hervor, wenn bereits viele Leberzellen zerstört sind. In einigen Fällen wird die Leberzirrhose durch eine Routineuntersuchung beim Arzt in einem früheren Stadium entdeckt.


Bei einer Leberzirrhose hängen der Verlauf und die Überlebenschancen davon ab, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist, welche Ursache zugrunde liegt und ob rechtzeitig eine Therapie eingeleitet werden kann. Die Zellen, die bei einer Leberzirrhose bereits narbig umgebaut sind, sind nicht mehr zurückzugewinnen. Das Fortschreiten der Umbauvorgänge in der Leber lässt sich aber häufig stoppen, so dass sich die Leber zumindest teilweise erholen kann. Wenn zum Beispiel Alkohol die Ursache für eine Leberzirrhose ist, kann eine sofortige und vollständige Abstinenz das Fortschreiten der Erkrankung häufig verhindern.

Ernährungstipps

Um der Zirrhose Einhalt zu gebieten, ist es wichtig, dass Betroffene sich gesund, ausgewogen und vitaminreich ernähren. Übergewichtige Patienten sollten durch eine fettarme Ernährung und Kalorienreduktion ihr Gewicht vermindern. Bei normalem Ernährungszustand ist eine spezielle Diät nicht sinnvoll.

Bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose sollten die Patienten mit Ihrem Arzt besprechen, welche Ernährungsregeln genau zu befolgen sind. Da die Leber den Zuckerhaushalt in diesem Fall nur noch eingeschränkt stabilisieren kann, empfiehlt sich hier meist eine kohlenhydratreiche Spätmahlzeit, um den Zuckerhaushalt während der Nacht stabil zu halten.

Wenn die Leber nur noch wenig Eiweiße produzieren kann, sollten sich die Patienten eiweißreich ernähren. Hier ist allerdings zu beachten, dass die Leber bei einem Zuviel an Eiweiß aus der Nahrung Schwierigkeiten bekommt, Giftstoffe auszuscheiden, die durch den Eiweißstoffwechsel entstehen. In diesem Fall müssen Patienten die Waage zwischen beiden Komponenten halten. Eine individuelle Ernährungsberatung ist hier sinnvoll.

Alkoholkonsum schädigt die Leber. Wenn Sie unter einer Leberzirrhose leiden, sollten Sie vollständig auf Alkohol verzichten.

Behandlung von Leberzirrhose

Wie eine Leberzirrhose behandelt wird, hängt vor allem von der auslösenden Grunderkrankung ab. Um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, sollte der Auslöser behandelt werden. Wenn zum Beispiel eine Hepatitis die Ursache der Erkrankung ist, sollte diese therapiert werden. Für die Behandlung der Hepatitis C stehen seit kurzer Zeit neben den althergebrachten Präparaten auch neue, sehr gut wirksame Medikamente zur Verfügung.


Es gibt zurzeit noch keine Medikamente, mit denen die übermäßige Bildung von Bindegewebe bei einer Leberzirrhose eingeschränkt werden kann. Einige Medikamente können jedoch die Auswirkungen der Leberzirrhose auf den Körper mildern. Für sogenannte Leberschutzpräparate, die die Leberzirrhose natürlich heilen sollen, wurde bislang kein wissenschaftlicher Nutzen belegt. Wenn Sie Präparate aus dem alternativmedizinischen Spektrum einnehmen wollen, sollten Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache halten, da einige Stoffe (auch aus der Pflanzenheilkunde oder Homöopathie) die Leberfunktion verschlechtern können.

Viele Medikamente werden über die Leber abgebaut und können sie beschädigen. Generell gilt: Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.

Diuretika

Diuretika werden eingesetzt, wenn Patienten durch die Leberzirrhose unter Aszites (Bauchwassersucht/Wasserbauch) leiden. Die Medikamente helfen, die Flüssigkeit aus dem Körper auszuschwemmen.

Sonderfall: Hepatische Enzephalopathie

Die hepatische Enzephalopathie ist eine Funktionsstörung des Nervensystems, die durch die abnehmende Entgiftungsleistung der Leber bei einer Leberzirrhose ausgelöst werden kann. Dabei leidet der Patient unter Verwirrtheitszuständen und Schläfrigkeit. Bei einer hepatischen Enzephalopathie ist es das Ziel, die Giftstoffe im Blut zu verringern. Der Patient sollte nicht zu viel Eiweiß und ausreichend Kohlenhydrate zu sich nehmen. Durch Verabreichung von Laktulose wird die Ausscheidung von Ammoniak aus dem Darm verbessert.

Betablocker

Diese Medikamentengruppe kann eingesetzt werden, wenn es zu einem Hochdruck im Pfortaderkreislauf kommt.

Behandlung von Ösophagusvarizen

Bei einer Leberzirrhose können sich sogenannte Ösophagusvarizen (Krampfadern der Speiseröhre) bilden. Beim gesunden Menschen transportiert die Pfortader nährstoffreiches Blut in die Leber, das über die Lebervenen schließlich zum Herzen hin transportiert wird. Da bei einer Leberzirrhose das Blut durch die vernarbte Leber nicht mehr ausreichend zum Herzen zurückfließen kann, staut sich das Blut in die Pfortader zurück und verursacht einen sogenannten Pfortaderhochdruck. Durch den Blutstau fließt das Blut über andere Venen zum Herzen zurück, unter anderem über die Venen in der Speiseröhre, die sich deshalb stark erweitern können. Es bilden sich Krampfadern in der Speiseröhre, die leicht platzen und zu starken Blutungen führen können.


Um Blutungen vorzubeugen, muss der Druck im Pfortaderkreislauf gesenkt werden (zum Beispiel durch Betablocker). Bei Blutungen muss der Patient sofort ins Krankenhaus eingewiesen werden. Dort können Varizen lokal verödet oder ligiert (abgebunden) werden.

Punktion bei Bauchwassersucht

Wenn Patienten durch die Leberzirrhose unter einer Bauchwassersucht (Aszites) leiden, werden sie zunächst mit Diuretika behandelt. Wenn diese Therapie nicht ausreicht, muss das Bauchwasser über eine Punktion aus dem Körper abgeleitet werden.

Lebertransplantation

Bei fortgeschrittener Leberzirrhose im Endstadium und Leberinsuffizienz kann eine Lebertransplantation notwendig werden. Diese wird nur an spezialisierten Zentren durchgeführt. Eine Lebertransplantation kommt daneben auch nur für Patienten in Frage, die bestimmte Kriterien erfüllen (zum Beispiel eine gewisse Altersgrenze noch nicht erreicht haben, keine schwerwiegenden Begleiterkrankungen haben, eine ausreichend lange Zeit der Alkoholkarenz nachweisen können).


Foto: © Pavel Chagochkin – 123RF.com

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Artikel im Original veröffentlicht von . Übersetzt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 10. Mai 2017 05:43 von SilkeCCM.
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