Die Geschlechtschromosomen

März 2017

Chromosomen sind Strukturen, die die Erbinformationen (DNA) des Menschen enthalten. Diese Erbinformationen kommen in jeder Zelle des Körpers vor. Die Geschlechtschromosomen sind spezielle Chromosomen, durch die das genetische Geschlecht eines Menschen bestimmt wird.


Geschlechtschromosomen - Definition

Geschlechtschromosomen sind Chromosomen, die die Erbinformation enthalten, die das Geschlecht eines Menschen bestimmt. Die Geschlechtschromosomen werden in der Fachsprache auch als Gonosomen bezeichnet.

Wie wird das Geschlecht beim Menschen vererbt?

Jede Zelle im Körper besitzt 23 Chromosomen in doppelter Ausführung, insgesamt also 46 Chromosomen. Die Chromosomenpaare 1 bis 22 sind dabei die "Körperchromosomen", auch als Autosomen bezeichnet. Auf den Autosomen sind alle Erbinformationen hinterlegt, die der Körper benötigt, wie etwa die Information über die Bildung verschiedener Eiweiße oder die Festlegung der Haar- und Augenfarbe. Das 23. Chromosomenpaar bildet die Geschlechtschromosomen (XY beim Mann und XX bei der Frau).


Die mütterliche Eizelle und die väterliche Samenzelle sind die einzigen Körperzellen, die nur einen einfachen Chromosomensatz, also 23 Chromosomen, besitzen. Wenn Ei- und Samenzelle bei der Befruchtung zusammenkommen, enthalten die Zellen des Kindes dadurch wieder 46 Chromosomen.

Das XY-System

Frauen haben zweimal das gleiche Geschlechtschromosom, nämlich zwei X-Chromosomen (XX). Männer haben hingegen ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom (XY). Die Eizelle und das Spermium tragen jeweils nur ein Geschlechtschromosom. Von der Mutter wird daher immer ein X-Chromosom vererbt, vom Vater entweder ein X- oder ein Y-Chromosom.


Durch die Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle entsteht ein neues Individuum mit den Geschlechtschromosomen XX (weibliches Geschlecht) oder XY (männliches Geschlecht). Das Geschlecht des Babys hängt also davon ab, ob die Samenzelle des Vaters ein X- oder ein Y-Chromosom enthält.

Die Geschlechtsbestimmung anhand des XY-Systems funktioniert somit wie folgt:

Spermium (X) + Eizelle (X) = XX = Das Baby wird ein Mädchen.

Spermium (Y) + Eizelle (X) = XY = Das Baby wird ein Junge.

Die Wahrscheinlichkeit für beide Kombinationsmöglichkeiten ist etwa gleich.

Geschlechtschromosomen und Erbkrankheiten

In den Geschlechtschromosomen befindet sich neben der Erbinformation über das Geschlecht des Kindes noch weitere Erbinformation. So enthält das X-Chromosom beispielsweise Informationen über die genetische Bildung von Blutgerinnungsfaktoren. Liegt ein Defekt in diesem Genabschnitt vor, wird dieser über das X-Chromosom vererbt. Da Frauen über zwei X-Chromosomen verfügen, kann die fehlende Erbinformation in der Regel über das gesunde zweite X-Chromosom abgerufen werden und der Defekt macht sich nur bemerkbar, wenn das zweite X-Chromosom ebenfalls betroffen ist. Da Männer jedoch nur über ein X-Chromosom verfügen, bricht bei Ihnen eine X-chromosomal vererbte Erkrankung aus. Es gibt auch Erkrankungen, die über das Y-Chromosom vererbt werden. In diesem Fall sind nur Männer von der Erbkrankheit betroffen.

Fehlverteilung von Geschlechtschromosomen

In seltenen Fällen (bei etwa 0,3 Prozent aller Neugeborenen) ist die Verteilung der Geschlechtschromosomen fehlerhaft und weicht vom normalen XY-System ab. Zu den bekanntesten Fehlverteilungsstörungen gehört das Klinefelter-Syndrom, bei dem neben zwei X-Chromosomen auch ein Y-Chromosom vorhanden ist (XXY). Beim Klinefelter-Syndrom entwickeln sich die Betroffenen zu Männern, die jedoch häufig unter Unfruchtbarkeit und Abweichungen in der Produktion männlicher Sexualhormone leiden.

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Artikel im Original veröffentlicht von . Übersetzt von Dr. Blattmann.
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