Tachykardie

Juli 2017

Von einer Tachykardie spricht man, wenn das Herz zu schnell schlägt. Eine Tachykardie kann harmlose und krankhafte Ursachen haben.


Impulsentstehung und Reizleitung im Herzen

Die elektrischen Impulse für den Herzschlag werden vom Sinusknoten, dem natürlichen Herzschrittmacher im Herzen, erzeugt und vom Reizleitungssystem des Herzens weitergeleitet. Das im Sinusknoten erzeugte elektrische Signal breitet sich über die Herzvorhöfe in Richtung der Herzkammern aus und sorgt dafür, dass diese sich zusammenziehen und das Blut in Richtung der Herzkammern vorschieben. Eine Störung im Reizleitungssystem oder Impulszentrum des Herzens führt zu Herzrhythmusstörungen. Je nachdem welche Impulsgeberzentren im Herz gestört sind, entwickeln sich verschiedene Herzrhythmusstörungen.

Die normale Pulsfrequenz

Bei einem Erwachsenen sollte der Puls in Ruhe zwischen 50 und 80 Schlägen pro Minute liegen. Bei Anstrengung kann er sich deutlich erhöhen. Nach beendeter körperlicher Belastung sollte der Puls wieder langsam abfallen. Kinder haben in Ruhe eine deutlich höhere Pulsfrequenz. Bei Babys liegt der Ruhepuls etwa bei 120 bis 140 Schlägen, ohne dass eine Tachykardie vorliegt.

Was ist eine Tachykardie?

Von einer Tachykardie spricht man, wenn der Ruhepuls andauernd auf mehr als 100 Schläge pro Minute erhöht ist. Während körperlicher Anstrengung ist ein beschleunigter Herzschlag nicht als krankhaft zu werten, da der Körper die Muskeln in dieser Situation mit mehr sauerstoffhaltigem Blut versorgen muss. Aus diesem Grund muss das Herz bei Anstrengungen schneller schlagen, um mehr Blut in den Körperkreislauf zu pumpen. Wenn das Herz jedoch scheinbar ohne Grund zu schnell schlägt, muss eine Tachykardie ärztlich abgeklärt werden.

Eine Tachykardie kann unterschiedlichste Ursachen haben. Hierzu zählen zum Beispiel Blutarmut, Herzrhythmusstörungen oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Die Therapie richtet sich nach der auslösenden Ursache.

Das Gegenteil einer Tachykardie ist die sogenannte Bradykardie. Dies bedeutet, dass das Herz zu langsam schlägt.

Symptome einer Tachykardie

Bei einer Tachykardie fühlen Betroffene häufig ein Herzstolpern (Palpitationen) oder starkes Herzklopfen. Manchmal ist eine Tachykardie von Angstgefühlen begleitet. Je nach auslösender Grunderkrankung und Ausprägung der Tachykardie berichten betroffene Patienten von Luftnot, Schwindel, Brustschmerz oder Ohnmachtsanfällen.

Was sind Palpitationen?

Von Palpitation spricht man, wenn der eigene Herzschlag bewusst wahrgenommen und als anormal empfunden wird. Der Herzschlag kann dabei als zu schnell, zu langsam oder zu unregelmäßig empfunden werden. Palpitationen können unterschiedliche Ursachen haben, zum Beispiel Stress, Alkohol, Drogen, Nikotin, Panikattacken, Erkrankungen der Schilddrüse oder des Herzens.

Ursachen einer Tachykardie

Eine Tachykardie muss nicht durch Herzerkrankungen ausgelöst werden. Auch andere Faktoren können eine Tachykardie verursachen. Dazu zählen übermäßiger Kaffeekonsum, Drogen- oder Alkoholkonsum, Rauchen, Nervosität und Stress, Schilddrüsenüberfunktion, Anämie, Blutungen, Nierenfunktionsstörungen, psychische Erkrankungen oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Daher sollte die Ursache einer Tachykardie gründlich ärztlich abgeklärt werden. Bei Panik- und Angstgefühlen, die mit einer Tachykardie einhergehen, ist es wichtig herauszufinden, ob die Tachykardie durch die Panikattacke ausgelöst wurde oder ob die Tachykardie die Panikgefühle auslöst.

Tachykardie: Verschiedene Arten von Herzrhythmusstörungen

Die Sinustachykardie

Die Sinustachykardie geht mit einer zu schnellen, aber regelmäßigen Herzaktivität einher. Die Herzfrequenz liegt über 100 Schlägen pro Minute. Die Sinustachykardie tritt häufig als Kompensationsmechanismus auf, etwa bei Blutverlust, Blutarmut (Anämie), Fieber oder einem großen Flüssigkeitsdefizit.

Die AV-Reentry-Tachykardie

Die AV-Reentry-Tachykardie tritt anfallsweise auf. Betroffene spüren dies meist als plötzlich einsetzende Tachykardie. Die AV-Reentry-Tachykardie wird durch eine veränderte Erregungsleitung zwischen Vorhöfen und Herzkammern ausgelöst.

Vorhofflimmern

Bei einem Vorhofflimmern kontrahieren die Vorhöfe zu schnell und unregelmäßig. Dies führt zu einem unregelmäßigen, tachykarden Herzschlag. Ein Vorhofflimmern muss ärztlich behandelt werden.

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom

Beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom) kann es zu einer kreisenden Erregung zwischen Herzvorhöfen und den Herzkammern kommen. Dieses Kreisen wird durch eine zusätzliche Leitungsbahn im Herzen ausgelöst, die die elektrischen Impulse im Herzen fehlleitet.

Kammertachykardie

Bei einer Kammertachykardie liegt der Ursprung der schnellen Herzschläge in den erregungsleitenden Fasern der Herzkammern. Eine Kammertachykardie ist lebensgefährlich und muss sofort ärztlich behandelt werden. Häufig liegen schwere Herzerkrankungen wie ein Herzinfarkt oder eine Insuffizienz zugrunde.

Das Herz schlägt zu schnell: Was tun?

Wenn Sie unter einem scheinbar grundlos andauernden, zu schnellen Herzschlag leiden oder Palpitationen spüren, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Ein zu schneller Herzschlag kann ernsthafte Folgen haben, da das Herz eventuell nicht mehr in der Lage ist, genug Blut durch den Körper zu pumpen und sich gleichmäßig mit Blut zu füllen.


Ein Elektrokardiogramm ist in der Diagnostik der Tachykardie unerlässlich. Gegebenenfalls sind Zusatzuntersuchungen wie Blutuntersuchungen oder eine Sonografie (Ultraschall) notwendig, um die Ursache für die Tachykardie herauszufinden.

Foto: © Emil Durov – 123RF.com

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Artikel im Original veröffentlicht von . Übersetzt von Dr. Blattmann. Letztes Update am 13. Juli 2017 22:24 von SilkeCCM.
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