Das Stillen

Januar 2017
Mehr als die Hälfte aller Mütter entscheiden sich fürs Stillen. Wie man sein Baby stillen sollte und welche Vorteile das Stillen für Mutter und Kind hat, erfahren Sie im Folgenden.


Das Stillen

Stillen ist eine einzigartige Erfahrung für Mutter und Kind. Die Entscheidung das Kind zu stillen oder nicht, sollte aber jede Frau persönlich treffen. Wenn Sie mit dem Stillen anfangen, können Sie auch jederzeit auf Flaschennahrung umsteigen. Frauen sollten nicht das Gefühl haben, sich zum Stillen zwingen zu müssen und sich nicht schuldig fühlen, wenn es nicht klappt. Es kommt immer wieder vor, dass Frauen glauben, sie seien eine schlechte Mutter, weil sie ihr Kind nicht stillen.

Zahlen und Fakten über das Stillen

Etwa 76 Prozent der Mütter stillen ihr Kind in den ersten Lebenswochen. In Deutschland liegt die durchschnittliche Stilldauer bei etwa sieben Monaten. In Norwegen stillen 98 Prozent der Frauen ihre Babys in den ersten drei Monaten. 48 Prozent der Frauen stillen ihre Kinder mehr als neun Monate lang.

Wie oft sollte man sein Baby stillen?

Ideal ist es, wenn das Baby am Anfang mindestens acht bis zwölf Mal in 24 Stunden an der Brust trinkt. Am Anfang fasst der Babymagen nur wenige Milliliter, so dass das Baby häufig trinken muss, um seinen Bedarf zu decken.


Nach einem Monat hat der Magen eines Säuglings ein Fassungsvermögen von etwa 80 bis 150 Milliliter. Hinzu kommt, dass gerade am Anfang unterschiedlich viel Milch in den Brüsten gespeichert werden kann. Wenn weniger Milch vorhanden ist, muss das Baby dementsprechend häufiger trinken. Die Abstände werden sich nach und nach einpendeln, da sich der Körper der Frau auf die Bedürfnisse des Babys einstellt. Den Stillrhythmus gibt das Kind vor. Viele Mütter lernen nach und nach abzuschätzen, wie häufig ihr Baby Hunger hat. Zu einem bestimmten Rhythmus können und sollten Sie Ihr Baby nicht zwingen.

Stillen: Vorteile für Mutter und Kind

Muttermilch ist speziell auf die Bedürfnisse von Babys abgestimmt und deshalb ideal für sie. Die Zusammensetzung der Milch ändert sich während der Entwicklungsphasen des Kindes. Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe wie Vitamine, Proteine, Kohlenhydrate, Mineralstoffe, Lipide, essenzielle Fettsäuren und Eisen. Außerdem verfügt sie über Antikörper, die das Baby vor Infektionen schützten, bevor das Kind eigene Antikörper produzieren kann.

Muttermilch reduziert das Auftreten von Allergien

Kinder, die gestillt werden, erkranken mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit an Allergien und Ekzemen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn in der Familie häufig Allergien auftreten. Laut einer im Jahr 2008 veröffentlichten Studie reduziert Stillen auch die Entwicklung späterer asthmatischer Erkrankungen.

Weitere Vorteile

Stillen hat viele weitere Vorteile für Mutter und Kind. Muttermilch ist immer sofort, in guter Qualität und optimaler Temperatur vorhanden. Sie verringert die Anzahl von Durchfallerkrankungen beim Kind und hat eine präventive Wirkung gegen spätere Fettleibigkeit.

Stillen ist außerdem ein einzigartiger Moment der Intimität zwischen Mutter und Baby, scheint die Gefahr für den plötzlichen Kindstod zu senken und ist kostengünstig.

Mütter verlieren durch das Stillen an Gewicht, da durch die Ansammlung von Fetten in der Brust der Energiebedarf steigt. Dadurch können Sie die Pfunde verlieren, die Sie während der Schwangerschaft zugenommen haben.

Stillen reduziert das Risiko für Mütter, später an Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Eierstockkrebs zu erkranken und regt die Ausschüttung des Hormons Oxytocin an, das beruhigend und entspannend wirkt.

Die Entwicklung der Muttermilch

Kolostrum

Die Milch, die die Mutter zwischen dem ersten und dem fünften Tag nach der Geburt des Babys produziert, wird Kolostrum genannt. Kolostrum wird in kleinen, aber ausreichenden Mengen produziert. Kolostrum ist sehr nahrhaft, deckt den Nährstoffbedarf des Kindes und enthält schützende Antikörper.

Der Milcheinschuss

Der Milcheinschuss kommt etwa am dritten bis vierten Tag. Die Milchproduktion kann mit einem Hitze- und Spannungsgefühl in der mütterlichen Brust einhergehen. Dieses Gefühl hält meist nur 24 Stunden an. Viele Frauen fühlen sich durch den Milcheinschuss schlapp und müde. Wenn die Schmerzen in der Brust stark sind, können Quarkwickel kühlende Linderung bringen. Wichtig ist jetzt das regelmäßige Entleeren der Brüste durch das Baby. Stillende Frauen spüren nach dem Stillen oft eine große Erleichterung.

Vormilch und Muttermilch

Die Milch, die zwischen dem dritten und 15. Tag produziert wird, ist besonders reich an Fett und Kohlenhydraten und flüssiger als das Kolostrum. Diese Milch nennt man Vormilch.

Nach dem Ende der zweiten Woche wird normale Muttermilch produziert. Muttermilch enthält alle Nährstoffe für das Kind. Während des Stillens verändert sich die Zusammensetzung der Milch. Anfangs ist sie etwas flüssiger, mit der Zeit wird sie dickflüssiger. Die dickflüssigere Milch enthält mehr Fett, das das Baby sättigt.

Die richtige Position zum Stillen

Die richtige Position zum Stillen zu finden, ist am Anfang gar nicht so einfach. Lassen Sie sich am besten zunächst von Ihrer Hebamme helfen. Viele Frauen nutzen auch Stillkissen, um sich und das Baby bequem abzustützen. Einige Mütter sitzen lieber, andere stillen lieber im Liegen. Am wichtigsten ist, dass die Position für Sie und das Baby bequem ist. Das Baby muss in der Lage sein, den Mund leicht zu öffnen, um ohne jede Anstrengung zu saugen.

Stillen: Das Anlegen

Gesicht, Hals und Bauch des Kindes zeigen zur Mutter. Der Mund ist in Höhe der Brustwarze. Die Nase sollte frei liegen, damit das Kind beim Saugen frei atmen kann. Die Mutter sollte die Mamille an den Mund schieben, um das Kind problemlos saugen zu lassen. Das Baby sollte den Warzenhof in den Mund nehmen und nicht nur die Brustwarze.

Wann Sie nicht stillen sollten

Nikotin, Alkohol und bestimmte Medikamente werden in die Muttermilch abgegeben und können so vom Baby aufgenommen werden.


Bei einer HIV-Infektion der Mutter sollte das Baby nicht gestillt werden, um eine Virusübertragung zu verhindern. Bei einer Hepatitisinfektion der Mutter sollten Sie ärztlichen Rat einholen, ob das Kind gestillt werden darf.

Probleme beim Stillen

Zu wenig Milch

Es kommt häufig vor, dass die Milchproduktion der Mutter zu gering ist. In der Regel passt sich die Milchproduktion innerhalb weniger Tage an die Bedürfnisse des Babys an.


Wichtig ist, ausreichend zu trinken. Um die Milchproduktion anzuregen, sollten Sie anfangs etwa drei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Am besten sind Stilltees, Saftschorlen oder Wasser geeignet. Durch häufiges Stillen wird die Milchproduktion stimuliert.

Setzen Sie sich nicht zu sehr unter Druck und erholen Sie sich nach Möglichkeit von den Strapazen der Geburt. Stress kann die Milchproduktion drosseln.

Schmerzen beim Stillen

Wenn Sie beim Stillen Schmerzen haben, sollten Sie Ihre Hebamme um Rat fragen. Häufig ist eine falsche Position Ihres Babys schuld an den Beschwerden. Wenn das Baby beim Saugen nur die Brustwarze in den Mund nimmt, anstatt des ganzen Warzenhofs, können schmerzhafte Risse in der Brustwarze entstehen.


Falls die Brust sehr schmerzt oder Fieber auftritt, sollten Sie sofort Ihren Arzt aufsuchen. In diesem Fall kann es sich um eine Brustdrüsenentzündung handeln, die unbedingt behandelt werden sollte.

Ernährung in der Stillzeit

Entgegen früheren Empfehlungen ist eine spezielle Diät der Mutter während der Stillzeit nicht notwendig. Doch natürlich sollten sich stillende Frauen gesund, abwechslungsreich und ausgewogen ernähren, damit ihr Kind ausreichend mit Vitaminen und Nährstoffen versorgt wird.


Stillende Mütter können bis zu 600 Kilokalorien am Tag mehr verbrauchen und nehmen deshalb in der Stillzeit ab. Essen Sie nach Ihrem Hungergefühl. Das Körpergewicht sollte in der Stillzeit nur langsam und nicht um wesentlich mehr als zwei Kilo pro Monat verringert werden. So verhindern Sie, dass Schadstoffe aus dem Fettgewebe in die Muttermilch gelangen.

Um Ihr Baby ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, sollten regelmäßig eiweiß-, vitamin- und mineralstoffhaltige Produkte aus Milch, Vollkorn, frischem Obst und Gemüse auf dem Speiseplan stehen. Omega-3- und Omega-6 Fettsäuren sind vor allem in fettem Seefisch wie Makrele, Lachs oder Hering enthalten. Da die Omega-Fettsäuren über die Muttermilch an das Baby weitergegeben werden, sollten stillende Mütter zweimal wöchentlich Seefisch essen.

Fleich liefert Eisen, Zink und B-Vitamine. Deshalb sollten fettarme Fleischsorten dreimal wöchentlich gegessen werden.

Während der Stillzeit auf blähende Nahrungsmittel zu verzichten, ist laut aktuellen Empfehlungen nicht mehr notwendig. Wenn es doch einmal vorkommt, dass das Baby auf ein Nahrungsmittel mit Bauchschmerzen reagiert, sollten Sie dieses Lebensmittel in Zukunft weglassen. Häufig sind Hülsenfrüchte, Knoblauch, Zwiebeln und Kohlgemüse für Babys schwer verträglich. Welche Lebensmittel Babys Beschwerden bereiten können, ist aber individuell verschieden.

Kaffee und schwarzen Tee können Sie in der Stillzeit in Maßen genießen. Bis zu zwei Tassen, die am besten vormittags und direkt nach der Stillmahlzeit getrunken werden sollten, sind pro Tag in Ordnung.

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsstoffen, wie Vitamine, Fettsäuren, Fluorid oder Jod, sollte nur in Abstimmung mit dem Arzt erfolgen.

In der Stillzeit sollten Sie weder rauchen noch Alkohol trinken, da Alkohol und Nikotin über die Muttermich an das Baby weitergegeben werden. Nehmen Sie keine Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ein.

Stillen: Wie lange?

Das Abstillen ist eine große Veränderung für das Baby und seine Mutter. Der richtige Zeitpunkt des Abstillens ist individuell verschieden und muss von jeder Mutter und ihrem Kind selbst bestimmt werden. Das Abstillen kann bereits im Wochenbett erfolgen. Es gibt auch Berichte von Kindern, die bis zum dritten Lebensjahr gestillt wurden. In der Regel stillen Mütter ab, wenn Ihr Baby die Umstellung auf Beikost erfolgreich gemeistert hat. Damit Mutter und Kind sich anpassen können, sollte das Abstillen schrittweise erfolgen.

Sie sollten das Abstillen planen und zum Beispiel auf den letzen Monat ihres Erziehungsurlaubs legen. Lassen Sie sich mit dem Abstillen Zeit und gewöhnen Sie das Baby langsam an das Fläschchen und lassen Sie eine Stillmahlzeit nach der anderen weg. Wenn das Abstillen zum Beispiel über einen Zeitraum von fünf Wochen stattfinden soll, können Sie innerhalb von sieben Tagen immer eine weitere Stillmahlzeit durch Flaschennahrung ersetzen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme, welche Flaschennahrung empfehlenswert ist. Die Folgemilch sollte genau auf die Bedürfnisse bzw. das Alter Ihres Babys abgestimmt sein.

Arbeiten und trotzdem Stillen

Wenn Sie das Baby abstillen wollen, bevor Sie zur Arbeit gehen, sollte dies langsam erfolgen. Lassen Sie sich und dem Baby mindestens zwei Wochen Zeit für das Abstillen.


Es ist auch möglich, das Baby weiter zu stillen. Sie können das Baby zum Beispiel morgens vor und abends nach der Arbeit stillen. Sie können auch Milch abpumpen und bei vier Grad im Kühlschrank lagern, so dass eine andere Person das Baby in Ihrer Abwesenheit füttern kann.

Achtung: Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, stillenden Müttern täglich eine Stunde Zeit zum Stillen einzuräumen. Das Stillen ist auch am Arbeitsplatz in einem separaten Raum möglich.

Foto: © Lifebrary - Shutterstock.com

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Letztes Update am 26. November 2016 04:48 von SilkeCCM.
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