Mein Kind hat ständig Wutanfälle: Was tun?

Juli 2017
Sie verbieten Ihrem Kind mit der Spielkonsole zu spielen, Freunde zu besuchen oder einen Film anzusehen – und schon ist ein Wutanfall vorprogrammiert. Wir geben Ihnen hier Ratschläge, wie Sie auf Zornausbrüche von Kindern angemessen reagieren.


Woher kommen Wutanfälle?

Zornanfälle sind bei Kindern nicht bösartig gemeint. Sie kommen sowohl im Kleinkindalter (bei manchen Kindern bereits ab dem Alter von 18 Monaten) als auch bei größeren Kindern in der Trotzphase (im Alter von zwei bis vier, manchmal auch bis fünf Jahren) vor und drücken in erster Linie Frustration aus. Das Kind zeigt durch einen Wutanfall deutlich, dass es eigene Wünsche hat und testet gleichzeitig die elterlichen Grenzen aus. Aufgabe der Eltern ist es, Wutanfällen gelassen und konsequent zu begegnen. Spätestens bei Schulkindern (mit sechs bis sieben Jahren) sollten Wutanfälle nicht mehr häufig vorkommen.

Tipps, um mit Wutanfällen richtig umzugehen

Um mit Ihrem Kind richtig umzugehen, sollten Sie zunächst versuchen es zu verstehen. Warum hat das Kind einen Wutanfall bekommen? Was genau war der Auslöser? Faktoren wie Müdigkeit, Reizüberflutung oder Bewegungsmangel können Wutanfälle bei Kindern begünstigen. Gestalten Sie deshalb die Tage so gut wie möglich kindgerecht.

Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es Verhaltensweisen gibt, die Sie nicht durchgehen lassen. Dazu zählen zum Beispiel Schlagen, Beißen, Treten oder Spucken. Machen sie Ihrem Kind deutlich, dass es Grenzen gibt. Sie sollten aber gleichzeitig aufzeigen, dass dem Kind andere Optionen zur Verfügung stehen (zum Beispiel eine halbe Stunde das Kinderprogramm im Fernsehen anzusehen, aber keinen Film am Abend). Ein einfaches Nein reicht nicht aus. Wenn Sie Ihrem Kind etwas verbieten, sollten Sie die Entscheidung verständlich begründen, Ihrem Kind kommt sie sonst willkürlich vor.

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran. Wenn Sie wegen jeder Kleinigkeit explodieren und dem Kind aggressiv gegenübertreten, werden Sie Schwierigkeiten haben, mit den Zornattacken des Kindes umzugehen. Wenn Ihr Kind einen Wutanfall hat, sollten Sie gelassen reagieren. Eine ruhige, feste Stimme zeigt mehr Entschlossenheit als eine wütende Reaktion. Drakonische Strafen und Verbote führen bei Kindern zu noch mehr Frustration und Wut.

Wenn Ihr Kind zunächst Dampf ablassen muss, bevor sie mit ihm sprechen können, müssen sie dies akzeptieren. Lassen Sie Ihr Kind an einem geeigneten Ort sich abreagieren. Wenn es Ihnen zu viel wird, können Sie es dazu zum Beispiel in sein Kinderzimmer bringen. Dies sollte jedoch keine Strafmaßnahme sein, sondern lediglich eine kurze räumliche Distanz schaffen, damit Eltern und Kind danach wieder aufeinander zugehen können.

Versuchen Sie, die Balance zu finden. Versetzen Sie sich in Ihr Kind hinein und fragen Sie sich, ob etwas wirklich gerade besonders wichtig für Ihr Kind ist. Wenn es zum Beispiel nur noch fünf Minuten länger in der Sonne spielen möchte, kann es auch durchaus einmal in Ordnung sein, das zuzulassen. Fragen Sie sich immer: Wie hätte man den Wutanfall vermeiden können? Gäbe es einen für alle Seiten richtigen Kompromiss? Trotzdem sollten Sie konsequent sein und nicht allen Wünschen Ihres Kindes (zum Beispiel ein großes Eis vor dem Abendessen) nachgeben. Wenn Sie andauernd inkonsequent reagieren, wird Ihr Kind sehr schnell merken, dass es unter allen Umständen seinen Kopf durchsetzen kann. Zeigen Sie Verständnis für die Wut Ihres Kindes, aber auch weshalb Sie anderer Meinung sind. Loben Sie Ihr Kind, wenn es sich an Regeln oder einen Kompromiss hält.

Medizin und professionelle Hilfe

Jedes Kind hat Wutanfälle – das ist ein normaler Entwicklungsschritt, damit Kinder sich abgrenzen, Ihre Wünsche kennenlernen und sich in ihr soziales Gefüge einpassen können. Wutanfälle können für Eltern und Kinder extrem anstrengend sein. Doch sollten Sie bedenken: Wenn Sie Ihrem Kind deswegen Medizin verabreichen – auch wenn es Homöopathie ist – könnte Ihr Kind das dahingehend missdeuten, dass seine Reaktion etwas Krankhaftes und Unnormales ist. Sprechen Sie deshalb vorher mit Ihrem Kinderarzt darüber, ob eine medizinische Therapie oder eine psychotherapeutische Intervention sinnvoll ist.

Wenn Ihr Kind im fortgeschrittenen Alter – also mit sieben bis acht Jahren – noch immer regelmäßig Wutanfälle bekommt, sollten Sie überlegen, ob eine externe Beratung für Sie in Frage kommt, um die Problematik zwischen Ihnen und Ihrem Kind zu lösen. Wenden Sie sich zuerst an Ihren Kinderarzt, er kann Sie an entsprechende Beratungsstellen oder Psychologen verweisen.

Foto: © Antonio Balaguer Soler – 123RF.com

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Letztes Update am 30. März 2017 10:41 von SilkeCCM.
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