Wo werden Erinnerungen im Gehirn gespeichert?

Januar 2017
Im Gehirn gibt es nicht die eine spezifische Region, in der sich unser "Gedächtnisspeicher" befindet. Viele verschiedene Zentren sind im Gehirn an der Kodierung und Speicherung von Informationen beteiligt.


Informationsspeicherung im Gehirn

Ohne das Gedächtnis wäre unser Leben unmöglich. All unsere Erfahrungen, Eindrücke, Interaktionen und Tätigkeiten hinterlassen Spuren der Erinnerung im Nervensystem. Dies ermöglicht es uns, den Alltag zu bewältigen und unser Verhalten besser an zukünftige Erfordernisse anpassen.

Dabei werden die Erinnerungen nicht an einem bestimmten Ort im Gehirn gespeichert. Ebenso wenig verfügt das Gehirn über spezialisierte "Gedächtnis-Nervenzellen". Stattdessen sind die Gedächtnisnetzwerke weit über das gesamte Gehirn verteilt. Es gibt auch Hinweise, dass die einzelnen Gedächtnisinhalte dort abgespeichert werden, wo sie zum ersten Mal eintrafen: Der visuelle Teil von Erinnerungen also im visuellen Kortex, Klänge und Stimmen im auditiven Kortex, Berührungen in den somatosensorischen Arealen.

Gehirn, Erinnerungen und Gedächtnis

Das prozeduale Gedächtnis

Es gibt unterschiedliche Arten von Erinnerungen. Zum einen können wir Fähigkeiten erinnern und unbewusst wiederholen - wir können dadurch Fahrrad fahren, häkeln oder Auto fahren. Diese Gedächtnisleistungen werden im sogenannten prozedualen Gedächtnis ausgeführt. Hier sind Gewohnheiten und Fähigkeiten gespeichert.

Das deklarative Gedächtnis

Unter dem Begriff deklaratives Gedächtnis werden Erinnerungen zusammengefasst, die wir bewusst erlernt haben und an die wir uns erinnern. Psychologen fassen unter dem Oberbegriff deklaratives Gedächtnis das episodische und das semantische Gedächtnis zusammen. Dass Rom die Hauptstadt von Italien ist, wird im sogenannten semantischen Gedächtnis abgelegt. Die Erinnerung an persönliche Erlebnisse, zum Beispiel an die eigene Hochzeit, wird im episodisches Gedächtnis gespeichert.

Wie speichert das Gehirn Erinnerungen?

Was genau passiert, wenn unser Gehirn Informationen speichert, wird immer noch intensiv erforscht. Ein wichtiger Mechanismus, um Informationen dauerhaft im Gehirn abzulegen, ist die Fähigkeit des Gehirns, in kurzer Zeit die Zahl und Stärke der Verbindungen des riesigen Netzwerks an Nervenzellen zu verändern.


Täglich stürzen Millionen Reize auf uns ein, die von den Sinnesorganen an das Gehirn weitergegeben werden. Damit wir wichtige Eindrücke herausfiltern, duchwandert ein potenzieller Gedächtnisinhalt mehrere Stufen der Pufferung, bevor er gespeichert wid. Er durchläuft dabei das Ultrakurzzeitgedächtnis und das Kurzzeitgedächtnis. Erst wenn die Information als relevant bewertet wurde, wird sie zur Weiterverarbeitung an den Hippocampus geleitet. Hier beginnt dann ein Prozess zur dauerhaften Einlagerung von Informationen ins Langzeitgedächtnis.

Auch wie wir Erinnerungen im Gehirn abrufen, ist bislang nicht vollständig klar. Bekannt ist, dass ähnliche Situationen oder Emotionen das Abrufen von Gedächtnisinhalten erleichtern - der Geruch nach Plätzchen etwa weckt Erinnerungen an Kindheitsmomente. Wie genau aber das bewusste Abrufen von Erinnerungen geschieht, ist noch nicht abschließend geklärt.

Funktionen verschiedener Hirnareale

Der präfrontale Kortex

Das Arbeitsgedächtnis ist vor allem im präfrontalen Kortex lokalisiert. Das Lösen von kognitiven Aufgaben findet vor allem dort statt und erfordert viel Aufmerksamkeit und Konzentration. Allerdings werden auch andere Hirnareale mobilisiert, damit das Arbeitsgedächntis funktioniert. Dazu zählen zum Beispiel der prämotorische Kortex, der parietale Kortex oder die Okzipitalrinde.

Der Hippocampus

Der Hippocampus ist eine kleine Region im ältesten Teil unseres Gehirns. Er liegt im sogenannten limbischen System. Studien zeigen, dass der Hippocampus eine entscheidende Rolle bei der Gedächtniskonsolidierung spielt.

Der Neokortex

Man kann sich die Informationen im Gehirn als kognitive Landkarten vorstellen, die durch die Straßen des neuronalen Netzwerkes gebildet werden. Diese Karten sind in mehrere Bereiche aufgeteilt: Tatsachen und Ereignisse durchlaufen die Schläfenlappen und das Zwischenhirn, Gewohnheiten reisen durch die Basalganglien, motorische Reflexe sind innerhalb des Kleinhirns untergebracht. Die meisten dieser Wege verlaufen über den Neokortex, der die Rolle eines Verkehrspolizisten spielt und Informationen bewertet und ordnet.

Gedächtnis trainieren bei Kreuzworträtsel oder Schach

Beonders wichtig für die Funktion des Gehirns ist regelmäßiges Training. Eine Methode, um das Gedächtnis auf Trab zu halten, ist zum Beispiel das altbewährte Kreuzworträtsel.

Forscher untersuchten die Gehirne von Schachspielern und fanden dabei heraus, dass während des Spiels mehrere Hirnareale aktiviert werden. So findet zum Beispiel die Planung des nächsten Schachzugs im präfrontalen Kortex statt, bei der Umsetzung werden wiederum andere Hirnareale aktiviert. Je mehr ein Schachspieler spielt, umso mehr neuronale Netzwerke werden in seinem Gehirn ausgebildet.

Foto: © Evgeniia Abisheva - Shutterstock.com

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Letztes Update am 3. Dezember 2016 09:08 von SilkeCCM.
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