Das Langzeitgedächtnis

Juli 2017
Im sogenannten Langzeitgedächtnis werden Gedächtnisinhalte dauerhaft abgelegt. Das Langzeitgedächtnis gliedert sich in das explizite und das implizite System.


Langzeitgedächtnis - Definition

Das sensorische Gedächtnis (Ultrakurzzeitgedächtnis) und das Kurzzeitgedächtnis speichern Informationen einige Sekunden lang ab. Wenn Informationen länger gespeichert werden sollen, werden sie im Langzeitgedächtnis hinterlegt. Die Funktion des Langzeitgedächtnisses liegt also darin, all unsere Erinnerungen, die vom Gehirn als wichtig bewertet werden, wie in einem Speicher zu hinterlegen.

Ob und wie schnell wir uns an diese hinterlegten Inhalte erinnern, wird davon beeinflusst, wie häufig die Inhalte abgerufen werden. Eine Störung im Langzeitgedächtnis, wie sie etwa im Rahmen einer Demenz oder einer anderen neurologischen Erkrankung auftreten kann, führt zu Einschränkungen des Erinnerungsvermögens.

Es gibt im Langzeitgedächtnis zwei Systeme, die mit verschiedenen Fachbegriffen bezeichnet werden: das deklarative (oder explizite) und das prozedurale (oder implizite) System.

Das deklarative Gedächtnis: explizit und bewusst

Im deklarativen Gedächtnis werden Ereignisse gespeichert, die bewusst wiedergegeben werden können. Das deklarative Gedächtnis wird wiederum in das episodische und das semantische Gedächtnis unterteilt. Im semantischen Gedächtnis werden allgemeine Fakten gespeichert (zum Beispiel "Deutschland liegt in Europa"). Das episodische Gedächtnis enthält Informationen zu Handlungsabläufen und erlebten Ereignissen aus dem Leben des Einzelnen (beispielsweise Erinnerungen an die Hochzeit).

Das episodische Gedächtnis

Das episodische Gedächtnis enthält die Summe der Ereignisse, die wir erlebt haben. Der Rückruf von Erinnerungen aus dem episodischen Gedächtnis geschieht freiwillig (zum Beispiel bei der Suche nach dem genauen Namen eines Hotels, in dem man seinen letzten Urlaub verbracht hat) oder unfreiwillig (wir erinnern uns an einen früheren Englischlehrer, weil wir in der U-Bahn einen Mann sehen, der ihm ähnlich sieht).


Im episodischen Gedächtnis werden Erinnerungen etwa ab dem Alter von drei bis vier Jahren gespeichert. Es ist selten, dass sich Menschen an Dinge erinnern, die sie vor dem zweiten Lebensjahr erlebt haben. Zwei Drittel unserer Erinnerungen "spielen" in der ersten Person. Wir erinnern uns also aus unserer Perspektive an Ereignisse (wie eine Filmkamera in einem Film). In einem Drittel der Erinnerungen betrachten wir uns in der dritten Person, also von außen (wie Schauspieler in einem Film).

Das semantische Gedächtnis

Das semantische Gedächtnis bezieht sich auf die Gesamtheit der Kenntnisse oder erworbenen Fertigkeiten. Das Wissen im semantischen Gedächtnis ist sehr breit: So lernen wir im Laufe unseres Lebens die Bedeutung von Wörtern, die Verkehrsregeln, wie man eine Subtraktion löst oder ein Ei kocht. Das semantische Gedächtnis ist für den geregelten Ablauf des Lebens unabdingbar. Jede Nation hat ein kollektives semantisches Gedächtnis, das die Regeln und Normen der jeweiligen Gesellschaft enthält.

Das prozedurale Gedächtnis: implizit und unbewusst

Ein weiterer Teil des Langzeitgedächtnisses ist das sogenannte prozedurale Gedächtnis. Das prozedurale Gedächtnis speichert erworbene Informationen, an die wir uns unbewusst erinnern. So lernen wir zum Beispiel Schwimmen oder Fahrradfahren und können auf das Erlernte jederzeit im prozeduralen Gedächtnis zurückgreifen. Je mehr wir trainieren, desto leichter fällt es uns, das Erlernte umzusetzen.

Das Langzeitgedächtnis und Lernen

Ob gelernte Inhalte ins Langzeitgedächtnis überführt werden, hängt davon ab, wie stark Sie die Aufnahme der Lerninhalte ins Langzeitgedächtnis trainieren. Wiederholung ist eine der effektivsten Mittel, um das Langzeitgedächtnis zu aktivieren. Ein einfacher Trick ist dabei Regelmäßigkeit. Wenn Sie den Lernstoff beispielsweise nach einer Minute, einer Stunde, einem Tag, einer Woche und erneut in einem Monat wiederholen, werden Sie diesen wahrscheinlich nicht mehr vergessen. Außerdem wird Gelerntes, das mit Emotionen (wie Spaß) oder anderen Eindrücken (wie akustischen, zum Beispiel bei gesungenen Inhalten, oder optischen Reizen) verknüpft wird, besser erinnert.

Das Langzeitgedächtnis testen

Wenn der Verdacht besteht, dass eine vermehrte Vergesslichkeit besteht, kann der Arzt dies mit verschiedenen standardisierten Testverfahren validieren. Zur Verfügung stehen verschiedene Gedächtnistests, um eine Beeinträchtigung der verschiedenen Formen des Gedächtnisses zu diagnostizieren. Tests für das Kurzzeitgedächtnis bestehen etwa im Nachsprechen von Wörtern oder Zahlenabfolgen. Tests für das Langzeitgedächtnis beinhalten meist eine Wortliste, die benannt werden soll und deren Begriffe später wieder abgefragt werden. Außerdem werden wiederholt Wortpaare oder Kurzgeschichten, Beschreibungen von Fotos oder Zeichnungen abgefragt.

Foto: © pathdoc - Shutterstock.com

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Letztes Update am 6. Januar 2017 07:26 von SilkeCCM.
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