Das Kurzzeitgedächtnis

April 2017
Durch das Kurzzeitgedächtnis können wir uns an Ereignisse erinnern, die unmittelbar zuvor passiert sind. Werden Informationen als wichtig bewertet, werden diese auch im Langzeitgedächtnis gespeichert.


Ultrakurzzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis

Je nach Dauer der Speicherung einer Information wird zwischen Ultrakurzzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis unterschieden.

Das sensorische Gedächtnis (Ultrakurzzeitgedächtnis)

Informationen erreichen das Gedächtnis über unsere Sinnesorgane. Diese Informationen werden zunächst im sensorischen Gedächtnis für sehr kurze Zeit gespeichert.

Informationen aus visuellen Eindrücken - das sind die meisten - werden im sogenannten ikonischen Gedächtnis für etwa 500 Millisekunden (eine halbe Sekunde) abgelegt. Informationen, die gehört werden, werden im auditiven oder echoischen Gedächtnis gespeichert. Diese Informationen bleiben sogar bis zu zehn Sekunden lang dort.

Das sensorische Gedächtnis überträgt Informationen, die für eine kurze Zeit abrufbar bleiben sollen, ins Kurzzeitgedächtnis.

Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis verfügt über eine begrenzte Speicherkapazität. Hier werden Informationen daher nur für kurze Zeit gespeichert - und zwar durchschnittlich 18 Sekunden lang. Über 90 Prozent der Informationen, die wir aufnehmen, vergessen wir wieder.


Wenn eine gespeicherte Information als wichtig bewertet wird, wird sie ins Langzeitgedächtnis überführt. Als unwichtig bewertete Informationen werden sozusagen "überschrieben". So wird das Langzeitgedächtnis vor einer "Datenflut" geschützt. Nur Wichtiges wird also auch langfristig erinnert.

Wo liegt das Kurzzeitgedächtnis?

Anatomisch betrachtet liegt das Kurzzeitgedächtnis hinter der Stirn als Teil des Frontallappens der Großhirnrinde.

Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis

Das Kurzzeitgedächtnis wird auch als Arbeitsgedächtnis bezeichnet, weil es eine zentrale Rolle bei der Wahrnehmung unserer täglichen Aufgaben spielt. Das Kurzzeitgedächtnis ist der Schlüssel zu Aufmerksamkeit und Konzentration. Nur so können wir uns kurzfristig an Telefonnummern erinnern, ein Gespräch zusammenfassen, rechnen oder einen Brief formulieren. Wenn das Kurzzeitgedächtnis nachlässt, merken das Betroffene deshalb am ehesten im Alltag. Dinge werden verlegt, Gesprächsinhalte vergessen oder Nummern können nicht mehr erinnert werden.

Was tun, wenn das Kurzzeitgedächtnis nachlässt?

Jeder ist einmal vergesslich oder übermüdet und jeder verlegt auch hin und wieder Dinge - das ist menschlich und normal. Wenn Sie aber den Eindruck haben, dass Ihr Kurzzeitgedächtnis deutlich nachlässt und Sie sich dadurch in Ihrem Alltag beeinträchtigt fühlen, sollten Sie Ihren Hausarzt um Rat fragen. Er kann einen speziellen Test vornehmen, um festzustellen, ob eine krankhafte Störung hinter den Gedächtnisproblemen steckt.


Gedächtnisprobleme bedeuten nicht automatisch, dass eine Demenz vorliegt. Viele verschiedene Ursachen, wie Schlafmangel, erhöhter Stress, Zeitdruck, psychische Belastungen und Ablenkung, können die Gedächtnisleistung beeinträchtigen.

Test für das Kurzzeitgedächtnis

Im Internet gibt es viele verschiedene Testangebote, die das Kurzzeitgedächtnis bewerten sollen. Meist handelt es sich dabei um Tests, bei denen Bilder oder Begriffe erinnert werden sollen. Solche Tests können als Anhaltspunkte für die Funktion des Kurzzeitgedächtnisses dienen, ersetzen jedoch keinesfalls eine ausführliche ärztliche oder psychologische Testung.

Das Kurzzeitgedächtnis trainieren

Mit zunehmendem Alter lässt das Gedächtnis nach. Allerdings können Sie das Kurzzeitgedächtnis trainieren, indem Sie es nutzen, denn dann bildet das Gehirn neue neuronale Netzwerke aus. Dies ist allein dadurch möglich, dass Sie beispielsweise versuchen, sich Telefonnummern zu merken. Gerade in der heutigen Zeit ersetzen immer mehr Technologien und Erinnerungsfunktionen das Gedächtnis, was Einfluss auf dessen Fähigkeiten hat. Deshalb ist es wichtig, das Kurzzeitgedächtnis in Alltagssituationen zu trainieren. Zudem gibt es viele verschiedene Gedächtnistrainigsprogramme, die die Merkfähigkeit gezielt durch spezielle Übungen trainieren.

Verlust des Kurzzeitgedächtnisses

Ein kompletter Verlust des Kurzzeitgedächtnisses ist für Betroffene und Angehörige sehr belastend. Die Betroffenen können neue Erinnerungen nicht mehr aufnehmen und bewerten, was die Orientierung und Kommunikation im Alltag deutlich erschwert. Ein Verlust des Kurzzeitgedächtnisses kann durch Demenz, Erkrankungen des Gehirns wie einen Schlaganfall oder eine Infektion hervorgerufen werden.

Foto: © Keith Bell - Shutterstock.com

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Letztes Update am 3. März 2017 10:26 von SilkeCCM.
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