Das Baby lernt sehen

März 2017
Babys können nach der Geburt noch keine Farben wahrnehmen: Das Gesichtsfeld ist klein und die Sehschärfe ist sehr gering. Dafür können Babys Lichtintensitäten sehr früh unterscheiden.


Die Entwicklung der Sehkraft

Nach der Geburt entwickelt und verbessert sich die Sehstärke rasch. In den ersten Lebensmonaten sieht das Baby monochrom, also in schwarz und weiß. Nach vier Wochen ist ein Baby oftmals sehr gut in der Lage, einem interessanten Gegenstand, wie etwa einem Plüschtier, mit den Augen zu folgen.

Erst im Alter von zwei Monaten beginnen Kinder, die Umwelt in Farbe wahrzunehmen. Besonders strahlende Primärfarben werden gut wahrgenommen. Deshalb sind bunte, einfach gemusterte Gegenstände in diesem Alter für Babys besonders interessant. Nach und nach bessert sich die Sehstärke und auch das Gesichtsfeld weitet sich. Ab dem vierten Lebensmonat können Babys vertraute Gegenstände aus einem Meter Entfernung wahrnehmen.

In diesem Zeitraum entwickelt sich auch allmählich das Binokularsehen. Die Augen des Kindes richten sich beide auf ein gemeinsames Ziel. Wenn die Informationen von beiden Augen aufgenommen und im Gehirn zu einem dreidimensionalen Bild verarbeitet werden, kann das Baby die Umwelt richtig wahrnehmen und Entfernungen einschätzen. Diese Fähigkeit ist wichtig, um gezielt nach Dingen zu greifen.

Ab wann sehen Babys richtig?

Etwa nach dem achten Lebensmonat ist die Sehkraft bei Babys so weit entwickelt, dass es seine Umwelt ähnlich wie ein Erwachsener wahrnehmen kann. Allerdings verändert sich das Auge durch Wachstumsprozesse auch noch während der folgenden Jahre.

Schielen

Es ist normal, wenn Babys ab und zu schielen, denn die Augenmuskeln sind wie auch die anderen Muskeln noch schwach und müssen trainiert werden. Deshalb kann es sein, dass besonders kleine Babys zunächst schielen. Sobald die Augen kurz geschlossen werden, gibt sich das in der Regel wieder. Wenn Ihr Kind hingegen dauerhaft schielt, sollten Sie den Kinderarzt um Rat fragen.

Sehstörungen bei Kindern

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind schlecht sehen kann oder Dinge nicht richtig wahrnimmt, sollten Sie Ihren Kinderarzt um Rat fragen. Auch bei kleinen Kindern kann das Sehvermögen schon über spezielle Testverfahren untersucht werden. Sehstörungen sollten wenn möglich bereits im Kleinkindalter korrigiert werden.

Myopie - Kurzsichtigkeit

Kurzsichtigkeit kann sich bereits in der Kindheit entwickeln. Dabei sehen die Kinder in der Nähe sehr gut. Dinge in der Ferne können sie schlecht erkennen. Bei der Myopie ist der Abstand zwischen Hornhaut und Netzhaut zu groß. So entsteht ein Missverhältnis zwischen der Länge des Augapfels und der Brechkraft des Auges. Dadurch wird das Bild vor die Netzhaut projiziert. Kurzsichtigkeit kann durch eine Brille, Kontaktlinsen und eventuell auch operativ korrigiert werden.

Hyperopie - Weitsichtigkeit

Weitsichtigkeit ist das Gegenteil der Kurzsichtigkeit. Der Abstand zwischen Hornhaut und Netzhaut ist zu kurz und das Bild wird hinter die Netzhaut projiziert. In den meisten Fällen bleibt die Weitsichtigkeit unbemerkt. Häufig kommt es zur Überbelastung des Auges. Kinder können über Kopfschmerzen und Müdigkeit klagen. Eine Hyperopie kann durch eine Brille korrigiert werden.

Astigmatismus - Hornhautverkrümmung

Wenn ein Kind unter einer Hornhautverkrümmung leidet, kann es nur unscharf sehen. Das Bild erscheint bei einer Hornhautverkrümmung nicht verschwommen, sondern verzerrt. Ein starker Astigmatismus kann das Lesen beeinflussen, da einige Buchstaben, wie zum Beispiel das T und das L, verwechselt werden können. Ein Kind, das unter einer Hornhautverkrümmung leidet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Kurz- oder Weitsichtigkeit entwickeln.

Amblyopie - Schwachsichtigkeit

Eine Amblyopie bezeichnet eine unzureichenden Entwicklung des Sehsystems. Ein Kind, das auf einem Auge schwachsichtig ist, verliert durch eine Degeneration der Nervenverbindungen zwischen Gehirn und Auge langsam die Fähigkeit für dreidimensionales Sehen. Damit wehrt das Gehirn zwei widersprüchliche Bilder ab, die es nicht zu einem Bild verarbeiten kann.


Das gleiche Phänomen tritt beim Schielen auf. Das Gehirn verarbeitet nur das Signal eines einzigen Auges, um nicht ständig doppelt zu sehen. Eine Amblyopie sollte frühzeitig (möglichst vor dem 18. Lebensmonat) korrigiert werden. Dies geschieht, indem das gesunde Auge entlastet und das schwachsichtige Auge korrigiert wird.

Daltonismus - Farbenblindheit

Diese Anomalie entsteht hauptsächlich durch Vererbung. Die Farb-Rezeptoren (Zapfen) in der Netzhaut des Auges ermöglichen das Farbsehen. Von diesen Farbrezeptoren gibt es drei Arten, die Farbreize aufnehmen und weiterleiten. Bei Farbenblinden funktionieren diese Zapfen nicht. Betroffene können somit keine Farben erkennen. Es gibt verschiedene Arten der Farbenblindheit. Die häufigste Farbenblindheit ist die Rot-Grün-Blindheit. Eine Farbenblindheit lässt sich nicht korrigieren. Allerdings bedeutet Farbenblindheit keine allzu große Einschränkung im Alltag.

Die Augenfarbe

Die Augenfarbe hat an sich nichts mit der Sehkraft zu tun. Eine häufige Frage von Eltern ist aber, ab wann sich die Augenfarbe des Babys entwickelt und wann die Farbentwicklung abgeschlossen ist.
Wenn das Baby bei der Geburt schon braune Augen hat, verändert sich die Augenfarbe nicht mehr. Wenn das Baby bei Geburt blaue Augen hat, kann es sein, dass sich mit der Zeit mehr und mehr Melanin in der Regenbogenhaut einlagert und die Augenfarbe dunkler wird. Die endgültige Augenfarbe stellt sich bei Babys nach sechs bis zwölf Monaten ein.

Foto: © Paul Hakimata – 123RF.com

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