Diagnose und Behandlung der Herzinsuffizienz

November 2017
Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz nicht in der Lage, ausreichend Blut in den Körperkreislauf zu pumpen. Klassische Symptome sind Stauungsödeme und Luftnot.


Allgemeines zu Herzinsuffizienz

Der Begriff Herzinsuffizienz bezeichnet eine Herzschwäche, bei der das Herz aufgrund verschiedener Ursachen nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Die Herzinsuffizienz ist eine sehr häufige Krankheit. In Deutschland werden auf 100.000 Personen jährlich 320 Neuerkrankungen verzeichnet. Besonders häufig sind ältere Menschen betroffen, Männer dabei etwas häufiger als Frauen.


Aufgrund der verbesserten Behandlungsmöglichkeiten hat sich die Lebenserwartung von Herzinsuffizienz-Patienten innerhalb der letzten Jahre deutlich verbessert. Trotzdem zählt die Herzinsuffizienz in Deutschland zu den fünf häufigsten Todesursachen.

Einteilung der Herzinsuffizienz

Es gibt verschiedene Formen von Herzinsuffizienz. Zum einen wird dabei unterschieden, welcher Herzbereich von der Herzinsuffizienz betroffen ist. So spricht man von Rechtsherz- und Linksherzinsuffizenz. Sind beide Herzbereiche beeinträchtigt, handelt es sich um eine globale Herzinsuffizienz. Außerdem wird differenziert, ob eine verminderte Auswurfleistung (systolische Herzinsuffizienz) oder eine verminderte Füllungsmöglichkeit (diastolische Herzinsuffizienz) des Herzens vorliegt. Von Interesse ist hier auch, ob die Herzschwäche akut aufgetreten ist oder ob ein chronischer Prozess vorliegt.

Die Rechtsherzinsuffizienz

Bei der Rechtsherzinsuffizienz pumpen der rechte Vorhof und die rechte Herzkammer nicht genügend Blut. Diese beiden Herzbereiche sind dafür verantwortlich, das sauerstoffarme Blut aus dem Körperkreislauf über die große Hohlvene (Vena cava) aufzunehmen und in die Lunge zu transportieren, wo das Blut wieder mit Sauerstoff aufgesättigt wird. Von dort fließt es weiter zum linken Herzen und wird schließlich in den Körperkreislauf (Aorta) gepumpt.


Bei einer Rechtsherzinsuffizienz staut sich das Blut in die zum rechten Herz führenden Venen zurück. Dadurch kommt es zu Wasseransammlungen im Körper, vor allem in den Beinen und am Bauch. Ursache einer Rechtsherzinsuffizienz kann eine chronische Linksherzinsuffizienz sein, bei der das Herz nicht mehr genügend Blut in den Körperkreislauf pumpt und sich dieses folglich bis in die Lunge und schließlich ins rechte Herz zurückstaut.

Die Linksherzinsuffizienz

Bei der Linksherzinsuffizienz sind der linke Herzvorhof und die linke Herzkammer von der Pumpschwäche betroffen. Dadurch kann nicht mehr genügend Blut in den Körperkreislauf ausgeworfen werden. Symptom ist hier vor allem Luftnot, die bei Belastung zunimmt. Hier besteht die Gefahr, dass sich vermehrt Blut in die Lunge zurückstaut und dort zu Flüssigkeitsansammlungen führt. Daraus kann sich ein gefährliches Lungenödem (Wasser in der Lunge) entwickeln.

Die globale Herzinsuffizienz

Wenn sowohl die linke als auch die rechte Herzhälfte von der Herzschwäche betroffen sind, spricht man von einer globalen Herzinsuffizienz. Diese äußert sich durch die Symptome der Rechts- und der Linksherzinsuffizienz.

Akute und chronische Herzinsuffizienz

Eine Herzinsuffizienz kann sich akut, zum Beispiel innerhalb von Minuten im Rahmen eine Herzinfarktes, oder chronisch, zum Beispiel durch eine dauerhaft erhöhte Herzbelastung infolge von langjährigem Bluthochdruck, entwickeln.

Diastolische und systolische Herzinsuffizienz

Die Pumpleistung des Herzens setzt sich allgemein aus zwei Parametern zusammen: der systolischen und der diastolischen Phase. In der Diastole füllt sich das Herz mit Blut. In der Systole wird das Blut in den Körperkreislauf gepumpt. Mit dem Begriff systolische Herzinsuffizienz bezeichnet man eine Verminderung der Pumpleistung des Herzens, so dass der Körper und die Organe nur noch unzureichend mit sauerstoffhaltigem Blut versorgt werden können. Betroffen ist hier in der Regel die Auswurfleistung der linken Herzkammer.


Werden die Herzkammern nicht mehr ausreichend mit Blut gefüllt, spricht man von einer diastolischen Herzinsuffizienz. Dies kann etwa durch eine zu hohe Steifigkeit (Widerstandsfähigkeit gegen Verformung) des Herzmuskels bedingt werden. Eine zu hohe Steifigkeit kann zum Beispiel dann auftreten, wenn der Herzmuskel lange Zeit überlastet wurde. Dies kann bei Bluthochdruck der Fall sein. Infolge einer solchen Überlastung kann nicht mehr genügend Blut an den Kreislauf weitergeleitet werden. Die diastolische und die systolische Herzinsuffizienz gehen jeweils auf verschiedene Ursachen zurück und unterscheiden sich auch in Bezug auf die Auswahl der spezifischen Therapie.

Ursachen einer Herzinsuffizienz

Eine Herzinsuffizienz kann auf viele verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Besonders häufig zu nennen sind dabei Herzmuskelschäden, wie sie etwa durch einen Herzinfarkt entstehen können, Überlastungserscheinungen durch defekte Herzklappen, Bluthochdruck, Herzbeutel- oder Herzmuskelentzündungen, Herzrhythmusstörungen, Fehlbildungen des Herzens, toxische Schäden (zum Beispiel durch Alkohol- oder Drogenkonsum) oder auch Systemerkrankungen wie Blutarmut mit daraus resultierendem erhöhten Herzzeitvolumen oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung.

Diagnose

Die Herzinsuffizienz-Diagnose wird durch eine gründliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und apparative Untersuchungen gestellt. In der Anamnese erfragt der Arzt die Krankengeschichte, Beschwerden, die Familien- und Sozialgeschichte sowie Risikofaktoren wie Nikotinkonsum. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem das Herz und die Lunge genau abgehört werden, um Herzgeräusche zu erfassen und die Lunge nach etwaigen Rasselgeräuschen (als Hinweis für Wassereinlagerungen) abzusuchen. Der Arzt legt außerdem besonderes Augenmerk darauf, Wasseransammlungen (Ödeme) in den Beinen und in der Bauchregion (hier werden Ödeme Anasarka genannt) zu ertasten.

Außerdem wird der Blutdruck gemessen. Bei hohem Blutdruck kann eine 24-stündige Blutdruckmessung über ein kleines mobiles Blutdruckmessgerät, dass Blutdruckwerte im Tages- und Nachtverlauf aufzeichnen, durchgeführt werden.

In einer Blutuntersuchung werden unter anderem das Blutbild, Blutsalze wie Natrium und Kalium, die Nierenfunktion, die Leberparameter, die Schilddrüsenfunktion, der Blutzucker und die Blutfettwerte untersucht. Dies dient dazu, Risikofaktoren, auslösende Ursachen sowie Begleit- und Folgeerkrankungen zu erfassen. Ebenfalls gemessen wird der Wert des B-natiuretischen Peptids (BNP), da eine Herzinsuffizienz zu einer Erhöhung des BNP-Spiegels im Blut führt.

Apparative Untersuchungen

Der Herzrhythmus wird im EKG untersucht. Dabei können auch erste Hinweise auf eine bestehende Herzinsuffizienz durch Abweichungen der EKG-Kurve festgestellt werden. Liegen Herzrhythmusstörungen vor, kann der Patient ein Langzeit-EKG verordnet bekommen, das über ein kleines mobiles Gerät 24 Stunden lang ein EKG aufzeichnet.


Um die Herzfunktion und die Herzklappen zu untersuchen, ist die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) eine zuverlässige und für den Patienten nicht belastende Methode. Dabei kann mittels Farbdopplerultraschall auch der Blutstrom im Herzen untersucht werden. Der Arzt kann so feststellen, ob Herzklappen undicht oder versteift sind, wie die Struktur der Herzwände und der Herzinnenräume beschaffen ist und welche Auswurfleistung das Herz hat.

Besteht der Verdacht, dass Herzkranzgefäße verengt sind, werden diese in einer Herzkatheteruntersuchung beurteilt. Eine Herzkatheteruntersuchung ist eine invasive Untersuchung, bei der unter lokaler Betäubung über die Leistenarterie oder die Armarterie ein spezieller Führungskatheter mit einem anliegenden Ballonkatheter bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben wird. Während der Untersuchung können gleichzeitig verengte Stellen in den Gefäßen aufgeweitet oder mit einem Stent überbrückt werden.

Zusätzlich können Röntgenaufnahmen des Brustkorbs oder bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) die Herzinsuffizienz-Diagnose unterstützen.

Stadieneinteilung

Die Stadieneinteilung der Herzinsuffizienz richtet sich nach der NYHA-Klassifikation (New York Heart Association). Demnach spricht man von NYHA I, wenn der Patient keine körperlichen Symptome in Ruhe oder bei alltäglicher Belastung verspürt, von NYHA II bei leichten Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit, aber ohne Symptome in Ruhe, von NYHA III bei Symptomen bei alltäglicher, geringer körperlicher Belastung und von NYHA IV bei Symptomen, die bereits in Ruhe auftreten.

Grundlegende Behandlungsmaßnahmen

Um eine Herzinsuffizienz zu behandeln, müssen zunächst alle Risikofaktoren optimiert werden. Dies ist ein entscheidender Parameter in der Therapie der Herzinsuffizienz, der maßgeblich für die Prognose und ein etwaiges Fortschreiten der Erkrankung ist. Hier ist die Mitarbeit und Disziplin des Patienten gefragt. Dazu gehören ein konsequenter Rauchstopp, das Abbauen von Übergewicht, die Verbesserung der Blutfettwerte und der Blutzuckerwerte durch eine Ernährungsumstellung sowie Sport nach Maßgabe des Arztes. In einigen Fällen wird der Arzt zu einer Begrenzung der Trinkmenge und/oder einer salzarmen Kost raten.

Medikamentöse Behandlung

Um das Herz bei einer Herzinsuffizienz zu entlasten, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die miteinander kombiniert werden können. Die medikamentöse Therapie wird dabei der Schwere der Herzinsuffizienz und der auslösenden Grunderkrankung angepasst.

ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten

ACE-Hemmer und AT1-Antagonisten sind Medikamente, die die Beschwerden bei einer Herzinsuffizienz lindern, den Blutdruck senken und das Fortschreiten der Herzinsuffizienz eindämmen. Meist werden zunächst ACE-Hemmer verordnet. Verträgt der Patient diese nicht, werden ersatzweise AT1-Antagonisten verschrieben.

Beta-Blocker

Sogenannte Beta-Blocker sorgen dafür, dass das Herz gegenüber Stresshormonen abgeschirmt wird. Das Herz schlägt langsamer und verbraucht weniger Sauerstoff.

Diuretika

Diuretika sind Medikamente, die die Ausscheidung von Wasser und verschiedenen Blutsalze über den Urin fördern und so das Herz entlasten und den Blutdruck senken. Diuretika kommen bei der fortgeschrittenen Herzinsuffizienz und bei Wasseransammlungen (Ödemen) im Körper zum Einsatz.

Digitalis

Digitalispräparate sind Medikamente, die schon lange in der Therapie der Herzschwäche eingesetzt werden. Sie werden aus der Fingerhutpflanze gewonnen. Digitalispräparate müssen sehr sorgfältig dosiert werden, weil es sonst zu gefährlichen Nebenwirkungen kommen kann. In der richtigen Dosierung steigern sie die Pumpkraft des Herzens. Trotzdem hat Digitalis keinen wesentlichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Herztransplantation

Bei einer schweren Herzinsuffizienz, bei der alle therapeutischen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, bleibt als letzte Therapieoption die Herztransplantation. Eine Transplantation kommt jedoch nur für bestimmte Patienten in Frage. Unter anderem spielen dabei Begleiterkrankungen und das Alter des Patienten eine Rolle. Insgesamt brauchen in Deutschland jährlich etwa 500 Patienten eine Herztransplantation. Da es zu wenig Spenderorgane gibt, existiert eine Warteliste. Um die Zeit auf der Warteliste zu überbrücken, gibt es die Möglichkeit, Patienten für einige Zeit mit einem Kunstherz zu versorgen. Dies ist ein mechanisches Unterstützungssystem, das operativ implantiert wird und das kranke Herz bei der Pumparbeit unterstützt. Allerdings ist ein Kunstherz keine langfristige Lösung und mechanische Unterstützungssysteme steigern das Risiko für Schlaganfälle und Blutgerinnsel.

Foto: © Dolgachov – 123RF.com
Letztes Update am 4. November 2017 03:59 von SilkeCCM.
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