Raucherentwöhnung bei Patienten mit psychiatrischen Störungen

März 2017
Nach einer Expertenkonferenz im Jahr 2008 gab die französische Organisation zur Prävention von Nikotinsucht (OFT) im Januar 2009 Empfehlungen zur Rauchentwöhnung von Patienten mit psychiatrischen Problemen heraus.
In dieser Patientengruppe ist Nikotinkonsum die wichtigste Mortalitätsursache.

Psychoaktive Bestandteile von Tabak

  • Physiologisch gesehen :
    • kurzes, schnelles Atmen ist eine Folge von Angstzuständen,
    • langsames, tiefes Atmen, wie es bei Entspannungstechniken angewandt wird, kann bei Angstzuständen helfen,
    • allerdings bestätigt keine Studie, dass durch dieses tiefe Atmen,
      • die Konzentration verbessert wird,
      • die Störungen oder deren Entwicklung positiv beeinflusst.
  • Psychopathologisch gesehen :
    • das Rauchen an sich
      • wird oft als selbstbestätigend empfunden,
      • es gibt allerdings keine Studie, wonach es den Selbstwert stärkt.
  • Soziologisch gesehen :
    • das Rauchen kann auch eine soziale Rolle spielen, je nach den in einer Gruppe geltenden Normen, wonach es
      • befürwortet
      • oder abgelehnt wird.
    • Rauchverbote, insbesondere in psychiatrischen Institutionen, haben für eine Verringerung der Konflikte gesorgt.

Rauchen und Angststörungen

Daten

  • Die OFT erinnert, dass bei "Personen mit Angststörungen" ein erhöhter Tabakkonsum festzustellen ist.
  • Der Konsum hängt oft mit einer Angst zusammen, ansonsten Angststörungen zu entwickeln oder zu verstärken.
  • Andererseits können diese Störungen selbst nicht für die Entwicklung einer Nikotinsucht verantwortlich gemacht werden.
  • Nach einer rauchfreien Zeit von einem Monat verschwinden sie wieder.

Rauchstopp

  • Es wird betont :
    • dass wenig Fachliteratur existiert, die Aufschluss darüber gibt, wann ein Rauchstopp bei Personen mit Angststörungen eingeleitet werden sollte,
    • dass eine psychiatrische Begleitung beim Entzug wichtig ist, da diese Personen stärkere Entzugssymptome aufweisen, als andere Raucher,
    • dass er zusammen mit einem Nikotinberater geschehen kann,
    • dass dabei eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung empfehlenswert ist.

Rauchen und Störungen des Gemütszustandes

Daten

  • Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen dem Rauchen und Störungen des Gemütszustandes :
    • Raucher sind häufiger depressiv,
    • Personen mit bipolarer Störung rauchen häufiger,
    • bei Jugendlichen, die rauchen, liegt das Risiko für Depressionen doppelt so hoch,
    • Symptome einer Depression sind bei Rauchern oft stärker ausgeprägt,
    • Personen, die unter diesen Störungen des Gemütszustands leiden, rauchen im Durchschnitt doppelt so viel.

Rauchstopp

  • Das Rauchen ist oft eine Art Selbstbehandlung von depressiven Symptomen.
  • Beim Aufhören können sich diese Symptome vorerst verschlimmern.
  • Empfohlen wird daher ein Rauchstopp :
    • außerhalb der akuten Phasen,
    • mit Unterstützung eines Psychiaters und Nikotinsuchtberaters,
      • mit Nikotinsubstitutionsmitteln,
      • ohne Bupropion, von dem stark abgeraten wird,
    • zusammen mit einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung.

Nikotinkonsum, Schizophrenie und andere Psychosen

Daten

  • Patienten mit Schizophrenie :
    • neigen vermehrt zum Rauchen,
    • rauchen zwei mal so viele Zigaretten als Personen, die nicht an dieser Störung leiden,
    • hören selten mit dem Rauchen auf.

Rauchstopp

  • Der Rauchstopp führt zu keiner Verschlimmerung der psychotischen Symptome.
  • Die Entzugssymptome fallen gleich aus, wie bei der "Normalbevölkerung"-
  • Dennoch gilt für einen Rauchstopp :
    • er sollte nicht in akuten Phasen durchgeführt werden,
    • oder während eines Krankenhausaufenthalts,
    • er sollte mit Unterstützung eines Psychiaters geschehen, eventuell auch mit einem Nikotinsuchtberater,
    • mit Nikotinsubstitutionsmitteln und Bupropion.

Quellen

Rauchentwöhnung bei Patienten mit psychiatrischen Störungen, OFT, Januar 2009.

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