Behandlung von Patienten mit Dyslipidämie

Dezember 2017
Von einer Fettstoffwechselstörung spricht man in der Fachsprache als Dyslipidämie. Meist handelt es sich um eine Erhöhung verschiedener Blutfettwerte.


Dyslipidämie - Definition

Bei einer Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) ist in der Regel der Cholesterinspiegel und/oder der Triglyceridspiegel (Neutralfette) erhöht. Beide Werte spielen im Körper eine wichtige Rolle. So ist Cholesterin unter anderem Baustein für Gallensäure, Geschlechtshormone, Nebennierenrindenhormone, Vitamin D und Bestandteil der Zellwände. Triglyzeride werden als Energielieferant verwendet oder als Energiereserve gespeichert.



Um transportiert zu werden, benötigen die Fette als Trägersubstanzen sogenannte Lipoproteine, da Fette an sich im Blut nicht löslich sind. Hier spielen zum Beispiel die Lipoproteine HDL (High-Density-Lipoprotein) und LDL (Low-Density-Lipoprotein) eine übergeordnete Rolle. HDL transportiert Cholesterin zur Leber, wo Cholesterin abgebaut wird. LDL hingegen befördert Cholesterin aus der Leber zu den Zellen. Zirkuliert zu viel davon im Blut, steigt das Risiko für Ablagerungen (Gefäßplaques) und für die Entwicklung einer Atherosklerose.

Symptome und Diagnose

Eine Fettstoffwechselstörung bleibt bei vielen Betroffenen bis zum Eintreten von Folgeerkrankungen lange symptomlos. Eine Dyslipidämie wird meist im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt. Die erhöhten Fettwerte lassen sich durch eine Blutuntersuchung einfach nachweisen.


Wenn eine Fettstoffwechselstörung über einen längeren Zeitraum unbehandelt bleibt, steigt das Risiko für Folgeerkrankungen. Hier spielen besonders Gefäß- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine übergeordnete Rolle, da erhöhte Cholesterinwerte zu Ablagerungen in den Gefäßen (Atherosklerose) führen können. Eine Atherosklerose ist einer der Haupt-Risikofaktoren für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Eine weitere mögliche Folgeerkrankung ist die Leberverfettung (Steatosis hepatis), die zu einem bindegewebigen Leberumbau (Leberfibrose, fortschreitend schließlich Leberzirrhose) führen kann.

Sekundäre und primäre Fettstoffwechselstörungen

Es wird zwischen primären und sekundären Fettstoffwechselstörungen unterschieden. Primäre Fettstoffwechselstörungen sind selten und haben genetisch bedingte Erkrankungen zur Ursache. Wesentlich häufiger sind sekundäre Fettstoffwechselstörungen, die als Folge einer falschen Ernährung, mangelnder Bewegung, Diabetes, Nierenerkrankungen oder auch als Nebenwirkung verschiedener Medikamente (zum Beispiel von Kortikosteroiden oder Antikonzeptiva) entstehen.

Therapie

Wie streng die Blutfette gesenkt werden sollten, ist maßgeblich von den begleitenden Risikofaktoren und den bereits bestehenden Folgeerkrankungen abhängig. Die Therapie richtet sich natürlich auch nach der Höhe der Blutfettwerte. Ein besonderes Augenmerk liegt hier auf dem Verhältnis von LDL- zu HDL-Cholesterin.

Lebensstil

Bei der Therapie von Fettstoffwechselstörungen geht es um die Reduktion der zu hohen Blutfettwerte zur Verhinderung von Folgeerkrankungen. Dies bedeutet zunächst einmal eine konsequente Umstellung der Lebensgewohnheiten. Für den Patienten beinhaltet dies eine Ernährungsumstellung sowie die Integration von ausreichend Bewegung und Sport in den Alltag. Werden diese beiden Maßnahmen konsequent verfolgt, ist eine Reduktion des Gesamtcholesterins um bis zu zehn Prozent möglich, wobei in der Regel außerdem eine deutliche Erhöhung des guten HDL-Cholesterins erreicht wird.

Als Faustregel gilt hier, dass eine fettreduzierte (30 Prozent der täglichen Kalorien aus Fett) Ernährung erfolgen sollte, bei der übermäßig tierische Fette vermieden und pflanzliche, ungesättigte Fettsäuren (zum Beispiel in Olivenöl) bevorzugt werden sollten. Orientieren kann man sich zum Beispiel an der mediterranen Diät. Da Ballaststoffe Fette im Darm binden können und lange sättigen, sollte die Ernährung außerdem ballaststoffreich sein und viel Obst und Gemüse enthalten.

Denken Sie daran, dass Bewegung einen maßgeblichen Einfluss auf den Fettstoffwechsel hat und eine Ernährungsumstellung allein in der Regel keinen ausreichenden Effekt zeigt. Regelmäßige Bewegung und Ausdauersport senken begleitende Risikofaktoren wie Gefäßverkalkung und dadurch entstehende Gefahren wie Herzinfarkte und Schlaganfälle. Sport steigert überdies den Kalorienverbrauch, so dass eine Gewichtsreduktion leichter gelingt.

Außerdem müssen alle begleitenden Risikofaktoren minimiert werden. Dazu gehören eine gute Blutzuckereinstellung bei Vorliegen von Diabetes, die Behandlung von Bluthochdrucks, die Verbesserung erhöhter Harnsäurewerte (Hyperurikämie), Gewichtsabnahme bei Übergewicht sowie ein konsequenter Rauchstopp. Erst wenn diese Therapiemaßnahmen nicht ausreichen, erfolgt eine medikamentöse Therapie.

Medikamentöse Therapie

Zur medikamentösen Therapie stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, die Einfluss auf den Cholesterinspiegel oder die Triglyceride haben. Anfangs wird meistens mit einem Medikament begonnen und der Therapieerfolg nach etwa acht Wochen beurteilt. Falls die Monotherapie nicht die gewünschten Effekte erzielt, kann eine kombinierte Therapie begonnen werden.

                                                                    
Für die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen stehen Medikamente aus der Gruppe der
Statine, der Gallensäurebinder (Anionenaustauscher), der Cholesterin-Aufnahme-Hemmer, der Fibrate sowie Nikotinsäure zur Verfügung.

Eine medikamentöse Therapie bedeutet nicht, dass die Anpassung des Lebensstils überflüssig wird, denn der Erfolg der medikamentösen Therapie ist deutlich größer, wenn die Lebensgewohnheiten entsprechend geändert wurden.

Statine

Statine sind Medikamente, die vor allem cholesterinsenkend wirken, aber auch den Triglyceridspiegel im Blut reduzieren. Statine hemmen ein bestimmtes Enzym im menschlichen Körper, die sogenannte HMG-CoA-Reduktase. Durch die Blockade entsteht weniger Cholesterin in den Zellen, so dass diese mehr Cholesterin aus dem Blut aufnehmen. Statine werden sehr häufig verordnet und sollen auch einen günstigen Effekt auf Entzündungsprozesse in den Gefäßen haben und die Blutgerinnselbildung an den Gefäßwänden verringern. Eine ernst zu nehmende Nebenwirkung sind Muskelschmerzen, die bis zur Zersetzung von Muskelfasern führen können, sowie eine Erhöhung der Leberwerte. Deshalb sollten die Leberwerte, besonders zu Beginn der Therapie, regelmäßig kontrolliert werden. Sollten unter der Therapie Muskelschmerzen auftreten, informieren Sie rasch Ihren Arzt!

Gallensäurebinder

Gallensäurebinder werden nicht vom Körper aufgenommen und verbleiben ausschließlich im Darm. Dort führen sie zu einer Ausscheidung von Gallensäuren mit dem Stuhl. Als Folge müssen in der Leber neue Gallensäuren aus Cholesterin hergestellt werden, das wiederum dem Blut entzogen wird. Die Folge: Der Cholesterinspiegel sinkt. Nebenwirkungen können sich vor allem in Magen-Darm-Beschwerden und Verstopfung äußern.

Cholesterin-Aufnahme-Hemmer

Cholesterin-Aufnahme-Hemmer wirken über die Hemmung der Fettaufnahme im Dünndarm durch Hemmung eines Cholesterintransporteiweißes in den Dünndarmschleimhautzellen. Als Nebenwirkungen sind vor allem gastrointestinale Störungen möglich.

Fibrate

Fibrate hemmen in der Leber die Cholesterinbildung und die Freisetzung bestimmter Lipoproteine in der Leber und haben so einen günstigen Einfluss auf die Blutfettwerte. Da Fibrate die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit verändern, sollten sie nicht bei Gallensteinleiden und Lebererkrankungen eingesetzt werden.

Nikotinsäure

Nikotinsäure (auch Niacin) ist ein Vitamin aus dem B-Komplex (Vitamin B3). Nikotinsäure kann ergänzend zu einer Therapie mit Statinen eingesetzt werden. Nikotinsäure gehört zur Gruppe der Lipidsenker, die das LDL-Cholesterin senken und das HDL-Cholesterin erhöhen. Therapielimitierend ist jedoch häufig eine Flush-Symptomatik mit Hautrötung und Juckreiz, da Nikotinsäure auch auf den Prostaglandinspiegel Einfluss nimmt.

Foto: © George Tsartsianidis – 123RF.com

Dyslipidémie (Afssaps)
Dyslipidémie (Afssaps)
Dealing with patient suffering from dyslipidemia (Afssaps)
Dealing with patient suffering from dyslipidemia (Afssaps)
Tratamiento del paciente dislipidémico
Tratamiento del paciente dislipidémico
Letztes Update am 4. November 2017 09:46 von SilkeCCM.
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