Nikotinsubstitution

April 2017


Nikotinsubstitution


Wenn Sie gewillt sind, dem Rauchen abzuschwören, helfen Nikotinsubstitute, den Nikotinmangel erträglicher zu machen.

Was sind Nikotinsubstitute?

  • Es sind Medikamente, die Nikotin enthalten.
  • Sie sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.
  • Sie verdoppeln die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Es gibt Nikotinsubstitute als Pflaster, Kaugummi, Tabletten oder Aerosole. So wird das Nikotin über die Haut oder die Schleimhaut an den Körper abgegeben.

Verwendungsdauer und Anwendungsweise

  • Je nach Abhängigkeit liegt die Verwendungsdauer zwischen 6 Wochen und 6 Monaten.
  • Die Substitutionsmittel sind nicht gesundheitsgefährdend, da sie nur Nikotin abgeben. Zigaretten enthalten hingegen etwa 4000 toxische Substanzen.
  • Die Substitute haben kaum Begleiterscheinungen.
  • Es gibt keine kardiovaskulären Gegenindikationen für den Einsatz von Nikotinsubstitutionsprodukten.
  • Die Verwendung von Nikotinsubstituten alleine reicht meist nicht aus, um mit dem Rauchen aufzuhören. Psychologischer Beistand kann helfen, die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.


Nikotinsubstitute können eine Abhängigkeit auslösen. Das Risiko ist allerdings wesentlich geringer als beim Rauchen selbst.
Auch schwangere Frauen können in Absprache mit ihrem Arzt Nikotinsubstitute anwenden. Es ist immer noch besser, wenn Schwangere Nikotinsubstitute nutzen als weiterhin zu rauchen. Frauen, die in der Schwangerschaft rauchen, sollten zunächst einen Psychologen aufsuchen oder eine Verhaltenstherapie durchführen. Tritt daraufhin kein Erfolg ein, sind Substitute hilfreich.

Nikotinpflaster

  • Das Pflaster wird auf die Haut geklebt und gibt kontinuierlich Nikotin an den Organismus ab.
  • Die Wirkung tritt etwa nach 30 Minuten ein und hält den ganzen Tag an.
  • Nikotinpflaster existieren in unterschiedlichen Dosierungen.
  • Die Dosierung wird an den Grad der Abhängigkeit angepasst.
  • Raucher, die viele Zigaretten geraucht haben, sollten zu einer stärkeren Dosis greifen, als Raucher, die wenige Zigaretten geraucht haben.
  • Durch Nikotinpflaster gewöhnt sich der Körper langsam an die sinkende Nikotinzufuhr.

Erscheinungstypen


Es gibt verschiedene Nikotinpflaster:
  • kleines 24-Stunden-Pflaster: gibt im Laufe des Tages 17,5 mg Nikotin ab
  • mittleres 24-Stunden-Pflaster: gibt im Laufe des Tages 35 mg Nikotin ab
  • großes 24-Stunden-Pflaster: gibt im Laufe des Tages 52,5 mg Nikotin ab
  • kleines 16-Stunden Pflaster: gibt in 16 Stunden 8,3 mg Nikotin ab
  • mittleres 16-Stunden Pflaster: gibt in 16 Stunden 16,6 mg Nikotin ab'
  • großes 16-Stunden-Pflaster: gibt in 16 Stunden 24 mg Nikotin ab
  • Die Pflastergröße bestimmt die Nikotindosierung.
  • Die Diffusion der Nikotinmenge hängt von der Pflastergröße und der Anwendungszeit ab.

Anwendungshinweise und Verträglichkeit

  • Sie sollten Nikotinpflaster nur anwenden, wenn Sie vollständig mit dem Rauchen aufhören.
  • Die größeren, höher dosierten Pflaster werden zu Beginn der Behandlung verwendet.
  • Später geht man über einen Zeitraum von 8 bis 12 Wochen zu immer kleineren, niedriger dosierten Pflastern über.
  • Das 24 Stunden Nikotinpflaster wird immer morgens durch ein neues ersetzt.
  • Die Haftseite des Pflasters sollte vor dem Aufkleben nicht berührt werden.
  • Das 16-Stunden-Pflaster wird nach 16 Stunden entfernt und nicht über Nacht auf der Haut gelassen.
  • Wenn Sie rauchen, während Sie das Pflaster verwenden, besteht die Gefahr einer Nikotinüberdosierung.
  • Rauchen Sie möglichst nicht nach dem Entfernen des Pflasters, da sich in den oberen Hautschichten Nikotin absetzt

Behandlung

  • Die Kosten einer 6-monatigen Behandlung fallen je nach Produkt und Anbieter unterschiedlich hoch aus.

Beschwerden und Allergien, die bei der Verwendung Auftreten können

  • Durch den Klebstoff können Kontaktallergien ausgelöst werden; daraufhin sollte zunächst die Stelle des Pflasters gewechselt werden
  • Bei weiteren Hautirritationen sollten Sie den Hersteller wechseln.
  • Treten weiterhin Symptome auf, beenden Sie die Anwendung und zögern Sie nicht, bei Nebenwirkungen Ihren Arzt oder Apotheker aufzusuchen.

Kaugummis

  • Durch orale Nikotinsubstitute kann ein Nikotinmangel sofort behandelt werden.
  • Die Wirkung tritt rascher und stärker ein als bei Nikotinpflastern.
  • Allerdings kann durch den raschen Anstieg des Nikotinwerts eine bereits bestehende Abhängigkeit weiterbestehen.

Anwendungshinweise und Verträglichkeit

  • Kaugummis enthalten 2 bis 4 mg Nikotin. Man lutscht sie zunächst einige Minuten und kaut sie dann langsam, um das enthaltene Nikotin freizusetzen.
  • Wenn Sie die Lust zum Rauchen überkommt, können die Kaugummis spontan verwendet werden.
  • Zu Beginn werden in der Regel 8 bis 12 Kaugummis verwendet.
  • Der Kaugummi wird etwa 30 Minuten lang im Mund behalten.
  • Kaut man den Kaugummi zu rasch, können negative Begleiterscheinungen wie ein brennendes Gefühl im Magenbereich, Halsschmerzen oder Schluckauf auftreten.

Inhalatoren

  • Beim Inhalator handelt es sich um ein Plastikgerät mit einer Öffnung zum Einsatz einer Kartusche oder eines nikotingetränkten Kissens.
  • Der Raucher atmet einige Male über das Mundstück ein.
  • Zu Beginn des Entzugs können mehrere Kartuschen verwendet werden.

Tabletten

  • Tabletten unter der Zunge zergehen lassen oder lutschen. Nicht kauen.
  • Die Lust auf eine Zigarette verschwindet nach wenigen Minuten.
  • Die Anzahl der pro Tag eingenommenen Tabletten variiert je nach Abhängigkeitsgrad.
  • In der Regel sind es zu Beginn der Behandlung etwa 8 bis 12 Tabletten täglich. Danach wird die Anzahl vermindert.
  • 15 Minuten vor Einnahme der Tablette sollte man keinen Kaffee oder Fruchtsaft zu sich nehmen, da darin enthaltene Stoffe die Aufnahme von Nikotin über die Mundschleimhaut stören.

Kombination mehrerer Nikotinsubstitute


Bei Rauchern mit starker Nikotinabhängigkeit können auch mehrere Arten von Substitutionsmitteln kombiniert werden. Für ehemals starke Raucher sind vor allem die ersten Wochen ohne Zigaretten sehr schwer zu meistern. In vielen Situationen besteht das Risiko, rückfällig zu werden. Nikotinsubstitute sollen es dem Raucher erleichtern, in solchen Situationen zu widerstehen. Eine punktuelle Nikotineinnahme in Form von Kaugummis, die zusätzlich zur Anwendung des Pflasters erfolgt, kann den Entzug erleichtern.
  • Es besteht die Möglichkeit, gleichzeitig verschiedene Substitutionsmittel zu verwenden.
  • Diese Kombination kann den Entzug zusätzlich erleichtern.
  • Damit eine angemessene Dosierung gewährleistete ist, sollte die Kombination mehrerer Produkte unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
  • Der Raucher kann so besser mit Situationen umgehen, in denen die Lust auf eine Zigarette sehr stark und das Risiko, rückfällig zu werden, sehr hoch ist.

Ist es möglich, orale Nikotinsubstitute einzunehmen und gelegentlich zu rauchen?

  • Für Raucher, die unter einer sehr starken Abhängigkeit leiden und die sich ein Leben ohne Zigaretten gar nicht mehr vorstellen können, ist es auch möglich, bei Erhaltung eines stetigen Nikotinwerts mittels Substituten weiterhin gelegentlich Zigaretten zu rauchen.
  • Das Wissen um diese Möglichkeit beruhigt Raucher, die sich nicht vorstellen können, ohne Zigaretten zu leben.
  • Mit diesem Wissen fällt die schrittweise Entwöhnung leichter.
  • Diese Vorgehensweise ist sanfter und verringert das Risiko für einen Misserfolg.
  • Ein Raucher kann so statt 10 gerauchter Zigaretten 3 oder 4 durch orale Substitute ersetzen und die übrigen Zigaretten trotzdem rauchen.
  • Wenn Sie Nikotinpflaster verwenden, sollten Sie nicht gleichzeitig rauchen.

Kosten von Nikotinsubstituten


Die Kosten einer Behandlung mit Nikotinsubstituten fallen je nach Produkt und Anbieter unterschiedlich hoch aus:
  • Die durchschnittlichen Kosten betragen etwa 2 Euro pro Tag und werden in Deutschland von der Grundversicherung in der Regel nicht rückerstattet.
  • Im Rahmen einer Zusatzversicherung kann allerdings eine teilweise oder vollständige Rückerstattung beantragt werden.
  • Informieren Sie sich daher bei Ihrer Krankenkasse über die geltenden Regelungen.
  • Manche Nikotinsubstitute können schon bei Jugendlichen ab 15 Jahren verwendet werden. Fragen Sie diesbezüglich Ihren Arzt oder Apotheker.
  • Bei schwangeren oder stillenden Frauen ist die Verwendung von Nikotinsubstitutionsmitteln möglich, sollte aber unbedingt unter ärztlicher Beobachtung stattfinden. Dies gilt insbesondere ab dem 6. Schwangerschaftsmonat.
  • Für Schwangere ist es zunächst besser, einen Entzug ohne Rückgriff auf Substitute zu versuchen.
  • Nikotinsubstitutionsmittel können für Kinder gefährlich sein, bewahren Sie sie daher außerhalb der Reichweite von Kindern auf.

Anzeichen für eine Nikotinüberdosis


Bei folgenden Symptomen besteht der Verdacht auf eine Überdosierung der Nikotinsubstitionsmittel:
  • Ekelgefühl vor Zigaretten und Tabak;
  • Kopfschmerzen;
  • Schwindel;
  • Beschleunigung des Herzrhythmus;
  • Übelkeit;
  • Durchfall;
  • Eigenartiges, pappiges Gefühl im Mund.
  • Beim Auftreten solcher Symptome sollte der Einsatz der Substitute beendet werden. In den meisten Fällen verschwinden die Beschwerden dadurch wieder. Im Zweifel sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.

Wie wird die Dosierung der Substitute an den Grad der Abhängigkeit angepasst?

  • Um erfolgreich mit dem Rauchen aufzuhören, sollte die Dosis der Nikotinsubstitute sorgfältig an den Grad der Abhängigkeit angepasst werden.
  • Die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Rauchentwöhnung hängt auch von der Dosierung der Nikotinsubstitute und deren Anwendungsdauer ab. Diese liegt meist zwischen 6 Wochen und 6 Monaten.
  • Ist die gewählte Dosierung zu niedrig, kann dies einen Misserfolg nach sich ziehen. Der Grad der Abhängigkeit wird mit dem Fagerström-Test ermittelt:
  • Wenn nach 7 Tagen noch Entzugserscheinungen und das plötzliche, starke Bedürfnis nach Zigaretten auftreten, ist die Dosierung der Substitute wahrscheinlich zu niedrig.
  • Personen, die trotz Nikotinsubstitution noch starke Lust verspüren zu rauchen,
  • sollten gegebenenfalls ihre Dosierung ändern.
  • Die verwendete Nikotindosis hängt vom täglichen Tabakkonsum und dem Stärkegrad der Abhängigkeit ab.
  • Zu Beginn der Behandlung ist die Dosis höher. Die Dosis wird mit der Zeit immer weiter vermindert.
  • Raucher, die stärker abhängig sind, haben in der Regel mehr Erfolg beim Aufhören, wenn sie statt Kaugummis mit 2 mg Kaugummis mit 4 mg Nikotin einnehmen.
  • Raucher, die nur leicht abhängig sind, greifen meist dann auf Substitute zurück, wenn es ihnen nicht gelingt, ohne Hilfe mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Raucher mit mittelstarker Abhängigkeit verwenden meist Nikotinsubstitutionsmittel.
  • Raucher, die unter starker Abhängigkeit leiden, sollten in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, der Sie bei Ihrem Vorhaben professionell unterstützt.

Bestimmung der Abhängigkeit durch Nikotinmarker

  • Der aussagekräftigste Nikotin-Marker ist Cotinin.
  • Cotinin ist ein Nikotinderivat, dessen Wert im Speichel oder Urin bestimmt werden kann.
  • Die Höhe des Cotininwerts gibt Aufschluss darüber, wie stark eine Person dem Nikotin aktiv oder passiv ausgesetzt war.
  • Ein hoher Cotininwert spricht für eine starke Abhängigkeit. Obwohl diese Methode heute nur noch selten eingesetzt wird, kann sie eine wichtige Hilfestellung sein, um den Grad der Abhängigkeit zu bestimmen und die Dosierung von Nikotinsubstituten anzupassen

Beurteilung des Abhängigkeitsgrades mit dem Fagerström-Test

  • Score von 0 bis 2: keine Abhängigkeit; ein Aufhören ist ohne Nikotinsubstitute möglich)
  • Score von 3 bis 4: leichte Abhängigkeit; es ist möglich, ohne Nikotinsubstitute mit dem Rauchen aufzuhören. Wenn sich das Aufhören ohne Hilfe als zu schwierig gestaltet, kann allerdings auf Nikotinsubstitute zurückgegriffen werden.
  • Score von 5 bis 6: mittelstarke Abhängigkeit; der Einsatz von Nikotinsubstituten ist zu empfehlen.
  • Score von 7 bis 10: starke oder sehr starke Abhängigkeit; es wird empfohlen, einen Spezialisten aufzusuchen. Dieser kann, je nach Grad der Abhängigkeit, Nikotinsubstitute oder Medikamente empfehlen.

Für weitere Informationen

Lassen Sie sich nicht von gescheiterten Versuchen demotivieren!


"Jetzt reicht's mir aber, ich habe schon 3 Mal versucht aufzuhören - und nie funktioniert es!" Diesen Satz haben Sie bestimmt schon von zahlreichen Rauchern gehört. Trotzdem sollte man dranbleiben - denn jeder Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, ist eine wichtige Erfahrung.

Was man dabei wissen sollte:
  • um endgültig mit dem Rauchen aufzuhören sind häufig mehrere Versuche nötig.
  • im Durchschnitt sind 4 Versuche notwendig, um mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Auch jeder Rückfall ist ein Schritt auf dem Weg zum Rauchstopp.
  • Lassen Sie sich nicht demotivieren.
  • Lassen sie keine Schuldgefühle aufkommen.
  • Wenn Sie es schaffen, zunächst einmal für einige Monate aufzuhören, ist dies auch ein Erfolg.
  • Aus Rückfällen kann man lernen.
  • Nach dem Aufhören sollten Sie nicht erneut anfangen, gelegentlich zu Zigaretten zu greifen! Das Risiko für einen Rückfall ist dann sehr hoch.
  • Ein stark abhängiger Raucher bleibt ein starker Raucher, und kann auch nach 6 Monaten, einem Jahr oder mehreren Jahren immer noch einen Rückfall erleiden.

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Letztes Update am 5. März 2014 23:47 von Dr. Blattmann.
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