Wenn die Lust verloren geht

April 2017
Viele Paare kennen es, aber die wenigsten sprechen darüber: Was kann man tun, wenn die sexuelle Lust verloren geht?


Wenn die sexuelle Lust verloren geht

Das sexuelle Verlangen ist von Person zu Person unterschiedlich. Das Verlangen hängt dabei von unzähligen Faktoren ab: von der Kultur und der persönlichen Geschichte, vom Stress-Level, der Müdigkeit, von Problemen im Beruf, Ärgernissen im Alltag, (zeitlicher) Verfügbarkeit und vielen anderen.

Probleme mit der Lust

Warum genau die Lust am Sex verloren geht, ist natürlich immer individuell verschieden. Bei vielen Paaren spielen Gewohnheit, Stress und ein eintöniger Alltag eine entscheidende Rolle.

Die Abnahme der Lust verläuft bei den meisten Paaren zunächst in kleinen Schritten. Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass ein Absinken der Lust vorübergehend sein kann. Wenn der Sex also in letzter Zeit nicht allzu regelmäßig war, kann es sich durchaus nur um eine "Phase" handeln. Setzen Sie sich außerdem nicht zu sehr unter Druck: Kein Paar hat nach Jahren so viel Sex wie am Anfang einer Beziehung.

Es ist außerdem wichtig zu verstehen, dass man Sexualität auch ausleben kann, ohne dass es unbedingt zum Geschlechtsverkehr kommt. Streicheln, Liebkosen, Küssen, Zärtlichkeiten, Teilen, Liebe, Vertrauen und Austausch gehören ebenso zur Sexualität und sind untrennbar mit Lust verbunden. Wenn ein oder beide Partner allerdings unter dem Lustverlust leiden, sollten Sie versuchen, den Problemen auf den Grund zu gehen. Der erste Schritt ist dabei immer, offen darüber zu sprechen.

Warum geht die Lust am Sex verloren?

Sinkt die sexuelle Lust ab, ist es entscheidend, die Mechanismen und Gründe dafür zu verstehen. Viele Betroffene (sowohl Männer als auch Frauen) ignorieren die Situation einfach und trauen sich nicht, die eigentlich entscheidenden Fragen zu stellen. Allerdings können Sie die Wünsche des anderen nicht erahnen, Sie müssen darüber sprechen.


Die meisten Betroffenen denken sich: "Es wird schon besser werden." Bei manchen Paaren mag das zutreffen. Leider ist es aber häufig so, dass die Situation schleichend zur Normalität wird. Erwartungen, die nicht geäußert werden, können zu einem Absinken der Lust führen. Einer Frau, die zum Beispiel von ihrem Partner nie die Streicheleinheiten bekommt, die sie sich wünscht, und dies auch nicht äußert, kann zum Beispiel nach und nach die Lust vergehen. Das Ignorieren des Problems verschlimmert es nur.

Natürlich ist es schwer, solche Themen mit dem Partner zu besprechen. Aber denken Sie daran: Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es, eine Lösung zu finden.

Mein Partner hat nie Lust

Wenn ein Partner nie Lust auf Sex hat, kann übermäßiger Druck eine Rolle spielen, ebenso wie ständiger Stress, schwer zu ertragende Konflikte, Überarbeitung, Depressionen, Beziehungsprobleme, Infektionen oder Krankheiten.

Allerdings ist ein Absinken der Leidenschaft - welches bei vielen Paaren im Laufe der Jahre unweigerlich eintritt - einer der wichtigsten Gründe für einen Lustverlust. Gegenseitiges Verlangen und Erregung lassen sich immer schwieriger erzeugen. Dadurch entsteht bei einem Partner oder bei beiden Unzufriedenheit.

Dies öffnet die Tür für Frustration, Schuldgefühle, Ärger und Unverständnis. Meist festigt sich dann beim Paar ein Status quo, in dem der Partner sich mit der Situation abfindet - oder zumindest so tut. Manchmal wird diese Situation aber auch für einen der Partner - oder auch beide - unerträglich und führt so zu einer Trennung.

Routine

Immer am selben Ort – meist im eigenen Schlafzimmer – und auf die gleiche Weise Sex zu haben, kann zu Routine und Eintönigkeit im Sexleben führen und so zu einer Lustsenkung beitragen.

Zeitmangel

Ein stressiger Lebensstil, mehr Arbeit, der Wunsch, in allem erfolgreich zu sein, vermehrte sportliche Aktivität, Kinder, die immer mehr Zeit in Anspruch nehmen, häufige Reisen usw. führen nach und nach zu einem immer bedeutenderen Mangel an Zeit für Beziehung und Sexualität.


Zögern Sie nicht, das Problem anzusprechen, und seien Sie sich dabei bewusst, dass ein Verleugnen oder Verheimlichen nur zu Ihrer eigenen Unzufriedenheit und eventuell sogar zu einer Trennung führen kann.

Keine Lust auf Sex: Was tun?

Mit dem Partner/der Partnerin reden

Der Partner/die Partnerin ist die am stärksten betroffene Person: Er oder sie spürt die Ängste und Zweifel und erkennt sofort, dass Sie "keine Lust mehr" auf ihn/sie haben. Sich zum Sex zu zwingen, ist keine Lösung: Diese Einstellung kann schnell unerträglich werden und die Situation noch verschlimmern. Gemeinsam darüber zu reden und die eigenen Zweifel und Ängste zu äußern, ist in dieser Situation immer hilfreich.

Einen Arzt hinzuziehen

Zögern Sie nicht, mit Ihrem Arzt über die Probleme zu sprechen. Reden Sie sich Ihre Sorgen und Ihre Zweifel von der Seele und versuchen Sie, sich von Ihren Schuldgefühlen zu befreien. Ein Arztbesuch ist eine vertrauliche Situation, in der die Problematik der Sexualität angesprochen werden kann. Der Arzt kann Ihnen dabei behilflich sein, medizinische Probleme (zum Beispiel Infektionen oder Erektionsstörungen bei Männern) zu lösen. Gegebenenfalls kann Sie der Arzt zu einem Paartherapeuten überweisen. Und vergessen Sie nicht: Darüber zu reden ist bereits der erste Schritt zu einer Verbesserung der Situation.

In Foren über das Problem reden

Diskussionen mit anderen Personen, die mit diesem Problem konfrontiert waren oder sind, können Ihnen verstehen helfen, dass Sie nicht allein mit dieser Situation sind. Sie können Ihre Ängste und Sorgen äußern und vielleicht sogar Tipps bekommen. Seien Sie aber vorsichtig: In Foren finden sich auch Inhalte, die man nicht allzu ernst nehmen sollte.

Foto: © Hugo Felix - Shutterstock.com

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Letztes Update am 4. März 2017 09:12 von SilkeCCM.
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