Bleivergiftungen bei Kindern

Januar 2017

Bleivergiftungen


Blei kommt im menschlichen Körper physiologischer Weise nicht vor. Deshalb muss beim Nachweis von Blei im Organismus von einer Kontamination ausgegangen werden. Blei kann über den Verdauungsapparat, die Atemwege oder über die Blutbahn (Mutter-Kind) aufgenommen werden.
  • Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die durchschnittliche tägliche orale Bleiaufnahme auf etwa 100-500 µg pro Person.
  • Erwachsene nehmen mehr als 80 % des Bleis über Lebensmittel auf.
  • Kleinkinder können bleibelasteten Boden und Staub verschlucken.
  • Die pro Tag aufgenommene Bleimenge ist bei Kindern durchschnittlich relativ gesehen höher als bei Erwachsenen.

Da eine Bleivergiftung mit wenigen eindeutigen klinischen Anzeichen einhergeht, kann sich die Diagnose einer Bleivergiftung schwierig gestalten.

Die Diagnose


Klinische Zeichen
Eine Bleivergiftung geht mit unspezifischen klinischen Symptomen einher. Folgende Anzeichen können auftreten:
  • Verdauungsstörungen: Appetitlosigkeit, wiederkehrende Bauchschmerzen, Verstopfung, Erbrechen;
  • Verhaltensstörungen: Apathie oder Reizbarkeit, Hyperaktivität;
  • Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen;
  • Verzögerte psychomotorische Entwicklung;
  • Blässe durch die mit der Bleivergiftung einhergehende Anämie;
  • etc.

Bleiwertbestimmung: Für Wen?


Um eine Bleivergiftung festzustellen, muss der Bleiwert im Blut bestimmt werden. Diese Bestimmung wird allerdings nur bei Kindern durchgeführt, bei denen eine Bleivergiftung vermutet wird. Die folgenden Kriterien werden herangezogen, um festzustellen, ob das Kind einem Risiko für eine Bleivergiftung ausgesetzt ist:
  • Alter zwischen 12 Monaten und 6 Jahren;
  • wohnhaft in einer älteren, heruntergekommenen oder kürzlich renovierten Behausung:
  • und/oder Auftreten eines Pica-Syndroms (die Kinder essen dabei Substanzen, die keine Lebensmittel darstellen);
  • oder häufiges "in den Mund nehmen" von Dingen;
  • und/oder Frequentieren von Behausungen oder Gebieten, die bekanntermaßen bleikontaminiert sind;
  • und/oder wenn eine Person im Umfeld unter einer Bleiintoxikation leidet.

Was tun, wenn Blei im Blut nachgewiesen wurde?


Es werden folgende Vorgehensweisen empfohlen:
  • Bei einem Bleiwert unter 100 mg/L: Es liegt keine Intoxikation vor. Eine Kontrolle (Bleiwertbestimmung) sollte bis zum 6. Lebensjahr alle 6 Monate erfolgen. Die Kontaminationsquellen müssen soweit wie möglich aus dem Umfeld des Kindes entfernt werden.
  • Bleiwert zwischen 100 und 249 mg/L Eine Kontrolle des Bleiwerts sollte alle 3 bis 6 Monate erfolgen. Die Kontaminationsquellen müssen entfernt werden und der Fall muss gemeldet werden.
  • Bleiwert zwischen 250 und 449 mg/L: Eine Kontrolle des Bleiwerts sollte alle 3 bis 6 Monate erfolgen. Das Kind muss an eine Institution überwiesen werden, in der der Schweregrad der Intoxikation eingeschätzt und die Indikation einer Behandlung mit Chelatbildnern erörtert werden kann. Die Kontaminationsquellen müssen entfernt werden und der Fall muss gemeldet werden.

Bleiwert > 450 mg/L: Das Kind muss sofort an eine Institution überwiesen werden, in der der Schweregrad der Intoxikation eingeschätzt und die Indikation einer Behandlung mit Chelatbildnern erörtert werden kann. Die Kontaminatiosquellen müssen entfernt werden und der Fall muss gemeldet werden.

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Letztes Update am 21. April 2011 12:39 von Dr. Blattmann.
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